Besuch beim MMA Training

Boxen, Treten und Würgen im Wedding

Boxen, Treten und Würgen im Wedding
Dominique Maniry vor seinem Kampfsportverein im Wedding. Dort erlaubt er uns einen Einblick in einen aufstrebenden Sport: die Mixed Martial Arts (MMA).
Wedding – In den Osramhöfen wird täglich gekämpft. Mit dabei ist auch Dominique Maniry, der sich im Sportverein IMAG e.V. auf seinen ersten großen MMA Kampf vorbereitet. Der Vollkontaktsport gilt als einer der härtesten der Welt, war wegen seiner Brutalität im deutschen Fernsehen verboten und ist trotzdem auf dem Vormarsch. QIEZ hat Dominique beim Training besucht und mit ihm über die Faszination MMA gesprochen.

MMA, das steht für „Mixed Martial Arts“ und kürt die besten Kämpfer der Welt. Schon im antiken Griechenland durften sich Boxer und Ringer bei den Olympischen Spielen mit allen Mitteln messen, aber Dominique Maniry setzt bei der Geschichte des MMA im Jahr 1993 an. Damals suchte die UFC (Ultimate Fighting Championship) nach dem besten Kampfsport und ließ Kontrahenten aus verschiedenen Disziplinen antreten. Um zu gewinnen, pickte man sich aus jedem Stil die wichtigsten Techniken heraus – MMA war geboren. Hier darf gerungen und geboxt werden, Elemente vom Judo über Kickboxen bis hin zu Jiu-Jitsu, Tritte am Boden und gegen den Kopf sind möglich.

„Sich zu prügeln ist sehr viel schwerer, als man denkt“

Was man diesem Kampfsport nachsagt, stimmt also: kämpferisch ist alles erlaubt. Das heißt aber nicht, dass es keine Regeln gäbe. Denn auch wer weitestgehend uneingeschränkt auf sein Gegenüber losgehen darf, soll ihm keinen dauerhaften Schaden zufügen. Ein enormes Maß an Technik und Fair Play spielen beim MMA eine Rolle. Beißen, Kneifen, Kniestöße gegen den Kopf oder Schläge auf die Wirbelsäule sind zum Beispiel verboten. Tatsächlich ist Technik das A&O dieses Sports. „Du kannst den muskulösesten Menschen aus einem McFit herausholen, der wird im Kampf trotzdem zerstört“, sagt MMA-Sportler Dominique. „Oft sagt man, es ist wie Schach mit dem Körper.“

Er selbst verkörpert nicht gerade das Klischee eines Kampfsportlers. Wenn der Student der Technischen Informatik erzählt, womit er seine Freizeit an vier bis fünf Tagen in der Woche verbringt, hört er oft: „Ach, du machst sowas? Du bist doch gar nicht so der Schlägertyp!“ Im Sportunterricht früher habe er sich gequält: „Ich war überzeugt davon, dass es sportliche und nichtsportliche Menschen gibt. Und dass ich zu Kategorie zwei gehöre.“ Doch als ein Kumpel im Freundeskreis zeigte, wie man kickboxt, fing Dominique sofort Feuer und blieb schließlich beim MMA hängen – nicht für die Selbstverteidigung, sondern weil es ihm Spaß macht. Weil der Sport und die Erfolgserlebnisse darin für ihn wie eine Sucht sind.

Hier schlagen sich Ärzte, Künstler und Informatiker

Und überhaupt treffen wir beim Training des IMAG e.V. keine „Schlägertypen“. „Wir haben viele Ärzte, Medizin- und andere Studenten und auch Künstler. Insgesamt ist das Bildungsniveau sehr hoch“, sagt Dominique. Bei der Frage, ob die Jungs ihre Kampfkünste auch auf der Straße anwenden, muss er lachen: „Es macht gar keinen Sinn, sich irgendwo zu prügeln. Das leben wir alles in einer kontrollierten Umgebung aus.“ Und selbst dann ist MMA mehr als bloße Prügelei. „Manchmal sieht es vielleicht so aus, als ob wir richtig aufeinander losgehen. Aber keiner will den anderen verletzen.“

Die Vorstellung von MMA als Brutalo-Sport sei in Deutschland großteils der Unwissenheit der Leute geschuldet, meint der Student. Der Deutsche Olympische Sportbund erkennt MMA nicht als Sport an, TV-Übertragungen der für besonders gefährlich gehaltenen Kämpfe waren bis 2014 verboten. Man denkt, dass man niemanden schlagen soll, der am Boden liegt. Dabei landen in den meisten Fällen beide Kontrahenten auf der Erde, bevor es im Bodenkampf weitergeht. „Und im Endeffekt ist das gesundheitliche Risiko beim MMA nachweislich geringer als beim Boxen, weil da nur auf den Kopf geschlagen wird. Studien haben sogar gezeigt, dass die Verletzungsgefahr geringer ist als beim Fußball oder Skifahren“, so Dominique.

MMA als neuer Trendsport?

Aber der Ruf des MMA ändert sich langsam. „In Deutschland wollen immer mehr Leute MMA trainieren, immer mehr Schulen bieten es an“, weiß der 24-Jährige. In Holland, Schweden oder Großbritannien ist der Hype längst größer. In den USA werden MMA-Kämpfer auf der Straße erkannt, ziehen mehr Publikum an als Boxer und wenn es so weitergeht, könnte MMA bald auch eine Konkurrenz zu Baseball oder Basketball werden, schätzt Dominique.

Nach mehreren kleinen Wettkämpfen in Turn- und Sporthallen misst er sich am 4. Juli zum ersten Mal in der Wettkampf-Serie „We love MMA“. Bisher saß er da nur im Publikum – was man übrigens auch jedem empfehlen könne, der sich für Kampfsport interessiert. „Da herrscht einfach eine krass gute Atmosphäre und man ist überraschend nah dran. Und es ist halt eine Show, einfach unterhaltsam.“

 

IMAG e.V. Berlin + JKD Akademie Berlin, Groninger Straße 27, 13347 Berlin
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