• Donnerstag, 09. August 2012

Katz Orange

Die Berliner Lässigkeit

  • Katz Orange
    Behaglich-rustikale Atmosphäre im Katz Orange. Foto: externe Quelle - ©Juliane Spaete

Ludwig Cramer-Klett hat mit dem Katz Orange in einer alten Brauerei in Mitte ein Restaurant eröffnet, das den klassischen Szene-Restaurants den Rang ablaufen könnte.

Als das sehr westberlinische Restaurant Maxwell nach Stationen in Kreuzberg und Wilmersdorf 1995 in der ehemaligen Josty-Brauerei in Mitte einzog, war das eine Art symbolischer Akt: Der Osten der Stadt schien reif für Kunst, Kultur, Architektur und Genuss. Leider hat die Küche diesem Anspruch auf Dauer nicht standhalten können und das Restaurant musste im August letzten Jahres schließen. Nachfolger in den Maxwell-Räumen ist das Katz Orange.

Trend: Trödel-Inventar

In Veröffentlichungen über dieses ist viel von Spiritualität die Rede. So heißt es, der Betreiber hatte in Südamerika eine einschneidende Begegnung mit einer orangefarbenen Katze – und daher fängt nun in dem einst coolen Architektentreff jede Menge Trödel südamerikanischer Herkunft den Staub auf. Nun ist das alles Geschmackssache und vielleicht der nächste knallheiße Trend . Doch auf einem wackligen Sperrmüllstuhl zu sitzen und den Service bitten zu müssen, eine Serviette unter den ebenfalls wackelnden Tisch zu zwicken, sollte nicht zum Trend gehören.

Die Arbeitssprache ist eher Englisch als Deutsch, die Speisekartenblätter werden mit gebogenen Löffeln auf einer Wellpappe festgeklemmt, und als Weinkühler müssen blecherne Scheuereimer herhalten. Oh, lässig!

Küche: bio und nett angerichtet

Für das Essen sind angeblich zwei Ehemalige aus Tim Raues Truppe verantwortlich. Ein Dutzend Gerichte, sogenannte Klassiker eingeschlossen, das ist alles. Ein Stil ist dabei nicht erkennbar, der von Raue schon gar nicht; alles soll bio sein oder von nett behandelten Tieren kommen. Der Hummersalat setzte sich aus vier Scheren und keinem Schwanzstück zusammen, mit etwas Grapefruit, Salat und einer Passionsfruchtvinaigrette nett angerichtet (16 Euro). Roher Brokkoli kam als Salat mit etwas grünem Püree, eingelegten Salzpflaumen, Rauchmandeln und Nektarinenscheiben (11 Euro) – auch hier das ganz gelungene Bestreben, einer einfachen Sache durch originelle Beigaben einen modernen Anstrich zu geben.

Am besten gefiel das große, saftige Zanderstück mit Radieschen und Lauch in einem süß-sauren Zwiebelsud sowie einer Reispapierrolle auf asiatische Art (24 Euro). Am schlechtesten war das geschmorte Linumer Wiesenkalb, zwei große dröge Stücke, die stark nach einer Gewürzmarinade rochen, wie man sie früher bei Wild verwendet hat. Statt des eigentlich zu erwartenden Schmorfonds, der wohl wegen Konvektomat-Garung gar nicht erst entstanden war, lag eine Spur Basilikumsauce drüber, dazu gab es ein Gemisch von Artischocken, Brotwürfeln und Trauben (24 Euro). Überflüssig.

Zwei Desserts standen auf der Karte: Erdbeersalat (hergestellt aus knapp einer Erdbeere) mit grüner Tomatenmarmelade sowie Essig-Karamell-Eis und Büffelricotta, außerdem Lemon Pie mit Baiser, Tequila-Eis und salzigen Kumquats. Beides mundete wesentlich weniger exotisch als erwartet (je 8 Euro). Petits fours gibt es zusätzlich gegen Aufpreis, ein Amuse-Gueule nicht, aber gutes Brot von SoLuna.

Die Grundidee des Katz Orange: Es soll was ganz Lässiges sein, mit hemdsärmlig-freundlichem, nur nicht zu professionellem Service, sozusagen die handgestrickte Kuschelvariante zu alt-coolen Plätzen wie dem Grill Royal. Ob das auf Dauer gelingt?

Katz Orange

Bergstraße 22
10115 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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