• Dienstag, 14. August 2012

Ufa-Filmnächte

Avantgarde der Filmkunst

  • UFA Filmnächte
    Wird auch bei den Ufa-Filmnächten gezeigt - der Film Spione. Foto: externe Quelle - ©Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung

Vom 16. bis 18. August verwandelt sich der Schinkelplatz in Mitte in ein großes Freiluftkino. Anlässlich der Ufa-Filmnächte sind berühmte Stummfilm-Klassiker zu sehen.

Vergesst 007! Nr. 326 war nämlich viel eher da. Und zwar 1928 in Fritz Langs Thriller "Spione". Willy Fritsch spielte den mutigen Agenten, der einen internationalen Spionagering überführen soll, geleitet von dem Bankier Haghi (Rudolf Klein-Rogge), einem Oberschurken wie Dr. No, Goldfinger oder wie Bonds Gegenspieler alle hießen.

"Spione" - das ist der dramatische Höhe- und Schlusspunkt der diesjährigen Ufa-Filmnächte. Im Vorjahr startete diese Reihe im Schlosspark Sanssouci, unter anderem mit Murnaus "Nosferatu". Diesmal wird sie an drei Abenden auf dem Schinkelplatz fortgeführt, hinter der rekonstruierten Stadtkommandantur Unter den Linden 1, dem Gebäude der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz, die die Filmnächte zusammen mit der Ufa veranstaltet.

Am Abend des 16. August wird gleich ein Doppelprogramm geboten: "Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" (1927), Walther Ruthmanns legendäres Porträt der alten Reichshauptstadt, sowie das Remake "Berlin: Sinfonie einer Großstadt" aus dem Jahr 2002 von Thomas Schadt. Live begleitet nach der Musik von Edmund Meisel wird der Ruthmann-Film vom Neuen Kammerorchester Potsdam.

Straßen von Berlin: Orte voller Bedrohung

Auch am Abend des 17. August wird Berlin im Mittelpunkt stehen. Über die Leinwand flimmert Joe Mays "Asphalt" (1929), begleitet vom Berliner Ensemble Trioglizerin, einführende Worte kommen von Schauspieler Joachim Król. Asphalt - damit sind hauptsächlich die Straßen von Berlin gemeint, konkret der Kurfürstendamm und der Potsdamer Platz, die beide im Babelsberger Studio rekonstruiert wurden. Doch sind sie weniger als Verkehrswege denn als Lebensräume bedeutsam, als Orte voller Bedrohung, in deren Versuchungen man versinken und hängenbleiben kann wie in warmem Asphalt. Auch der junge Polizeiwachtmeister Holk (Gustav Fröhlich) ist dagegen nicht gefeit, unterliegt den Verführungskünsten einer jungen Ladendiebin, muss sich auf Leben und Tod gegen ihren kriminellen Freund behaupten, droht im Sumpf der Großstadt unterzugehen. Sein Retter in der Not: die Liebe.

Bankier Haghi in "Spione" (1928) kann dagegen nicht mehr geholfen werden, nachdem Nr. 326 auf ihn angesetzt wurde. Manches Problem macht der Supergangster dem Geheimagenten schon, und nicht jedes kann Nr. 326 mit Küssen lösen. In dem Film entdeckten seine frühen Rezensenten allerhand aktuelle Anspielungen, sei es, dass Haghi "in der Maske Lenins" auftrat, wie das "Berliner Tageblatt" befand, oder ohnehin "alles auf Sowjetrussland" deute, wie das "Reichsfilmblatt" meinte. Auch Allegorien auf die damals noch präsente Affäre von 1913 um den für die Sowjetunion spionierenden österreichischen Oberst Redl glaubte man zu erkennen. Aus heutiger Sicht mag der Film dagegen eher eine Frühform des Agententhrillers à la James Bond sein, der damals trotz schlechter Kritiken (Vossische Zeitung: "Kinder, ist das ein Mumpitz!") ein Kassenschlager war und die durch Langs "Metropolis" fast ruinierte Ufa von Finanzsorgen befreite.

Der von Neil Brand am Flügel begleitete und von Moderator Jörg Thadeusz eingeleitete Film bildet am 18. August den Schlusspunkt der Ufa-Filmnächte-Reihe. Von flankierender Werbung wie zu seiner Berliner Premiere 1928 wurde nichts bekannt. Damals ließ die Ufa vier Flugzeuge im Formationsflug über der Stadt aufsteigen. An den Unterseiten der Tragflächen stand in großen Lettern: "Spione".

Adresse

Schinkelplatz
10117 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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