Zehlendorfer Fassadenstreit bekommt Farbe

Bezirk will Truman Plaza enthässlichen

Bezirk will Truman Plaza enthässlichen
Farbwechsel. Nachdem die Baugerüste gefallen waren, zeigte sich im letzten Jahr, dass die Neubauten auf der alten Truman Plaza hellgrau statt elfenbein- oder sandfarben sind. Fand jedenfalls der Bezirk und zoffte sich mit dem Investor. Der sagt jetzt: "Wir wollen Frieden." Zur Foto-Galerie
"Wir wollen Frieden im Bezirk", sagt der Investor und zeigt neue Farbentwürfe für die Fassade an der Truman Plaza, die dem Bezirk zu trist erscheint. Im Stadtplanungsausschuss wurde nun schon mal kräftig gefachsimpelt. Unser Blog-Reporter war dabei.

Ist es nun ein wunderbares Grau oder ein farblicher Missgriff? Die Meinungen über die Fassadenfarbe des neuen Geschäftszentrums auf dem einstigen Truman-Plaza-Gelände an der Clayallee Ecke Argentinische Allee gehen weit auseinander. Seit Monaten wird über eine „Nachbesserung“ diskutiert und spekuliert. Viele Anwohner haben sich aber inzwischen daran gewöhnt und sich sogar damit angefreundet, andere aber wollen sich damit nicht abfinden. Zu denen gehört das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, dem die Farbe zu trist und düster ist, und das unerbittlich und ungeduldig auf hellere Töne in Richtung Beige und Elfenbein drängt.

Im letzten Stadtplanungsausschuss am Dienstag war der gereizte Unterton des Vorsitzenden Torsten Hippe (CDU) nicht zu überhören. Der anwesende Investor Ludwig Maximilian Stoffel vom Unternehmen Stofanel zeigte sich trotz gegenteiliger Meinung versöhnlich. „Wir wollen Frieden im Bezirk“. Zur Diskussion stehen nun drei Farbtöne in hellerem Beige, am kommenden Dienstagabend will sich der Stadtplanungsausschuss vor Ort die drei Farbproben zeigen lassen, dann soll eine Entscheidung fallen. „In sechs bis acht Wochen können wir loslegen“, versicherte Stofanel-Projektentwicklungsleiter Bernd Neuendorf den Bezirksverordneten, eine Ausschreibung werde vorbereitet.

Zuvor hatte er von einem Gutachterverfahren des Investors berichtet, das zu dem Schluss gekommen sei, dass ein Anstrich der mit Schutzlack versehenen aufgeklebten hellgrauen Fassadenplatten im Gegensatz zu Folien die beste Lösung sei. Im Ausschuss präsentierte er einen kleinen Farbmuster-Katalog, etliche Bezirksverordnete drängten sich um Neuendorf und seine Farbpalette, ließen sich Muster zeigen und fachsimpelten: „Zu gelb, zu flächig, zu dunkel“.

Und als draußen vor dem Rathaus ein heftiger Schauer einsetzte, fragte einer: „Was passiert mit der Farbe, wenn es nass wird?“

Auf diesen Einwand wurde nicht weiter eingegangen. Die Lichtverhältnisse im Sitzungsraum – die CDU-Fraktion war Gastgeber – ließen eine endgültige und volksnahe Entscheidung kaum zu. Fragen sind außerdem noch offen: Was wird aus den grauen Fensterabdeckungen? Aber erst einmal ging es um die große Fassade, drei helle Farbtöne gehen in die Endausscheidung, eventuell werden letztlich zwei zur Auflockerung verwendet.

Projektleiter Neuendorf sagte zu, drei unterschiedliche Ansichtsplatten für den Ortstermin des Ausschusses am kommenden Dienstag „18 Uhr 30 vor Reichelt“ zu präparieren.

Im Bezirk hat sich offenbar der gewohnte Begriff „Truman Plaza“ für das Areal festgesetzt. So hieß das Gelände zu Zeiten, als die Amerikaner hier ihr Einkaufszentrum eingerichtet hatten, als nebenan das Deutsch-Amerikanische Volksfest gefeiert wurde. Laut Tagesordnung will der Bezirk, der das Bauprojekt mit Skepsis begleitet, die „Truman Plaza enthässlichen“.

Das Unternehmen Stofanel sieht nichts Hässliches an dem Projekt, verweist auf die nach Ansicht der Architekten „bestmögliche Farbe“, mit der bisher verwendeten hellen, matten Farbe für das Geschäftszentrum habe man den Bebauungsplan befolgt, es gebe Auszeichnungen , für das gesamte Areal „Fünf Morgen Dahlem Urban Village“, das 2016 fertig gestellt sei.

Aber nun wolle man keinen Streit mit dem Bezirk mehr und Ruhe und Frieden um das Projekt. Farbe soll’s richten. Ob dann wirklich Ruhe ist?

Der Autor war lange Jahre Redakteur in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels und lebt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

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Quelle: Der Tagesspiegel

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