Heimsieg für Hertha BSC

Spitzenreiter, Spitzenreiter – HEY, HEY...

Nach dem Spiel war die Freude groß, das ganze Stadion sang "Spitzenreiter, Spitzenreiter..." und feierte den Heimsieg.
Nach dem Spiel war die Freude groß, das ganze Stadion sang "Spitzenreiter, Spitzenreiter..." und feierte den Heimsieg.
Es ist vollbracht. Dank des verdienten - aber hart umkämpften - Sieges der Hertha gegen den 1. FC Kaiserslautern am gestrigen Abend steht die blau-weiße Dame aus der Hauptstadt erstmalig in dieser Saison zum Abschluss eines Spieltages auf dem Platz an der Sonne. Und dieses Spiel hatte alles, was ein Spitzenspiel bieten sollte: Dramatik, Kampf, Leidenschaft.

Hertha begann wie die Feuerwehr und so konnte bereits nach zwei Minuten der junge Nico Schulz, der für Marvin Knoll ins Team gerückt war, einen berechtigten Elfmeter herausholen. Lautern-Keeper Sippel kam zu spät und senste den Flügelflitzer humorlos von den Beinen. Zum fälligen Strafstoß trat, wie zu erwarten, unsere Allzweckwaffe Ronny an. Doch Sippel konnte seinen Fehler ausbügeln und den recht unplatzierten und schwach geschossenen Elfer parieren.

Doch unsere Jungs ließen sich davon vorerst nicht beeindrucken und machten weiter Druck. Vor allem der hochmotivierte Nico Schulz begann mit frühem Pressing und konnte somit beim Gegner für den einen oder anderen Ballverlust sorgen. Doch bis auf einen Schuss, den Ramos über das Tor drosch, konnte sich Hertha, trotz klarer Feldvorteile, keine weiteren Chancen erspielen.

Rote Karte ändert alles

Lautern stellte sich in der Folge immer besser auf die Berliner ein und so entwickelte sich über die Zeit ein sehr intensives Spiel, in dem sich beide Mannschaften im Mittelfeld nahezu neutralisierten. Zudem wurde das Spiel von Minute zu Minute ruppiger und beide Teams fielen vor allem durch Fouls auf – ein richtiger Spielfluss wollte nicht mehr zustande kommen.

Der Höhepunkt dieser harten Phase des Spiels wurde mit der Roten Karte für Alexander Baumjohan in der 33. Spielminute erreicht. Baumjohan wusste schon im Hinspiel durch sein sehr unsportliches Spiel aufzufallen und hatte erst in der Vorwoche durch eine oscarreife Schauspieleinlage für eine Rote Karte für einen Gegner gesorgt. Ich habe mir gestern Abend die Bilder zu Hause noch angesehen. Die Karte kann man geben, war doch die Verletzungsgefahr in diesem Fall sehr hoch. Jedoch ist die Karte durchaus auch sehr hart und wäre vielleicht nicht von jedem Unparteiischen gegeben worden. Alles in allem jedoch sicherlich keine Fehlentscheidung.

Aus der Überzahl konnte Hertha bis zur Pause jedoch noch keinen Nutzen ziehen und so ging es mit einem torlosen Remis in die Kabine.

Luhukay zeigt Mut

Zum Start der zweiten Halbzeit war es dann so weit. Unter tosendem Jubel wurde der langzeitverletzte Pierre-Michel Lasogga zum ersten Einsatz nach seiner Leidenszeit im Olympiastadion willkommen geheißen. Dafür wurde Pekarik vom Platz genommen, bei dem nach dem Einsteigen von Baumjohan der Verdacht auf eine schwere Schienbeinprellung besteht. Ndjeng und Ramos rückten auf der rechten Seite jeweils eine Position zurück und Lasogga ging in die Stoßspitze.

Hertha erhöhte nun den Druck von Minute zu Minute, die Pfälzer konzentrierten sich nahezu komplett auf die Verteidigung. Und Luhukay setzte alles auf eine Karte und brachte in der 62. Minute für Verteidiger Brooks mit Sandro Wagner einen weiteren Stürmer. Man wollte Lautern nun einfach überrennen.

Der Mut des Coaches sollte belohnt werden: In der 68. Minute spielte Kapitän Peter Niemeyer einen Pass in die Spitze zu Lasogga, dieser ließ den Ball gefühlvoll zu Peer Kluge abtropfen, welcher dann vor dem Tor die Nerven behielt und trocken ins linke untere Eck vollendete. Der Bann war gebrochen.

In den letzten gut 20 Minuten verpasste es Hertha durch schludriges Konterspiel, den Sack vorzeitig zuzumachen und Lautern warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorn – ohne jedoch die nötige Gefahr zu generieren. Nach drei Minuten Nachspielzeit beendete Schiri Welz die Partie und die Party konnte starten.

Fans hui, Ronny pfui

Am Ende waren es dann doch 37.347 Zuschauer, die an diesem Montagabend bei ungemütlichem Wetter und der ungünstigen Anstoßzeit den Weg ins Olympiastadion gefunden hatten. Und vor allem die Ostkurve, mit den Treusten der Treuen, fand in diesem Spiel zu alter Stärke zurück. Das lang in Teilen sicherlich auch am beherzten Auftreten der eigenen Mannschaft, doch auch die Vorsänger unten in der Kurve wirkten an diesem Tag deutlich motivierter als zuletzt und es schallten Lieder durchs weite Rund, welche man gefühlt mehrere Jahre nicht mehr zu hören bekommen hatte. Dafür ein klares Daumen hoch!

Unten auf dem Platz zeigte die Hertha eins der besten und vor allem auch engagiertesten Spiele dieser Saison. Positiv hervorzuheben ist vor allem der junge Nico Schulz, der sich 90 Minuten aufgerieb, viele Ballverluste beim Gegner provozierte und sich immer wieder gefährlich über seine linke Seite in den Angriff einschaltete. Für mich der Gewinner das Spiels.

Auch die Protagonisten des 1:0 sind hervorzuheben. Peer Kluge hat nach überstandener Krankheit wieder ein sehr kämpferisches Spiel abgeliefert und Lasogga konnte bei seinem ersten richtigen Einsatz sofort einen Scorerpunkt für sich verbuchen. Und schlussendlich werde ich nicht müde, Fabian Lustenberger in den Himmel zu loben. Wie sicher er hinten alles abräumt, was da kommt, ist der Wahnsinn. Und dass er in der 2. Halbzeit teilweise allein verteidigt hat und trotzdem kein einziger wirklicher Schuss auf den Kasten von Thomas Kraft abgegeben wurde, zeigt seine augenblickliche Ausnahmeleistung.

DER Verlierer an diesem Abend war sicherlich Ronny. Das ist ihm nach vielen starken Auftritten zuzugestehen. Doch nach seinem verschossenen Strafstoß wirkte das Zauberfüßchen an diesem Abend, als stünde er neben sich. Vor allem schien er durch den Misserfolg vom Punkt massiv übermotiviert, er verpasste die richtigen Momente, um den Ball abzuspielen, wollte mit dem Kopf durch die Wand und sorgte somit für überproportional viele Ballverluste. Die Konsequenz war seine Auswechslung gegen Kobiashvili nach der Führung. Kopf hoch Ronny, beim nächsten Mal läuft‘s wieder besser.

War‘s das? Das war‘s!

Ich lege mich fest und darauf lasse ich mich auch festnageln: Mit dem Sieg am gestiegen Abend steht Hertha als Aufsteiger der Saison 2012/13 in die erste Bundesliga fest. 13 Punkte Vorsprung auf den Dritten bei noch 11 zu spielenden Partien – das holt Lautern nicht mehr auf. Auch weil unser Restprogramm überschaubar ist. Natürlich sollten sich die Spieler jetzt nicht auf dem Polster ausruhen. Doch da mache ich mir bei Jos Luhukay keine Sorgen, er wird den Spielern bis zum letzten Spieltag die falsche Einstellung auszutreiben wissen. Schön wäre es natürlich, wenn wir am letzten Spieltag vor eigenem Publikum wieder die Felge überreicht bekommen würden, ein Ziel auf das man nun geschlossen hinarbeiten kann.

Hinter den Kulissen kann nun verstärkt mit der Vorbereitung auf die nächste Saison begonnen werden. Erste Namen wie Maik Hanke, Chinedu Obasi, Moritz Leitner oder Lasse Sobiech stehen bereits im Raum. Mit ihnen könnte ein Bundesliga-tauglicher Kader auf die Beine gestellt werden. Wer am Ende alles in die Hauptstadt kommen wird, steht natürlich in den Sternen und es wird noch viele absurde Gerüchte geben. Das alles ist man gewohnt. Es ist jedoch zwingend nötig, den Kader, trotz finanzieller Schieflage, punktuell mit wirklichen Verstärkungen zu erweitern. Eine durchaus große Herausforderung für Trainer und Manager.

Am kommenden Samstag trifft die Hertha um 13:00 Uhr in der schönen sächsischen Landeshauptstadt auf den ansässige SG Dynamo Dresden. Vielleicht bekomme ich ja ein schönes Geburtstagsgeschenk.

In diesem Sinne, wir sind Spitzenreiter
René ,Mueggi‘ Jünemann
2. Vorsitzender Berliner Jungs OFC

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