• Freitag, 21. September 2012
  • von Sophie Maaß

QIEZ-Umfrage

Stimmen aus dem Mauerpark

  • Spaziergänger im Mauerpark
    Grenzweg. Einst war hier die Welt zwischen Ost und West geteilt. Heute kommen im Mauerpark alle zusammen – von Nord bis Süd, von Alt bis Jung. Foto: QIEZ - ©Sophie Maaß
3Kommentare
Anmerkung zu den …
Bei dem Artikel ging es vor allem darum, die Stimmung der Nutzer des … mehr

Der Mauerpark soll für 3,5 Millionen Euro erweitert werden. Doch nicht nur das: In der unmittelbaren Umgebung des Parks sollen demnächst 600 Wohnungen entstehen. QIEZ stieß bei einer Anwohnerumfrage auf bewegte Gemüter.

"Unsere Geschichte, die kann man nicht einfach zubauen", sagt Hildegard Pesche, die gerade zu Besuch bei ihrer Tochter ist, aber früher lange Zeit selbst in Berlin wohnte. An die Zeit der Mauer kann sie sich noch gut erinnern und gerade deshalb wünscht sie sich, dass der Park, so wie er ist, als Denkmal erhalten bleibt und die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät.

Die Ansicht, dass der Mauerpark in seinem jetzigen Zustand bestehen bleiben soll, klingt bei vielen der Befragten durch. Anwohner wie auch Parknutzer aus anderen Bezirken Berlins wollen das Fleckchen Grün im Herzen der Stadt nicht verlieren. Dabei kommt es ihnen vor allem auf die Atmosphäre an, die der Park vermittelt: "Der spröde Charme des Mauerparks ist weltweit bekannt. Die Leute kommen gern hier her, weil es ein so unkomplizierter Ort ist", erklärt E. Fischer, die mit ihrem großen Neufundländer unterwegs ist.

Mauerpark Karaoke Mauerpark Karaoke

Rückzahlung der Allianz-Spende droht

"Ich finde es außerdem skandalös, dass die Stadt die Spende der Allianz so lange ignoriert und dass man die Diskussionen um die Erweiterung nicht schon früher und auf einem seriöseren Level geführt hat", erläutert Frau Fischer ihre Sicht der Dinge. Dabei bezieht sie sich auf 2,25 Millionen Euro Fördermittel, die dem Land Berlin zum Zwecke des Mauerparkausbaus von der Allianz Umweltstiftung zur Verfügung gestellt wurden.

Eigentlich sollte der Park laut Allianz-Vorgaben bis 2010 auf zehn Hektar vergrößert werden. Die Frist wurde bereits mehrfach verlängert und nun droht die Rückzahlung, falls Berlin nicht endlich in die Gänge kommt. Deswegen soll jetzt mit den Erweiterungsarbeiten begonnen werden. Der Gleimtunnel, der Teil des Parks ist und die einst getrennten Kieze Gleimviertel und Brunnenviertel miteinander verbindet, soll verschönert, von Graffiti gesäubert und die Parkbeleuchtung erneuert werden.

Berlins letzter Schatz

Dazu äußert sich die Endzwanzigerin Mia: "Ich bin ja nicht gegen eine Aufwertung bestimmter Stadtbezirke, aber hier wird ein Stück buntes Berlin zerstört. Der Flohmarkt am Sonntag und das Karaoke-Singen, die sind zu einer Institution geworden. Das soll nicht verändert werden." Außerdem gebe es keinen Bedarf an neuen Wohnungen, sagt sie und vertritt damit die Meinung der meisten Befragten.

Einzig Anwohner Richard ist zwiegespalten: "Ich verstehe schon, dass das Land Berlin die wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung treffen muss. Leider ist das zumeist nicht die, die dann auch stadtplanerisch am besten wäre." Nachdenklich fügt er hinzu: "Berlin ist finanziell gezwungen, einen seiner letzten Schätze zu verkaufen."

Weitere Links zum Thema:

www.mauerpark.info (Seiten des "Freunde des Mauerparks e.V.")

www.mauerparkmarkt.de (Seiten des Flohmarktes am Mauerpark)

Adresse

Gleimstraße 55
10437 Berlin

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Quelle: QIEZ
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3 Beiträge zu diesem Artikel
NikoQIEZ NikoQIEZ 25.09.2012 14:27:10
Anmerkung zu den kritischen Kommentaren
Bei dem Artikel ging es vor allem darum, die Stimmung der Nutzer des Mauerparks einzufangen - dass die nicht immer objektiv sind, haben wir bewusst in Kauf genommen. Es stimmt allerdings, dass auch uns zwei, drei Ungenauigkeiten unterlaufen sind - diese haben wir inzwischen korrigiert.
thorstenreschke thorstenreschke 25.09.2012 13:29:26
Tut mir leid, dieser Artikel ist nicht nur irreführend - sondern einfach von Anfang bis Ende falsch!
Wie MichaelEichhorn bereits schrieb, sind Moritzhof & Co von den Planungen zur Erweiterung des Mauerpark nicht betroffen - weil sie in Pankow liegen!

Es geht nicht darum den Mauerpark zu bebauuen, sondern diesen von bislang 8 Hektar um weitere 7 Hektar (davon 2 Hektar parkverträgliche Gewerbeflächen) zu erweitern.

Die über 2 Millionen Euro der Allianz Umweltstiftung wurden dem Land auch nicht geschenkt, sondern für eine Erweiterung des Mauerparks auf mindestens 10 Hektar zur Verfügung gestellt. Eine "Schenkung" hätte das Land nicht zurückzahlen müssen.

Welcher inhaltliche Zusammenhang zwischen der drohenden Rückzahlung an die Umweltstiftung und den geplanten Maßnahmen im Gleimtunnel bestehen, weiß Frau Maaß scheinbar auch nur allein.

Flohmarkt und Karaoke-Singen sollen und werden nicht verändert, der Flohmarkt mit anderen Gewerbeangeboten an der Bernauer Straße werden explizit gesichert - und das Karaoke-Singen findet in Pankow statt.

Erstaunlich ist - angesichts der aktuellen Debatte über Mieterhöhungen und drohender Gentrifizierung in Berlin - die völlig unkritische Darstellung der Meinungsäußerung, dass Berlin keinen Bedarf an neuen Wohnungen hätte ...

Und zuletzt: das Land Berlin verkauft am Mauerpark keine Flächen, es geht nicht um das Erzielen von Einnahmen - sondern um die Erweiterung des bestehenden Mauerparks im Bereich des Bezirks Mitte!


Was ist dieser Artikel für eine Peinlichkeit - läuft qiez.de tatsächlich mit und für den Tagesspiegel?
MichaelEichhorn MichaelEichhorn 25.09.2012 09:40:51
Irreführend
Sorry, aber der Artikel ist einfach irreführend.

"Da wo sich bisher noch das Birkenwäldchen und der Kinderbauernhof befinden, sollen demnächst 600 Wohnungen entstehen."

Das klingt als sollten bisherige Parkflächen für Wohnungsbau platt gemacht werden und das entspricht einfach nicht den aktuelle Plänen. Die Bebauung soll auf dem Gelände daneben erfolgen, auf dem jetzt noch Gewerbefläche ist. Alles was heute Park ist bleibt auf jeden Fall bestehen. Man kann die Wohnbebauung im nördlichen Teil sicher kritisch sehen, aber man sollte schon bei den Fakten bleiben. Die Debatte dreht sich überhaupt nicht um den bisherigen Park sondern um die vorgesehene Erweiterung Richtung Wedding. Vielleicht mal vorher die Pläne anschauen bevor man losschreibt.
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