• Samstag, 30. Juni 2012

Quartier 206

Luxusimmobilie soll versteigert werden

  • Quartier 206
    Seit 1997 prägt das Quartier 206 das architektonische Bild in Mitte. Seine Zukunft ist ungewiss. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

Das Quartier 206 steckt in Zahlungsschwierigkeiten. Nun soll das imposante Gebäude an der Friedrichstraße versteigert werden. Damit verdichten sich auch die Gerüchte um einen Niedergang des Familienunternehmens von Besitzer Jagdfeld.

Es ist eines der prestigeträchtigsten Bauwerke, die in den vergangenen Jahren in Berlin entstanden sind. Eine halbe Milliarde Euro soll der Wert des Quartiers 106 in Mitte betragen, so schätzte vor einiger Zeit zumindest sein Auftraggeber Anno August Jagdfeld. Doch nun steht das 4800 Quadratmeter umfassende Gebäude an der Friedrichstraße unter Zwangsverwaltung und das Amtsgericht Mitte bestätigte gegenüber dem Tagesspiegel die anstehende Zwangsversteigerung.

Ein Termin steht zwar noch nicht fest, doch den Gläubigern der Immobilie scheint die Geduld vergangen zu sein. Es bleibt abzuwarten, wie der 65-jährige Jagdfeld den Verlust seines Besitzes abzuwehren versucht. In den letzten Monaten scheint ihn das Glück verlassen zu haben. Auch sein Grand Hotel Heiligendamm musste im Februar Insolvenz anmelden. Die Immobilie hatte durch den vor vier Jahren dort abgehaltenen G-8-Gipfel weltweite Berühmtheit erlangt.

Darüber hinaus steckt auch das Jagdfeld‘sche Adlon in Schwierigkeiten. Unzufriedene Anleger, die dem Immobilienmogul große Summen für den Luxusbau zur Verfügung gestellt hatten und im Gegenzug nur wenig Zinsen erhielten, konnten nur mit Müh und Not beruhigt werden.

Unantastbarer Familienbesitz?

Die anstehende Zwangsversteigerung des renommierten Blocks an der Friedrichstraße scheint die Zukunft von Jagdfelds Unternehmensgruppe "Fundus" ein weiteres Mal und besonders drastisch in Frage zu stellen. Bisher konnte das Oberhaupt des weit verzweigten Familienclans den Gerüchten um einen bevorstehenden Niedergang seiner Firmen mit dem Verweis auf eben diese Immobilie begegnen. Sie sei, wie Jagdfeld immer wieder betonte, unantastbares "Privatvermögen".

Bisher äußerte sich der Unternehmer nicht selbst zu dem anstehenden Griff in die Familienkasse. Lediglich durch einen Sprecher ließ er verkünden: "Wir sind sicher, dass es nicht zur Zwangsversteigerung kommen wird." Außerdem könnten aus der anstehenden Maßnahme keine "Rückschlüsse auf die Jagdfeld-Gruppe" gezogen werden. Diese befände sich "im Gegenteil: auf solidem Fundament".

Ominöse Versteigerung

Die Zweifel an der Liquidität des Jagdfeld-Imperiums werden durch eine im Auktionshaus Christie‘s anstehende Versteigerung jedoch weiter verstärkt. In Hong Kong sollen elf zeitgenössische Werke aus der Anna-Maria-Jagdfeld-Collection unter den Hammer kommen. Die Sammlerin ist nicht nur Ehefrau des Großanlegers sondern auch Gründerin des China-Clubs, der neben dem Adlon angesiedelt ist und seine Räume mit Kunstwerken chinesischer Maler ausstaffiert.

Ob durch den Verkauf der Bilder ein in finanzielle Schwierigkeiten gekommener Ehemann unterstützt werden soll? Sprecher Christian Klöger dementiert: "Nein, das ist falsch. Hier wird von interessierter Seite eine Kampagne initiiert." Ob das eine hinlängliche Begründung dafür ist, dass Christie’s von einem erfolgreich abgewickelten Kaufgeschäft in Millionenhöhe berichtet, bleibt abzuwarten.

Seine Ehefrau Anna Maria Jagdfeld wirkt seit jeher munter im Geschäftsleben der Familie mit. Die Initialen der amj Design GmbH bezogen sich auf ihren Namen – bis sie vor einiger Zeit unvermittelt entfernt wurden. Auch der im Quartier 206 beheimatete "Department Store" geht wohl auf ihre Initiative zurück.

Ausstehende Mietzahlungen

Dieser Store bietet im Obergeschoss des Quartiers hochwertige Mode und Designobjekte an. Darüber hinaus gehören die Adlon Holding, Jagdfeld Design und die auf Privatpatienten spezialisierte Meoclinic zu den Mietern – sie alle sind Teil der Jagdfeld-Gruppe.

Sogar im Gastrogeschäft wirkte der Unternehmer mit. Die Bars und Cafés im Adlon wurden unter dem eigenen Namen betrieben. Mit den Mietzahlungen nahm man es dabei nicht zu genau. Ein Grund für den Entrüstungssturm der Anleger. Ob auch im Quartier 206 Mieten geprellt wurden? "Nein, dies ist unzutreffend", so Jagdfelds Sprecher.

Doch irgendwie müssen die 140 Millionen Euro Schulden, die auf dem Quartier lasten, zustande gekommen sein. Sie werden nicht mehr vom Geldgeber Credit Suisse eingefordert, sondern von einem sogenannten "Servicer". Solche Kreditverwerter agieren außerhalb des Privatgeschäfts und können daher bei der Eintreibung ausstehender Geldbestände wesentlich weniger behutsam vorgehen als namhafte Geldinstitute das normalerweise tun.

Quartier 206 Art & Fashion House

Friedrichstr. 71
10117 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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