• Mittwoch, 06. Juni 2012

Skandal um Easy Abi

Abitur und dann? Schulden abzahlen.

  • Beschmiertes Firmenschild von Easy Abi
    Dürfte nicht sonderlich erschrecken: Vergangenes Jahr wurde das Firmenschild der Eventagentur Easy Abi von Unbekannten beschmiert. Foto: Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Wenn ein Abiball nur Sorgen bereitet: Drei Mädchen wollen ihn organisieren, der Ball platzt, zahlen sollen sie trotzdem. Inzwischen hat ihr Anwalt einen Vergleich mit der Eventagentur ausgehandelt.

Für drei Berliner Abiturientinnen war das Warten auf die Ergebnisse ihrer Abschlussprüfungen mit großem Stress und Finanzsorgen verbunden. Denn eine Eventagentur forderte eine Schadensersatzzahlung von mehreren tausend Euro von ihnen. 2011 hatten die drei 18-Jährigen bei der Agentur aus Berlin die Ausrichtung eines Abiballs für den Abschlussjahrgang 2012 gebucht. Doch der 30.000-Euro-Vertrag platzte. Die drei jungen Frauen sollten 14.000 Euro Schadensersatz an die Eventagentur zahlen. Ganz so viel müssen sie jetzt doch nicht zusammenbringen. Denn inzwischen haben ihr Anwalt und die Gegenseite einen Vergleich über 4500 Euro vereinbart.

Die Schülerinnen vom Max-Planck-Gymnasium in Mitte hatten stellvertretend für ihre 181 Mitabiturienten mit dem Unternehmen "Berlin Event" einen Vertrag unterzeichnet. Aber dann warb David H., der damalige Geschäftsführer von Easy Abi, an derselben Schule für einen vermeintlich attraktiveren Abiball im Hotel Maritim. Die Abiturientinnen unterzeichneten einen zweiten Vertrag. H. gab vor, er veranlasse, dass der Vertrag mit Berlin Event aufgelöst werde, die drei Schülerinnen verließen sich darauf. Einige Monate später wurde David H. vorübergehend festgenommen. Das Unternehmen Easy Abi, das mittlerweile verkauft worden war, hatte, wie der Tagesspiegel berichtete, mehrere hunderttausend Euro von Berliner und Brandenburger Schülern kassiert, die entsprechenden Events jedoch nicht ausgerichtet.

Mit 4500 Euro Schulden aus dem Abitur

Das Abiball-Komitee vom Max-Planck-Gymnasium hatte zu jenem Zeitpunkt keine Anzahlung an Berlin Event geleistet und ebenfalls noch kein Geld an Easy Abi überwiesen. Die Abiturientinnen gingen davon aus, dass keiner der beiden geschlossenen Verträge Gültigkeit besitze. Das sei blauäugig gewesen, so der Schulleiter Herbert Schkutek heute. "Es war mitten in den Sommerferien. Die Schülerinnen hatten Angst, am Ende ganz ohne Abiball dazustehen." Sie unterzeichneten einen dritten Vertrag, diesmal direkt mit dem Hotel Maritim. Als Berlin Event das mitbekam, sendete die Agentur den Mädchen einen Mahnbescheid über 14.200 Euro.

Den nun geschlossenen Vergleich über 4500 Euro stottern die drei Abiturientinnen ab. Jede von ihnen leistet über zweieinhalb Jahre Zahlungen von 50 Euro monatlich an Berlin Event. "Die anderen machen ihre Abireise, und die Schülerinnen kommen mit Schulden aus dem Abitur", so ihr Anwalt Karun Dutta, der in dem Fall die Vertretung von sieben Schulen gegen Easy Abi innehat. Letztlich aber seien seine Mandantinnen erleichtert über den Vergleich.

Max-Planck-Gymnasium: Keine Vertragsunterzeichnungen mehr im Alleingang

Der Berlin-Event-Geschäftsführer Olaf Marsson sagt: "Wären wir rechtzeitig informiert worden, hätten wir die gemietete Location vielleicht weitervermieten können." So aber sei ein hoher Schaden entstanden. "Selbstverständlich wollen wir nicht, dass die Schülerinnen auf lange Zeit finanziell beeinträchtigt sind", so Marsson. Im Vergleich sei man ihnen daher "extrem entgegengekommen".

Schkutek, der Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, hat inzwischen eine schriftliche Anleitung für seine Schülerschaft erstellt, die auflistet, was sie beim Organisieren des Abiballs bedenken müssen. "Wir hätten Easy Abi auch nicht verhindert", so Schkutek. Allerdings soll es zukünftig tabu für die Schüler sein, einen Vertrag zu unterzeichnen, ohne dass er zuvor durch einen Elternteil, einen pädagogischer Koordinator oder die Schulleitung überprüft wurde. Auch Berlin Event setzt sich für eine Mitwirkung von Eltern und Lehrern ein.

Wie sich der Fall Easy Abi weiterentwickeln wird, ist noch nicht klar. Zurzeit warten die Beteiligten auf die Anklage der Staatsanwaltschaft.

Max-Planck-Schule

Singerstr. 8
10179 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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