• Dienstag, 06. Mai 2014
  • von Tina Gerstung

Infraneu-Gespräch

Elektromobile BVG - geht das?

  • BVG-Chefin Dr. Sigrid Nikutta
    BVG-Chefin Dr. Sigrid Nikutta zum Thema: "Elektromobile BVG - Weg in die abgasfreie Zukunft". Foto: QIEZ - ©Tina Gerstung

Gendarmenmarkt - Bis 2050 soll Berlin klimaneutral werden – die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Wie sie das gewährleisten wollen, darüber hat die BVG-Chefin Dr. Sigrid Nikutta beim Infraneu-Gespräch im Berlin Capital Club in Mitte gesprochen.

1879 hat Werner von Siemens die erste elektrische Straßenbahn in Berlin vorgestellt. "Diese visionäre Kraft, die er hatte, brauchen wir auch heute, wenn es um das Thema nachhaltiger Umweltschutz geht", erklärte Dr. Sigrid Nikutta zum Start ihres Vortrags im Restaurant Capital Grill des Berlin Capital Club. Schließlich soll Berlin laut Senat bis 2050 klimaneutral sein. "Ein ambitioniertes Ziel", wie Nikutta findet. Aber schließlich entstünden weltweit auch 70 Prozent aller Treibhausgase in Städten, weswegen es auch so entscheidend wäre, bei den großen Städten der Welt anzufangen.

So produziert Berlin etwa 21 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr, was ungefähr der Menge von ganz Kroatien entspricht. Und: Wir haben uns schon verbessert, was unseren Ausstoß angeht. 1990 waren es noch knapp 30 Millionen Tonnen. Bis 2050 soll die Zahl auf 4,4 Millionen Tonnen sinken, das ist eine Reduktion um 85 Prozent – sicher keine leichte Aufgabe.

Klar, dass der Verkehr eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, Berlin auf klimaneutral zu trimmen. Immerhin werden mittlerweile schon rund 800 Millionen Autofahrten jährlich durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzt. 1,5 Milliarden Fahrten zählt die BVG jährlich. "Wir haben auch nicht DIE Lösung, da müssen wir alle zusammenarbeiten", sagte Nikutta. "Berlin ist das Testlabor, die Werkbank für ganz Deutschland."

Lösungsansätze der BVG

Vor allem bei den 1300 Bussen, von denen aktuell bis auf vier alle mit Diesel betrieben werden, herrscht Handlungsbedarf. Die vier Wasserstoff-Busse, die derzeit im Einsatz sind, seien extrem wartungsintensiv, erklärt die BVG-Chefin. Zwischen Bahnhof Zoo und dem Südkreuz sollen auf der Linie 204 ein Jahr lang Elektrobusse fahren – der Forschungsantrag wurde beim Bundesverkehrsministerium gestellt, so Nikutta. Im Anschluss soll ein Langzeittest auf der Linie 192 in Marzahn-Hellersdorf erfolgen. Auch zwei sogenannte Leichtbaubusse würden getestet. Und seit Anfang April fährt Deutschlands erste Solarfähre im Linienbetrieb.

Zudem arbeitet die BVG eng mit dem Fahrradverkehrssystem Call a Bike oder CarSharing-Anbietern wie Car2go, DriveNow oder Greenwheels zusammen und bietet Abonnenten vergünstigte Konditionen. "Wir müssen nicht jede Mobilitätsleistung selber erbringen", erklärt Nikutta ihre Marktstrategie. In der Zukunft könnte die BVG-Karte zum Beispiel auch "Türöffner" für Fahrräder und Autos sein, die Vernetzung müsse man vorantreiben.

Mit welchem Strom werden Elektrobusse betrieben – aus regenerativen oder fossilen Energiequellen? Wie kann man das Tanken von Elektrobussen beschleunigen? Wie kann ein Batteriewechsel schnell vonstattengehen? Mit derlei Fragen beschäftigt man sich auch auf dem Euref-Campus, in einer Art elektromobilem Praxislabor. Sigrid Nikutta kam natürlich auch auf die "harten wirtschaftlichen Bedingungen" zu sprechen. Es gab zwar einen Anschub mit öffentlichen Fördergeldern, der den Innovationsgeist unterstützt, doch auf dem Weg zu einem klimaneutralen Berlin seien noch jede Menge Hürden zu überwinden – mit denen hatte Siemens vor 135 Jahren aber auch zu kämpfen und ließ sich dennoch nicht entmutigen.

Organisator der sogenannten Frühstücksgespräche mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist Infraneu, der Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen und Nachhaltigkeit.

Berlin Capital Club mit Restaurant Capital Grill

Mohrenstraße 30
10117 Berlin

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Quelle: QIEZ
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