• Mittwoch, 15. April 2015
  • von Fabian Lamster

Sanierung einer Friedhofskapelle

Ein Stück Himmel auf Erden

  • Kapelle auf dem Dorotheenstädischen Friedhof
    Die Kapelle auf dem Dorotheenstädischen Friedhof beherbergt bald ein Kunstprojekt, das der US-Künstler James Turrell angefertigt hat. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster

Oranienburger Vorstadt - Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof entsteht ein Kunstwerk. Nicht etwa in Form einer Statue oder einer neuen, aufwendigen Grabanlage - sondern als Lichtinstallation in der Trauerkapelle. Deren Sanierung läuft bereits seit September 2013, nun steht sie kurz vor der Wiedereröffnung.

Viel ist noch nicht zu sehen von dem, was hier in rund zwölf Wochen feierlich eröffnet werden soll. Gerüste sowie abgeklebte Fassaden zeigen schon von außen: Es gibt noch jede Menge zu tun, bis die feierliche Einweihung der Kapelle auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof ansteht. Das macht auch ein Blick ins Innere deutlich. Egal ob Boden, Decke, Wände - an sämtlichen Bereichen werde noch gearbeitet, wie Pedro Moreira, zuständiger Architekt, erzählt. Doch dass den Besucher hier in wenigen Wochen etwas ganz Besonderes erwartet, darüber sind sich alle Projektbeteiligten einig.

Denn hier, in der Kapelle auf dem meistbesuchten Friedhof Berlins, auf dem sich die Grabstätten von Johannes Rau, Bertolt Brecht oder Klaus Bonhoeffer befinden, installiert der amerikanische Künstler James Turrell ein Lichtexperiment, eine zeitgenössische Interpretation der christlichen Auferstehungshoffnung. Durch die Kombination von künstlichem (LEDs) und natürlichem Licht soll einerseits eine Kunststätte, andererseits aber auch ein innovativer Trauerraum entstehen. "Es ist ein Anliegen von uns, dass die Menschen mit dem Projekt über die Bestattungskultur neu nachdenken", so Pfarrer Christhard-Georg Neubert. Die Lichtinstallation soll ab Juli ein fester Bestandteil der Friedhofskapelle sein. Ein Andachtsraum als dauerhafter Ort für Kunst, das hat es "weltweit noch nicht so oft" gegeben, wie Architekt Moreira erzählt.

Schlendern auf dem Waldfriedhof Dahlem

Als große Herausforderung bezeichnet Moreira die Renovierung der 1928 erbauten Kapelle. "Wir fanden sie in einem sehr schlechten Zustand vor. Es war daher ein Teilabriss notwendig, um das Gebäude insgesamt nachhaltig zu sichern, noch bevor uns die Idee mit dem Kunstprojekt in den Sinn kam." Gerade weil die Kapelle auf einem so kunsthistorisch bedeutsamen Friedhof stehe, sei es naheliegend gewesen, die Gestalt des Gebäudes dementsprechend anzupassen - und den Innenraum sowie die Außenfassade komplett zu überarbeiten. Aufgrund komplizierter Bauvorhaben und unerwarteter Probleme bei der Vorbereitung der Lichtinstallation dauert das Ganze etwas länger als geplant. Eigentlich sollte die Renovierung im Sommer 2014 abgeschlossen sein.

Nun soll man ab Juli "ein Stück Himmel auf Erden" bewundern können, wie Pfarrer Jürgen Quandt mit breitem Lächeln erklärt. Rund zwei Jahre und etwa 1,5 Millionen Euro später wird Im Mai zunächst Lichtkünstler James Turrell persönlich in Berlin erwartet, um gemeinsam mit seinem Team das Kunstexperiment umzusetzen. Ob alles klappt, bleibt trotz ausführlicher Vorbereitungen abzuwarten.

Festgottesdienst am 8. Juli

Für die feierliche Einweihung am 8. Juli sei man allerdings zuversichtlich, so Pfarrer Quandt. "Es wird um 18 Uhr einen Gottesdienst in der Kapelle geben. An diesem können 60 Menschen teilnehmen und sich dabei einen Eindruck von der Lichtinstallation verschaffen." Da mit mehr als 60 Besuchern zu rechnen ist, wird der Gottesdienst wohl auch vor der Kapelle verfolgt werden können. Anschließend soll es Reden und kulturelle Beiträge im Freien geben, so dass sich jeder Besucher nach dem Gottesdienst ein Bild von der neu gestalteten Kapelle machen kann.

Wofür das Gebäude neben Trauerveranstaltungen und Führungen noch genutzt wird, ist derzeit offen. Alle Verantwortlichen seien gerade dabei, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, das dem kunsthistorischen Umfeld gerecht wird. Neben der Kapelle wurde bereits ein neues Wirtschaftsgebäude auf dem Friedhofsgelände eröffnet. Außerdem steht die Sanierung des Totengräberhäuschens bevor. Es soll ab 2016 einen Informationsstand sowie ein Café beherbergen.

Dorotheenstädtischer Friedhof

Chausseestraße 126
10115 Berlin

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Quelle: QIEZ
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