• Samstag, 31. März 2018
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Ein Rad für Sherlock Holmes

  • Fahrrad, Hemd und Zubehör bei Prêt à Vélo
    Fahrräder im klassischen Stil und stilechtes Zubehör hat Gerlinde Jänicke bei Prêt à Vélo gefunden. Foto: QIEZ / externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke

Gerlinde Jänicke ist Moderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal besucht sie den Fahrradladen Prêt à Vélo in Mitte.

Frühling in Berlin? Naja. Vorfreude soll ja die schönste sein, auch wenn der Osterhase diesmal die Eier mit nassen Pfötchen versteckt. Irgendwann ist es soweit, und dann geht es wieder in die Biergärten, an den See und in die Straßencafés. Und wie am liebsten? In der Stadt natürlich mit dem Fahrrad. Ich zumindest liebe das, dieses schöne, freie Gefühl, mittendrin zu sein und doch irgendwie für mich. Und weil ich zwar Trends mag, aber auch Individualist sein will, schaue ich mal in einem Fahrradladen vorbei, der beides kann. Angesagt und einzigartig.

Bei Prêt à veló in Mitte treffe ich Ulrich Gries und kann seine wunderschönen Räder bestaunen. Sherlock Holmes wäre eines dieser Fahrräder gefahren. Männer in Tweedanzügen und mit Zwickel hätten sie geliebt. Doch was wie Vintage aussieht, ist hochmodern. Die meisten Räder kommen aus kleinen Manufakturen, hauptsächlich in Europa produziert. Ein Rad sieht besonders schön aus, hergestellt von der Firma Bella Ciao, die ihren Sitz in Charlottenburg hat. Gelötet werden die Rahmen in Italien.

Räder zum Zusammenstellen

Diese werden nach Kundenwunsch konfiguriert, es gibt die hübschesten Farben. Mitternachtsblau, gold, champagnerfarben, rot. Ich als Klischeemädchen finde natürlich türkis und altrosa toll. Die meisten bleiben beim klassischen Schwarz. Sattelfarbe, Art der Schaltung, Schutzbleche und Licht können auch alle selbst gewählt werden. So kann sich jeder sein Lieblingsfahrrad selbst zusammenstellen oder eins der Räder so kaufen, wie sie dort schon stehen. Wer überfordert ist von so viel Auswahl, hat ja Ulrich an seiner Seite. Er fragt, wofür das Rad genutzt werden soll, ob zum Einkaufen, fürs Wochenende oder als Sportrad, ob Kinder transportiert werden sollen, oder ob einfach mal öfter das Auto stehen bleiben soll, weil das Rad als Alternative so schön fit macht.

Neben den Rädern im Laden kann man auch selbst zusammengestellte kaufen. ©Gerlinde Jänicke Neben den Rädern im Laden kann man auch selbst zusammengestellte kaufen. ©Gerlinde Jänicke

Einfacher geht’s natürlich mit den Rädern, die quasi schon von der Stange kommen. Hier gibt es ein wunderschönes, weißes Rad von der jungen, aber jetzt schon kultigen Berliner Firma Schindelhauer. Hier wird nur noch die Rahmengröße ausgesucht und die richtige Schaltung – und dann kann das fertige Rad auch schon bald abgeholt werden. Preislich muss der Radliebhaber ein bisschen in die Tasche greifen, aber dafür gibt es eben auch gute Qualität. Bei 800 Euro für ein gutes Rad geht es los, wer es sehr exklusiv mag, zahlt zwischen 1000 und 2000 Euro. Dafür gibt es dann die leiseste Gangschaltung, den bequemsten Sattel, das hellste Licht, und eine Fahrradkette gibt es auch nicht mehr, sondern einen speziellen Riemen, der absolut geräuschlos ist und drei Mal so lange hält wie eine normale Kette. Und nicht schmutzt.

Pfiffige Idee für Büromenschen

Wer sein perfektes Fahrrad gefunden hat, bekommt hier im Laden noch das ein oder andere Accessoire. Regencapes, Fahrradtaschen, die man über den Rahmen hängen kann – auch diese hätten Sherlock Holmes sehr gefallen – Jacken, die super funktional, aber im Office-Style gehalten sind, mit Reflektoren, die man nur sieht, wenn sie hochgeklappt werden. Eine geniale Idee zum Beispiel für Geschäftsleute, die sich vor ihren Terminen nicht mehr umziehen wollen, aber dennoch schick aussehen möchten. Amity Jackets mögen auch Pferdefreunde, die Firma stellt zum Beispiel schöne aber robuste Reitkleidung her.

Prêt à Vélo residiert in der Fehrbelliner Straße in Berlin-Mitte. ©Gerlinde Jänicke Prêt à Vélo residiert in der Fehrbelliner Straße in Berlin-Mitte. ©Gerlinde Jänicke

Zudem gibt es Helme, die federleicht, sehr sicher und gut belüftet sind, hochwertige Sättel von der Firma Brooks, die es schon seit 1866 in England gibt. Je nachdem, wie man fährt, sollte man seinen Sattel wählen. Wer aufrecht sitzt, braucht einen breiteren Sattel, wer sehr sportlich fährt, einen schmalen. Es gibt Mützen, die noch auf alten Webstühlen gefertigt werden, Radfahrschuhe, die sehr edel und vornehm aussehen. Wer den klassischen Auftritt liebt, wird diese Schuhe brauchen. Es gibt Schlösser, wunderschöne Klingeln aus Kupfer und Messing. Klar kostet so eine Klingel etwas mehr als eine gewöhnliche Plastikklingel, macht aber länger Freude.

Männer und Frauen kaufen unterschiedlich. Männer interessieren sich oftmals für technische Daten. Was wiegt das Rad, wie groß ist der Zahnkranz, was ist die beste Schaltung? Frauen wollen einfach schnell von A nach B. Und vielleicht einen Platz für die Handtasche. Wir sind so praktisch, wir Mädels. Für alle gilt: Hier gibt es  zeitlose, klassische Räder fürs Leben, die nicht aus der Mode geraten. Von außen ein bisschen Oldtimer, aber im Detail mit allem, was neu und High-Tech ist. Ob ich hier ein Fahrrad finde? So schnell vielleicht nicht – ich liebe mein E-Bike. Aber wer nicht so faul und bequem ist wie ich, findet in dem kleinen Laden Prêt à veló ganz sicher sein wirklich einzigartiges Lieblingsstück. Nur das mit dem Frühling müssen wir jetzt noch hinkriegen!

Prêt à Vélo

Fehrbelliner Straße 17
10119 Berlin

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Quelle: QIEZ
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