• Montag, 02. Dezember 2013
  • von Kevin Grünstein

Studio я zeigt work-in-progress

Gelesenes Schauspiel freier Texte

« »
  • freitext Gorki szenische Lesung
    Die Verquickung ist immanent: Das Cover des freitext-Magazins bebildert die Umsetzung im Gorki Studio Я. Die Texte im Inneren werden auf der Bühne zum performativen Akt. Foto: externe Quelle - ©Esra Rotthoff
  • freitext Gorki Inszenierung
    Lesen im Dunkeln, spielen vor Scheinwerfern. Den Abenden gelang die perfekte Mischung. Hier im Bild: "Zöpfe" von Marianna Salzmann, das am Freitag szenisch gelesen wurde. Foto: externe Quelle - ©Julien Hallak

Dorotheenstadt - Unfertig, noch nicht vollendet, mitten im Arbeitsprozess. Im Studio я stellten selbstbewusste Jungautoren ihr Können unter Beweis. Zuvor hatten sie ihre Kapitel und Ausschnitte unfertiger Romane und Theaterstücke im Kulturmagazin "freitext" veröffentlicht. Der Spagat zwischen Lesung und Theater wiederholt sich im Januar im Ballhaus Naunynstraße.

"Keine Meisterwerke mehr", sang die Hamburger Band Tocotronic einmal. Was nach Kapitulation klingt, ist aber das wahre, schöne, gute Gegenteil - und die Programmatik der szenischen Lesungen am Gorki-Theater letztes Wochenende gewesen. "Bedenken Sie, alles hier ist work-in-progress", leitete Marianna Salzmann, die Leiterin des Studio я im Maxim Gorki Theater, die performativen Stücke ein. Und sie sagte dies keinesfalls entschuldigend, sondern mit Stolz. Wie ein Magier, der seinen nächsten Zaubertrick einleitet: "Aber bedenken Sie - nichts ist, wie es scheint." Salzmann war es auch, die dem überregionalen Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext den wochenendlichen Unterschlupf und eine Bühne bot. Unter dem Titel "RAUŞ - NEUE DEUTSCHE STÜCKE" trauten sich die in Heft 22 erschienenen Texte vor die ausverkauften Publikumstreppchen.

Nächstes Jahr als Buch oder Theaterstück

Noch ist nichts fertig. Am Samstag kam mit Deniz Utlus Prosa-Spaß "Abkommen" zum Beispiel ein Stück Roman zum Vorschein. Die vorgetragene Episode dreht sich um einen jungen Mann, der lediglich aufgrund seines Status "mit Migrationshintergrund" vom Bürgermeister zur Jubiläumsfeier des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens eingeladen wird. Natürlich hat dieser nicht die geringste Lust, sich dort als gestriegelter Pudel vorführen zu lassen und ist drauf und dran, ein heilloses Durcheinander während der Veranstaltung zu provozieren ...

Maxim-Gorki-Theater

Theater um Jonny K.

Mitte
Am selben Abend reflektierten eine Schauspielerin und ihr Kollege über gutes und böses Biobrot, über Fairtrade und Industrie, über die Liebesbeziehung, in der sich die von ihnen gespielten Protagonisten in "Pyramiden" befanden. Währenddessen, irgendwo im Niemandsland eines Konfliktgebietes, erklärt ein Onkel (Ernest Allen Hausmann) seiner kleinen Nichte, wie man eine Waffe abfeuert. Das Stück über Einkaufspyramiden und soziale Verantwortung brilliert nicht zuletzt durch die kleine Ella Thierbach als Vorleserin und Pianistin.

Zwischen Lesung und großer Leinwand

Deniz Utlus anarchisches Debut erscheint im Laufe des nächsten Jahres, im Studio я hatte der Jungautor aber schon mal Gelegenheit, der Publikumsresonanz zu lauschen. Es raisonierte während der späteren Autorengespräche an der Bar. Und es resonierte schallend und röhrend im Saal - nicht nur, weil die Schauspieler Wasser und Konfetti über sich erbrachen, sondern weil die Texte stimmen. Man bedenke: Die Dialoge werden mehr oder minder gelesen, immer wieder pointiert gespielt, aber doch vorgelesen.

Geht es in Georgia Dolls "ich waren wir wir waren ich" um eine an ihrer Arbeit und Identität zweifelnde Wissenschaftlerin, so wird Dolls Text vom Forscherklemmbrett abgelesen. Juri Sternburgs "Wider die Natur! oder die Desintegrationsmaschine" spielt - wenn nicht auf einem fremden Planeten - zumeist in einem Restaurant, da werden Texte aus der Menükarte vorgetragen.

Neue Leitung im Maxim Gorki Theater

Die haben etwas vor

Mitte
Somit erden sich manche der Inszenierungen von selbst, bleiben oft Kostprobe und Lesung - während schon das nächste Stück, der nächste Akt den kleinen Raum im Studio я zu sprengen droht. Etwa wenn das Lied "Where is my mind?" von den Pixies bombastisch und "Fight Club"-gleich den letzten Vorhang von Juri Sternburgs "Desintegrationsmaschine" einläutet. Mal Lesung, mal Schauspiel - die Spannung wird den ganzen Abend über gehalten.

Alles auf Anfang im Januar

"Vorstellung verpasst?", fragt Hausautorin Salzmann in die Runde und meint weniger die An- als vielmehr die Abwesenden. Das Ballhaus Naunynstraße nimmt den Arbeitsprozess vom 10. bis zum 12. Januar wieder auf, zeigt alle Arbeitstitel, alle halbfertigen Bücher und Stücke noch einmal. Solche Lesungen bringen den Meta-Diskurs über die Frage, ob nur ein fertiges "Meisterwerk" der Aufführung würdig ist oder nicht, voran. Denn was zwischen freitext-Magazin, Studio я und Ballhaus Naunynstraße an Rohschnitt wartet, weist auf die Vielschichtigkeit des Unfertigen hin.

Mehr Infos zu freitext und den Lesungen findet ihr hier.

Maxim Gorki Theater Berlin

Am Festungsgraben 2
10117 Berlin

Zum Eintrag

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: QIEZ
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Kultur & Events"

Events

Unsere Event-Highlights diese Woche – nur für dich

Unsere Event-Highlights diese Woche – nur für dich

Diese Woche solltest du dich zum Feiern mit Konfetti und Energy Drinks … mehr Berlin

Gewinnspiele

4 x 2 Tickets für den 90erOlymp in Berlin und Eisenach

4 x 2 Tickets für den 90erOlymp in Berlin und Eisenach

Tanze ausgelassen zu den Hits der 90er – feiere zu den Vengaboys, Rednex, … mehr Reinickendorf

Kriminaltheater

Verbrecherischer Abend in Friedrichshain

Verbrecherischer Abend in Friedrichshain

Gerlinde Jänicke ist Moderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ … mehr Friedrichshain

Kultur & Events

Die Highlights des Gallery Weekend 2018

Die Highlights des Gallery Weekend 2018

Das 14. Gallery Weekend eröffnet vom 27. bis zum 29. April 2018 erneut … mehr Berlin

Events

Wandelism geht in die zweite Runde

Wandelism geht in die zweite Runde

Die Street-Art-Künstler von Wandelism wollen es nochmal wissen und … mehr Wilmersdorf

Kultur & Events

Diese Konzerte 2018 solltest du nicht verpassen

Diese Konzerte 2018 solltest du nicht verpassen

Von Lana Del Rey über Tocotronic bis zu Jack Johnson: Es wird Zeit, dir … mehr Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen