Zille als Street Art

Mitten im Milljöh

Mitten im Milljöh
Mit allem Hab und Jut: Der Nachbar hilft der Familie beim Umzug. Da sag nochmal einer, Berliner wären nicht nett! Zur Foto-Galerie
Kollwitzkiez - In Prenzlauer Berg wird Berlin-Chronist Heinrich Zille mit einem neuen Wandgemälde geehrt. Das lässt sich wie eine Bildergeschichte lesen - und hat auch einen praktischen Nebeneffekt.

Gesprühtes und Gemaltes gehört auf Berliner Häuserwänden dazu, ob man’s mag oder nicht. Die Betreiber eines Restaurants in Prenzlauer Berg führen seit Längerem vor, wie man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann: Lange Zeit schmückte ein italienisches Landschaftsidyll die Fassade des „Cenacolo“ in der Sredzkistraße, seit einigen Tagen wird hier Heinrich Zille geehrt.

Sredzkistraße / Hagenauer Straße (c) S. Maaß

Die lokalpatriotischen Zeichnungen und Mundart-Texte des Berliner Chronisten, dessen Fotos kürzlich in einem Sammelband neu veröffentlicht wurden, inspirierten ein Künstlerteam des Potsdamer Unternehmens „art-efx“ zu einer Serie von Wandgemälden, die sich auf mehr als 60 Metern wie eine Bildgeschichte lesen lassen: Eine Familie beim Umzug, ein Handwerker bei der Arbeit, spielende Kinder, tratschende Nachbarn, und neben den Figuren Aussprüche wie der eines großen Schwesterchens, das dem Bruder im Kinderwagen den Kleiderzipfel als Taschentuch anbietet: „Na nu pust ma, Keule!“

Zeitlose Berliner Alltagsszenen, die jenen ähneln, die Zille vor 100 Jahren mit dem Pinsel festhielt. „Das passt zu der Gegend„, sagt Marzanna Chelminiak, eine der Inhaberinnen des italienischen Restaurants. Die italienische Landschaft war ein bisschen in die Jahre gekommen, da habe man zusammen mit dem Eigentümer des Hauses und den Künstlern ein neues Motiv gesucht. Zille schien ideal, auch weil viele seiner Bilder Familien mit kleinen Kindern zeigten, von denen man in dieser Gegend unweit des Kollwitzplatzes seit einigen Jahren besonders viele sehe.

Puste ma, dann wird der Zinken schon sauba! (c) S. Maaß
Für manche Stammkunden war das verwirrend: Die vermuteten hinter der Bemalung anfangs ein Restaurant mit traditioneller deutscher Küche. Neben dem ästhetischen hat die Kunst auch einen ganz praktischen Wert, sagt die Chefin: „Wenn eine Wand bemalt ist, halten sich die Sprayer zurück.“ Seitdem hier professionell Gemaltes prangt, gab es nur einen einzigen Sprayer, der seinen Schriftzug darauf verewigte. Ansonsten scheint die Szene diese Form von Street Art zu respektieren. „Jeder schließt von sich auf andere“, hat Heinrich Zille selbst einmal bemerkt, „und berücksichtigt nicht, dass es auch anständige Menschen gibt.“

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

Cenacolo, Sredzkistraße 23, 10435 Berlin

Telefon 030–44044743

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