Ming Dynastie in Mitte

Chinese Cuisine mit Überraschungsfaktor

Typisch für die Szechuan Küche, wie es sie auch in der Ming Dynastie gibt, ist der Feuertopf.
Typisch für die Szechuan Küche, wie es sie auch in der Ming Dynastie gibt, ist der Feuertopf.
Jannowitzbrücke - Einen Steinwurf von der Chinesischen Botschaft entfernt, offenbart sich Freunden der fernöstlichen Küche ein Paradies, in dem viel Wert auf Tradition und unverfälschte Speisen gelegt wird. Ente Kross und Frühlingsrollen lässt man nach einem Besuch in der Ming Dynastie links liegen und sehnt sich nach Schweineohren oder Seegurkensuppe.
An einem Samstagabend in der Ming Dynastie essen zu gehen, sollte von langer Hand geplant werden. Denn wer auf den letzten Drücker einen Platz reserviert, wird im schlimmsten Fall zwischen zwei lärmenden Familien platziert. Keine gute Ausgangslage für ein romantisches Abendessen, auch wenn der freundliche Kellner in bestickter Satin-Jacke sich mit „Das war leider der letzte freie Tisch“ entschuldigt. 
 
Peinlich berührt von dieser in Berlin untypischen Nettigkeit werfen wir hungrig einen Blick in die Karte. Über 130 Gerichte stehen zur Auswahl. Schwer für den, der nur Ente kross oder Gemüse süß-sauer gewohnt ist. Wir rufen den Kellner mit dem Wunsch, er möge uns etwas „typisch Chinesisches“ empfehlen – den Quallensalat mit acht Kostbarkeiten (7,80 Euro) und das 1000-jährige Ei (6,80 Euro) bitte ausgenommen. Auf einen Kulturschock wollen wir uns an diesem Abend nicht einlassen.

Authentisch unangepasst 

Dass wir keine „einfachen“ Gäste sind, die sich zudem kaum mit chinesischem Essen auskennen, zeigt sich schnell. Fisch, darauf haben wir keinen Appetit, auch nicht auf Huhn. Etwas Gebratenes soll es sein und nicht zu scharf. Kein leichtes Unterfangen, da Chili eine nicht zu verachtende Grundschärfe in die Sichuan-Küche bringt. Offenkundig hat man sich in der Ming Dynastie nicht dem europäischen Gaumen angepasst. An der Brückenstraße in Mitte regiert Authentizität pur. 
 
Davon zeugen neben den exotischen Gerichten auch die vielen Gäste aus dem Reich der Mitte. Sie unterhalten sich angeregt, tauchen dabei ihre Stäbchen eins ums andere in die unzähligen Schalen und Teller und scheinen ganze Berge zu verdrücken. Zu den Stammgästen soll übrigens auch der Chinesische Botschafter zählen. Wenn das kein Qualitätsbeweis ist.

Reichlich mit italienischem Touch 

Nach langem Überlegen entscheiden wir uns für einen sanften Einstieg mit Fischbällchensuppe (3,80 Euro) und gedämpften, kleinen Köstlichkeiten – Dim Sum (5,80 Euro), die herrlich duften und fantastisch gewürzt sind. Als Hauptgang wählen wir gedämpftes Schweinefleisch nach Bauernart (12,50 Euro) – „eine gute Wahl“, lacht der Kellner. Er behält Recht, denn das zart marinierte Fleisch zergeht förmlich auf der Zunge. Das Lammfleisch im Tontopf (14,80 Euro) überrascht uns, denn mit den Möhren und Gewürzen erinnert es eher an ein italienisches Gericht. Wer dabei wen beeinflusste, kann uns niemand verraten. Geschmeckt hat es dennoch vorzüglich und die Portionen waren so üppig, dass wir uns den Rest einpacken lassen. 
 
Die Vorfreude auf den nächsten Besuch in der Ming Dynastie ist riesig. Denn jeden Freitag und Samstag ab 18 Uhr und sonntags ab 12 Uhr hat der unentschlossene Gast die Möglichkeit, sich beim Buffet für 14,80 Euro die Speisekarte rauf und runter zu essen und Schweineohren, Hühnermägen oder Seegurkensuppe zu probieren. 
Ming Dynastie, Brückenstr. 6, 10179 Berlin

Telefon 030 30875680
Fax 30875681

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Montag bis Sonntag von 12:00 bis 23:00 Uhr
Mittagstisch:
Montag bis Freitag von 12:00 bis 16:00 Uhr

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