• Dienstag, 17. September 2013
  • von Kevin Grünstein

Diskussion um Zukunft des Spreeufers

Hoffnungsvolle Rhetorik, basaler Inhalt

  • Spreeufer für alle
    "Spree für Alle", der Slogan ist dreh- und wendbar. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Spree - Im Uferbereich zwischen Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg ballt sich die Szene. Und alle sind sich einig: Es gilt, sie zu stärken. Doch welche Szene - ob Clubs, Hotel- und Gastrobranche oder die Gruppe der Anwohner -, das lässt das Forum StadtSpree besser mal offen. Anfang September haben die Mediatoren ein Leitpapier entwickelt, an dem sich zukünftige Arbeitsgruppen orientieren sollen. Nichts leichter als das.

Am Spreeufer herrscht nicht nur ein Kampf zwischen Anwohnern und Kulturszene - in diesem Fall Clubs für sternenklare Partynächte und Strand-Chillout-Locations für Sommernachmittage. Es mischen auch Investoren mit. Zwischen Schilling- und Jannowitzbrücke tummeln sich Touristen, Künstler, Berliner Spaziergänger, Hoteliers, Immobilienmakler und Naturfreunde - mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen für die Zukunft des Ufers. Die Frage, wie sich die Interessengruppen untereinander einigen wollen, ist schon seit den Mediaspree-Projekten in den 1990er Jahren ein unübersichtliches Problem gewesen - sei es beim Thema Lärmbelästigung, bei neuen Bebauungsplänen oder dem Umweltschutz. Oftmals fehlte schlichtweg der Überblick über die betroffenen Parteien.

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Friedrichshain, Kreuzberg
Das zum Zweck der gegenseitigen Verständigung initiierte Forum StadtSpree hat nun seine seit Januar etablierte Wirkmächtigkeit genutzt. Die Mediatoren waren sozusagen der Runde Tisch für alle Interessengruppen am Spreeufer, haben sich am 6. September ein letztes Mal mit Interessenten zusammengesetzt und ein Leitpapier erarbeitet.

Was sich erfreulich deutlich hervortut: In unbestimmter Zukunft werden Arbeitsgruppen gebildet, die - mit gruppenführenden Ansprechpartnern aus Politik und Wirtschaft versehen - sich drei verschiedenen Themengebieten annehmen. Mit dem Thema "Lärm und Clubs" setzt sich eine Arbeitsgruppe auseinander, mit "Betrieb und Pflege des Ufers" eine andere, "Wohnen und Gestalten" sind ein drittes Problemfeld. Ummantelt wird dieser pragmatische Schritt zum Konsens von mehreren dutzend Seiten, die das Areal in "Grundstücke mit Energie" und "Grundstücke mit Anpassungsbedarf" einteilen - oft bleiben es jedoch definitionsschwache Füllbegriffe, die die Arbeitsgruppen an ihr Versprechen um "Toleranz", "Chance" und "Partizipation" erinnern sollen.

Unüberwindbare Interessenkonflikte und Überschneidungen

"Spree für Alle!" - Der erste Punkt der vom Forum StadtSpree entwickelten Leitziele für das Ufergebiet klingt wie ein Wahlversprechen. Ein basales, das jeder so gerne unterschreiben würde. Es ist ein uneinlösbares. Denn während unter "Spree" ganz klar der grün markierte Bereich auf den Stadtplaner-Karten der Forumsinitiatoren gemeint ist, wird es beim Wörtchen "Alle" schon schwerer. Welche Bebauungsinteressen sind denn zum Wohle "aller"? Profitieren denn "alle" von dieser oder jener Lärmschutzregelung? Und überhaupt, wer sind denn "Alle"?

Wie weit die Vorstellungen für ein zeitgemäßes Spreeufer auseinander driften, zeigt die Fülle an öffentlichkeitswirksamen Gruppen, die bei dem letzten Mediationstreffen von StadtSpree mitmischten. Und jene, die in Betracht gezogen werden müssen, ohne dass sie eine Lobby hätten. Die Spree soll zukunftsweisend gestaltet werden - was auch immer das heißt - mit Rücksicht auf die Belange "aller". Es entstehen natürlich immerzu Überschneidungen, genau so wie unüberwindbare Interessenkonflikte.

Die Wortwahl ist Stärke und Schwäche des Leitpapiers

In der schwammigen Wortwahl über "Chancen" und "Energie" der Gebäude entlang der Köpenicker und der Holzmarkstraße tut sich die Ambivalenz des Forumsziels auf. Denn "Begabungen jedes Grundstücks ausnutzen" und "Spree für Alle" sind definitorisch schwammig. Sie bleiben rhetorische Weichmacher, bis sie mit einem detaillierteren Baukonzept gefüllt werden können. Rein theoretisch ließe dies auch recht eigennützige Interpretationen von "allgemein zugänglichen Uferwegen zu". Schon heute kann man ja weiter flussaufwärts hinter der Oberbaumbrücke zwischen Fluss und NHow-Hotel oder Universal Music laufen - theoretisch; denn wer spaziert dort schon, wenn man mit einem Gefühl herumläuft, eigentlich Eintritt für das schicke Gelände entrichten zu müssen.

Doch die Worthülsen sind bewusst gewählt, nur so werde niemand vor den Kopf gestoßen. Das Forum war so zumindest in der Lage, die Betroffenen an einem Ort zusammenzubringen und mit den Begriffen "Toleranz" und "Partizipation" einen konsensualen Untergrund zu schaffen. Jetzt, da es die Zuständigkeiten verteilen konnte, zieht sich das Forum allmählich aus der Planung zurück. Der grundsätzliche Tenor ist gesetzt, alles soll auf Konsens und Toleranz aufbauen, alles kommuniziert werden. Es soll den Arbeitsgruppen überlassen werden, die platten Worte mit plastischen Ideen zu füllen. Welche Farbe sie den blass-nebligen Vorstellungen für eine integrative Kultur-Club-Umwelt-Anwohner-Immobilien-Hotel-freundliche Spree geben, steht in den Sternen. Diese hypertolerante Kommunikation war gleichzeitig Schwäche und Stärke des Forums StadtSpree.

Adresse

Jannowitzbrücke
10179 Berlin

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Quelle: QIEZ
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