• Samstag, 18. August 2012

Mogg & Melzer

Deli mit amerikanischem Flair

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    Der Gastraum bei Mogg & Melzer in der Jüdischen Mädchenschule. Foto: externe Quelle - ©Steve Herud
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    Mogg & Melzer in der Jüdischen Mädchenschule: Wo einst unterrichtet wurde, speist man heute. Foto: QIEZ
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    Die Betreiber Paul Mogg (links) und Oskar Melzer. Foto: externe Quelle - ©Steve Herud
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    Der Reuben Pastrami Sandwich: ein Klassiker bei Mogg & Melzer. Foto: externe Quelle - ©Ailine Liefeld

Die Jüdische Mädchenschule in Mitte ist als Heimat diverser kulinarischer Angebote in aller Munde. Mogg & Melzer wollen dort an die authentische New Yorker Deli-Kultur anknüpfen.

Wer gerne radebricht, muss nicht das Land verlassen - das geht auch in Berlin. Natürlich ist Wein kein Teil der klassischen Deli-Kultur, das ist uns bewusst, aber man wird ja wohl mal fragen dürfen. Tatsächlich stehen bei Mogg & Melzer diverse Flaschen im Regal, noch vor den Senftuben im weiß gekachelten Teil des Raumes hinter der Vitrine. Ja, er glaube, dass es Wein gebe, sagte der junge Mann und holt auch tatsächlich eine Flasche herbei. Was die kostet? "Sorry, my language", brachte der Gastgeber als Entschuldigung für seine bruchstückhaften Deutschkenntnisse hervor. Wie der Preis ist? Ratlos betrachtete er das Etikett. "Ahemm, Weißbörgöndör."

Wir blieben dann für den Rest des Abends bei Englisch, daran soll’s ja nicht scheitern. Nur hätte man von ambitionierten Gastronomen in der höchst angesagten Jüdischen Mädchenschule erwartet, dass sie, wie jeder halbwegs fleißige Urlauber, ein paar Vokabeln parat haben. Was noch besser wäre: Man tippt das gesamte Getränkeangebot untereinander in den Computer ein und druckt das ein paar Mal aus. Schon wissen die Gäste bestens Bescheid. An anderen Tischen sehen wir auch diverse Biere, rosa Sekt und versuchen selber später noch ein Glas vom sizilianischen Rotwein (5 Euro). Die recht übersichtliche Karte gibt es ebenfalls ausschließlich auf Englisch und bei unserem Besuch fehlen die Posten "Salt Meat" und "Short ribs".

Authentisches Ambiente, knappe Besetzung

Der helle Raum erinnert passend zum Gebäude an die Dreißigerjahre. Die Gäste sitzen auf teils lehnenlosen Bänken, die mit dicken violetten Polstern bedeckt sind, hinter der Vitrine werden die Speisen zubereitet. Möglicherweise ist es zu viel für zwei Mitarbeiter, sich um den ganzen Raum zu kümmern und auch noch zu kochen.

Die Matzo Ball Soup punktete mit einer großzügigen Einlage aus dicken, lockeren Fleischklößen, doch selbst eine bunte Gemüsejulienne gab der kaum gewürzten und leider leicht fettigen Brühe nicht genügend Temperament (5,50 Euro). Auf dem Salat aus schwarzen Tomatenscheiben thronte ein karamellisiertes Tortenstückchen Chevrondell. Dazu wurde eine interessante Kollektion teils holziger Wildkräuter gereicht, die irgendeine Art von Dressing hätten vertragen können (7 Euro).

Zum Reuben Sandwich gab es knackigen, aber mächtigen Krautsalat, dem ebenfalls ein wenig die Gewürze fehlten. Die Pastrami hatte ein paar Fettränder, hinterließ ansonsten aber einen authentischen und guten Eindruck. Mir wäre Sauerkraut allerdings lieber gewesen als der Krautsalat. Doch hier stimmten die Gewürze, dicke Scheiben Brot mit ein wenig Kümmel und eine große Salzgurke konnten ebenso überzeugen (8,50 Euro).

Linsen am Fuß der Brotpyramide

Auf die hartgesottenen wilden Kräuter trafen wir bei den Balsamico-Linsen wieder, die schwarz glänzend am Fuße einer knackigen indischen Brotpyramide warteten. Darauf gebackener Crottin de Chavignol von der Größe einer Babyfaust. Das war sicher kein Wow-Erlebnis, aber in Ordnung (11 Euro). Von den Beilagen hatten wir Kartoffelsalat ausgesucht, der vorbildlich aus Pellkartoffeln bestand, doch leider – wie schon das Kraut – viel zu fett angemacht war. Die Kunst besteht ja darin, das Authentische vorsichtig zu erneuern, besonders wenn man an das kalorienbewusste New York denkt.

Uns war beim Essen ein bisschen was danebengegangen, was bei einem Holztisch eigentlich kein Problem sein sollte. Deswegen war das leicht vorwurfsvolle Schnalzen des Gastgebers beim Wegwischen überflüssig. Sehr amerikanisch und absolut angebracht war dagegen der Hinweis, man solle sich noch Platz lassen für den New Yorker Käsekuchen. Der war wirklich vorzüglich und wäre allein schon ein Grund, wieder mal reinzuschauen. Erst durch Nachfragen erfuhren wir übrigens, dass der sizilianische Wein mit 27 Euro zu Buche schlug, denn eine aufgeschlüsselte Rechnung gab es nicht. Einen freundlichen Abschiedsgruß vermissten wir ebenfalls. Es wäre toll, wenn die Kinderkrankheiten bald überstanden wären. Leckere Delis sind in Berlin nämlich ein rares Gut.

Weitere Artikel zur Mädchenschule:

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Mogg

Auguststraße 11-13
10117 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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