Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Anja Antonowicz: Zwischen Kaffee, Büchern und Feldhockey

Anja Antonowicz: Zwischen Kaffee, Büchern und Feldhockey
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Winterfeldtplatz - Von der Lindenstraße zum Tatort, von Prenzlauer Berg nach Schöneberg - Schauspielerin Anja Antonowicz ist ständig in Bewegung. In der Stadt vorzugsweise mit dem Fahrrad und einer ordentlichen Portion Koffein im Blut. 
Es ist der Tag der Attentate von Brüssel. Mit dem Telefon am Ohr kommt Anja Antonowicz ins Café April, um sich zu entschuldigen. Sie müsse noch einmal telefonieren. Mit Freunden in Brüssel. Später erfahren wir, dass sie etwa 500 Meter von der U-Bahnstation Maelbeek, wo sich ein Mann am 22. März in die Luft sprengte, fünf Jahre gewohnt hat. Der Vater ihres Sohnes lebt noch immer in Brüssel.
 
Inzwischen ist Berlin die Heimat der gebürtigen Polin. Anfangs Prenzlauer Berg. Aber nur rein zufällig, „weil ich eine deutsch-französische Kita für meinen Sohn gesucht habe“, so die Schauspielerin. Richtig wohl habe sie sich dort nicht gefühlt: „Ich bin keine typische Prenzlauer-Berg-Mutti“. Die Einstellungen vieler Eltern dort waren mit ihren Erziehungsansichten einfach nicht kompatibel. „Ich möchte mit meinem Kind nicht ewig an einer Ampelkreuzung diskutieren, ob wir die Straße überqueren oder nicht.“ Erziehung auf Augenhöhe sei ja schön und gut, aber eben nicht ausschließlich. „Andererseits möchte ich mich nicht schlecht fühlen, wenn mein Kind Süßigkeiten bekommt“, sagt sie.
 

Aus anstrengend wird entspannt

 
Die Konsequenz war ein Umzug. Seit zweieinhalb Jahren lebt sie im Dreiländerkiez von Charlottenburg, Wilmersdorf und Schöneberg. In einem Haus, das ein Kuriosum zu sein scheint. Denn laut Anjas Beschreibung befindet sich ihre Wohnung in Charlottenburg, der Balkon in Wilmersdorf und das Haus in Schöneberg. Das sorgte bei Behördengängen schon für Komplikationen. Ansonsten lebt es sich hier fantastisch. Die Alleinerziehende mag die Bodenständigkeit und Entspanntheit der Schöneberger. Wilmersdorf und Charlottenburg seien zwar etwas edlere Wohngegenden, „aber voller Historie“.
 
Wenn Sohnemann am Wochenende für ein paar Stunden im Erdforscher Labor werkelt, sie in dieser Zeit über den Winterfeldtplatz schlendert und im Anschluss einen Kaffee im April trinken geht, dann hat sie kein schlechtes Gewissen mehr. „Es ist wichtig, Zeit für sich zu haben. Dieses Café ist der perfekte Ort dafür“, sagt Anja. Hier war sie mit Freundinnen schon vor ihrer Berlin-Zeit Kaffeetrinken und mit dem neuen Freund zum ersten Date verabredet: „Mit dem April verbinde ich viele schöne Momente.“
 
Anja Antonowicz an ihrem Lieblingsplatz im Winterfeldtkiez: dem Café April. ©Weißbach
 
Sehnsucht nach ihrer Heimat Polen hat sie selten, „zweimal im Jahr bin ich dort.“ Sie fühlt sich inzwischen als Berlinerin. Aber für immer hier bleiben? Wenn ein neues spannendes Angebot käme, würde sie auch wieder weggehen. „Ich bin ein Mensch, der sich gerne bewegt.“ Daher hatte sie auch ihre Rolle in der Lindenstraße, mit der sie im deutschen Fernsehen durchstartete, nach vier Jahren aufgegeben. „Ich wollte etwas anderes ausprobieren und unterschiedliche TV-Produktionen kennenlernen.“ Einmal im Jahr etwas zu machen, sprich zu drehen – das ist der 35-Jährigen wichtig. Neben ihrer festen Rolle im Kieler Tatort, in dem sie als Pathologin zur Aufklärung der Fälle beiträgt, ist sie am 8. April in dem modernen Western Matthiesens Töchter und im Herbst in einer Rolle in Paula zu sehen. Der Film über Paula Modersohn-Becker ist eine Regiearbeit von Christian Schwochow, mit dem die Schauspielerin sehr gerne zusammenarbeitet. Außerdem mag sie Kostümfilme.  
 

Die Stylistin ihres Vertrauens

 
Die passen perfekt zu ihrem Look. Mit den langen rotblonden Locken könnte sie einem Jane-Austen-Film entsprungen sein. Für viele Stylisten eine unbändige Herausforderung. Zum Glück hat Anja in ihrem Kiez Andrea Mayr gefunden. Sie betreibt seit 14 Jahren in der Ansbacherstraße die maske berlin – einen Fachhandel für Maskenbildern und Filmleute. „Bei uns deckt sich das ZDF oder der RBB mit Schminke, Filmblut und falschen Bärten ein“, verrät die Expertin. Anja ist hier regelmäßig zu Gast, um sich frisieren und stylen zu lassen: „Andrea weiß genau, welche Produkte für meine Haut und meine Haare geeignet sind und wie man sie kameratauglich macht.“
 
Ein Traum von Haar, der viel Arbeit bedeutet. ©Sebastian Matthias Weißbach
 
Doch nicht nur vor Drehterminen und Events besucht Anja den kleinen Laden. „Die haben hier auch sehr guten Kaffee“, lacht sie. Außerdem verstehen sich die beiden Frauen über das Berufliche hinaus, tauschen sich gerne über Geschichten aus dem Kiez aus. Dann hängen sie gemeinsam ihren Gedanken nach, wie es denn wäre, hier ein schönes Café zu eröffnen. Schließlich braucht Anja mindestens fünf Tassen Kaffee am Tag. 
 

Immer in Bewegung

 
Was ihr außerdem wichtig ist: viel Bewegung. Aber nicht im Fitnessstudio, sondern auf dem Fahrrad. „Das Radfahren habe ich aus meiner Zeit in Belgien mitgebracht. Ich bin bei Wind und Wetter unterwegs und fahre auch mal von Schöneberg nach Mitte.“ Mit ihrem Sohn bevorzugt sie weniger befahrene Strecken um den Grunewaldsee oder den Schlachtensee. Oder sie begleitet ihn zum Feldhockey-Training beim Verein Blau-Weiß. „Julian wird sicher kein Profi-Spieler. Aber es ist gut, wenn Kinder gemeinsam Sport machen“, findet seine Mutter. Vielleicht wird er ja mal ein bekannter Geologe, so wie ihr Großvater einer war. „Das mit den Steinen liegt uns im Blut.“
 
Bei Morgana gibt es Stifte von Koh-i-noor, mit denen schrieb Antonowicz schon als Kind. ©Weißbach
 
 
Da Anja gebürtige Polin ist, wollten wir von ihr wissen, wo man in Berlin ein Stück Polen findet. Hier ihre Top 5: 
 
„Die deutsch-polnische Buchhandlung Buchbund in Neukölln kann ich sehr empfehlen. Hier gibt es die neuesten polnischen Bücher ins Deutsche übersetzt. Großartige Literatur, sogar Nobelpreisträger sind darunter. Wenn ich ein Geschenk für Freunde suche, gehe ich hierher. Meine Entdeckung zu Weihnachten war ein Abrisskalender, mit dem man Polnisch lernen kann. Toll!
 
Bei Maty Ksiaze, einem kleinen polnischen Lebensmittelgeschäft mit angeschlossenem Café in der Lilienthaler Straße, kaufe ich alles, was mir an polnischen Spezialitäten fehlt: richtig saure Gurken, Sauerkraut und polnischen Wodka wenn sich Besuch angemeldet hat.
 
Ich bin eigentlich nicht so der Esser, Kaffee ist mir viel wichtiger. Und wirklich vermissen tue ich die polnische Küche auch nicht. Wenn es mal selbstgemachte Bigos, Żurek oder Piroggen sein sollen, dann gehe ich gerne zu Tak Tak in Mitte.
 
Als Schauspieler braucht man ab und an etwas Schickes für den Roten Teppich oder eine Preisverleihung wie zum Beispiel den Deutschen Filmpreis. Ich gehe dann zu Dawid Tomaszewski, einem polnischen Designer, der in Kreuzberg sein Atelier hat und regelmäßig seine Couture-Mode auf der Fashion-Week zeigt. Ich mag die Materialien, die er verwendet aber auch die weiblichen Schnitte seiner Kreationen.
 
Wer etwas über die polnische Kultur erfahren möchte, der sollte Montag bis Freitag ab 22 Uhr das Polski Magazyn Radiowy anschalten. Die Sendung wird im Funkhaus Europa produziert und vermittelt ein Stück polnische Kultur.“
 

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Restaurant April, Winterfeldtstraße 56, 10781 Berlin

Telefon 030 2168869

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