• Dienstag, 08. Mai 2012

Crossover-Küche in Mitte

Auge in Auge mit zwei Buddhas

  • Two Buddhas
    Foto: externe Quelle - ©Nina Zimmermann

Die Ruine des ehemaligen Stettiner Bahnhofs hat sich in ein Lifestyle-Restaurant verwandelt. Coole urbane Typen lassen sich hier nicht nur kalifornisch-asiatische Crossover-Gerichte schmecken. Zu späterer Stunde wird in den historischen Mauern auch Party gemacht.

Der Name führt ein wenig in die Irre. Denn zwei Buddhas sind nicht im Nordbahnhof aufgestellt, sondern im nahe gelegenen früheren Stettiner Bahnhof. Die Kronleuchter unter der meterhohen Decke hüllen den Raum in ein warmes Licht. Korbsessel vor einfachen Holztischen und die extravagante Bar tragen ebenfalls zu einer besonderen Atmosphäre bei. Die Krönung sind die beiden mächtigen Buddhas an der Stirnseite des Raums. Sie thronen in einem Würfelrahmen umgeben von brennenden Kerzen.

Der eine ist schlank, der andere hat einen kugelrunden Bauch vorzuweisen, über den so mancher Gast mit der Hand streicht. Das soll Glück bringen. Im Two Buddhas hat jemand den Spruch "Das Auge isst mit" sehr ernst genommen. Das Personal ist der jungen, schicken, internationalen Klientel auf den Leib geschneidert. Es kann kein leichtes Unterfangen sein, für eine Restauranteröffnung mit einem Mal so viele gut aussehende, gut gekleidete, freundlich und kompetent agierende Servicekräfte zu finden, aber hier ist es gelungen.

Stilecht und exotisch

Auf den Tischen liegen weiße Stoffservietten neben Stäbchen auf blauweißer Porzellan-Ablage. Die Karte ist vorsichtshalber gleich auf Englisch geschrieben. Aber die coolen Typen an den Nachbartischen wirkten nicht so, als würde ihnen dies etwas ausmachen. Als Aperitif probierten wir Yuzu Sprizz, eine erfrischend abenteuerliche Kreation aus Sake, Limonensaft und Crémant auf Eis. Der Sake wurde stilecht in einer Karaffe aus Ton mit passendem Becher serviert. Der exotische Brotkorb enthielt neben Maniokbrot Knusperstücke von braunem Papadam und weißem Kropoek. Dazu gab es Dip aus Avocado, Chili und Kokosnuss. Das schmeckte richtig gut (6 Euro).

Vegetable Tempura sind verschiedene Gemüsesorten wie Paprika und Auberginen im Reisteig gebacken und werden auf einem schmalen, langen Teller serviert. Kaum erkennbar zog sich darunter in filigranem Muster die säuerlich riechende Wasabicreme. Das sah toll aus und war auch hervorragend gekocht. Doch die Creme traf meinen persönlichen Geschmack überhaupt nicht (6 Euro). Schade, alternativ hätte man verschiedene Sushi-Varianten bekommen.

Der Kunde ist König

Die gebratenen Soba-Nudeln wurden in einer elegant geschwungenen Schale mit knackigem Gemüse und frischen Garnelen serviert, eine gelungene Kombination (12 Euro). Thai Buddha Chicken darf man sich vorstellen wie eine Art viergeteiltes Wrap. Der Teig war allerdings knusprig, das Hühnchen wenig und zart, dazu gab es Gemüse aus dem Wok mit Zitronengras, Pflaumen und Kumquat Chutney (16 Euro).

Das Angebot, auch kleine Wünsche prompt zu erfüllen, probierten wir gleich mal aus und fragten nach einem Doggybag. Die Inspiration kam vom Nachbartisch. Anstandslos bekamen wir das letzte Wrap-Viertel glamourös als Alu-Takeaway-Schwan serviert. Auch eine gute Art, Platz für den Nachtisch zu schaffen, "Apple and Ivory". Vornehmlich handelte es sich um ein Stückchen Apfelkuchen und ein ganz ordentliches Parfait aus Sake und Zitronengras (9 Euro).

Beim Dessert geriet das ansonsten recht gute Preis-Leistungs-Verhältnis etwas ins Wanken, das schien mir überteuert. Ansonsten wird auch noch ein Omakase-Menü für 69 Euro angeboten, die japanische Antwort aufs europäische Überraschungsmenü. Ich würde nicht ausschließen, dass hier auch Convenience-Produkte zum Einsatz kommen, aber das Ergebnis ist insgesamt in Ordnung. Auch die Getränkekarte bietet viel Abwechslung. Wir hielten uns ganz schlicht an die vergleichsweise preiswerte Weinempfehlung, einen venezianischen Lugana (18 Euro). Eine gute Wahl. Und wenn der Abend weiter vorangeschritten ist, wird die Musik lauter gedreht und gefeiert.

Nordbahnhof Two Buddhas

Julie-Wolfthorn-Str. 1
10115 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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