• Montag, 09. Januar 2012

Bekömmlich essen in Berlin

Gemüse mit Hähnchenkeule

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  • Chipps
    Chipps ist ein Ableger von Cookies Cream, dem besten vegetarischen Restaurant in Berlin. Foto: QIEZ - ©QIEZ
  • Chipps
    Foto: externe Quelle - ©Chipps

Wer viel Lob verbucht, läuft manchmal Gefahr, daran gemessen zu werden. Das Chipps macht zwar vieles richtig, aber hier und da gibt es noch Verbesserungsbedarf.

Das Konzept hatte mich schnell überzeugt: Gemüse steht im Mittelpunkt der Speisen, Fisch und Fleisch werden als Beilage gereicht. Ein erster Testanlauf schlug fehl, da das gerade eröffnete Restaurant voll war. Beim nächsten Versuch reservierten wir einen Tisch. Wir erfuhren freilich erst nach Eintreffen, dass an diesem Abend nur ein Teil der normalen Karte gültig war. Dabei hatte uns gerade die große Auswahl an Gemüsegerichten angezogen, die man sich aus einzelnen Elementen zusammenstellen kann. Die leichte Enttäuschung ertränkten wir mit einem rosa Sekt, der jedoch noch etwas spritziger hätte sein können (4,50 Euro).

Der nächste – kleine – Fauxpas passierte beim bestellten Wasser. Das kam nicht wie gewünscht mit Kohlensäure, sondern still, wurde aber umgehend ausgetauscht. In Vergessenheit geraten war auch unsere Weinbestellung, doch mit Verspätung wurde der elsässische 2008er„Gentil“ von Hugel & Fils doch noch aufgetragen. Er hätte allerdings kein bisschen wärmer sein dürfen (28 Euro). Der Oberkellner, der aussah wie eine Romanfigur von Charles Dickens, entschuldigte sich in aller Form. Später schien er einen eifrigen, jungen Kollegen dadurch motivieren zu wollen, dass er mit vielen Grimassen über zickige Gäste lästerte – dieser Eindruck kann jedoch täuschen.

Chipps ist ein Ableger von Cookies Cream, dem besten vegetarischen Restaurant in Berlin. Scheinbar soll hier eine neue Form von Systemgastronomie etabliert werden. Im Außenbereich sitzt man auf einfachen Bänken und blickt aufs Auswärtige Amt, innen stehen graue Sessel an kleinen Holztischen. In der beinahe obligatorisch offenen Küche werkelte ein einziger Koch im Schweiße seines Angesichts. Dementsprechend verging einige Zeit, bis das Essen auf dem Tisch stand. Es wurde schließlich alles frisch zubereitet – unter Zuhilfenahme von überraschend viel Alufolie.

Elementar-Küche

Wirklich lecker war das frische Graubrot. Zumindest im Urzustand. Für die Vorspeise war es mit Olivenöl getränkt und geröstet – etwas zu fett als Appetitmacher. Ansonsten probierten wir gutes Gemüse vom Grill und Halloumikäse. Die Paprika waren hervorragend (6,50 Euro). Die andere Vorspeise war eine gegrillte Papaya, gefüllt mit geschmolzenem weißem Ziegenkäse. Eine pfiffige Kombination, obwohl an der Ausführung nichts raffiniert war.

Ein Besuch im Chipps ist jedenfalls diätfreundlich: Fleisch und Fisch wurden beim Hauptgang wie erwartet in sehr überschaubaren Mengen auf kleinen rechteckigen Beilagentellern serviert. Zwei schmale Stückchen Zander, lecker angerichtet in einer Sauce aus Kräutern, Zitronen und Oliven, konnten vollends überzeugen (6 Euro). Hinzu kam eine Schüssel mit Papas Arrugadas, salzigen Kartoffeln mit Schale, und Mojo Verde, einer grünen Kräutersauce, die für die Größe der Portion nicht ganz ausreichte. Hier sollte am Verhältnis noch gearbeitet werden (4 Euro). Alle Elemente sind einzeln bestellbar und es besteht häufig die Möglichkeit, zwischen Fleisch und Tofu zu wählen.

Die Hähnchenkeule war wie angekündigt knochenfrei, dafür schmälerte ein wenig Knorpel den guten Eindruck, den die drei ansonsten zarten und saftigen Streifen mit Haut hinterließen. Als Dip wurde ein kleines Gläschen mit Tomatensalsa gereicht (6 Euro). Der Caesar-Salat dazu machte alles wieder wett, die Portion war gut dimensioniert, mit einem üppigen Dressing und gehobeltem Käse oben drauf (6 Euro).

Zum Dessert entschieden wir uns für selbst gebackenen Apfelkuchen. Ganz frisch aus dem Ofen kam der vermutlich nicht, schmeckte jedoch beachtlich. Eine witzige Idee war das Glas mit Drehverschluss, in dem sich ein Schmandtörtchen auf einem Fonds aus Schokoraspeln und Aprikosenkompott befand, gut geeignet auch zum Mitnehmen.

CHIPPS

Jägerstraße 35
10117 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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