Modenetzwerk NEMONA

Wenn Senioren zu Designern werden

Die Designerinnen C. David und Linn Annen mit den Senioren aus Helsinki und den fertigen Kreationen.
Die Designerinnen C. David und Linn Annen mit den Senioren aus Helsinki und den fertigen Kreationen. Zur Foto-Galerie
Bis Mitte Dezember präsentiert das Neuköllner Netzwerk Mode und Nähen (NEMONA) in der Mainzer Straße die Ergebnisse des Projektes "Social Responsibility & Design". Gemeinsam mit zwei Berliner Designerinnen entwarfen Senioren aus Helsinki, der Welt-Designhauptstadt 2012, formschöne Kleidungsstücke für ältere Menschen.

Mit einem Budget von lediglich 300 Euro und allein aus recycelter Ware entstanden im Rahmen des Projektes einzigartige Stücke, die den individuellen Bedürfnissen von Senioren gerecht werden. „Uns war es wichtig, die Ideen und die Vorlieben der Workshop-Teilnehmer in die Kollektion zu integrieren“, so C. David vom Label Lasalina, die gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Designerin Linn Annen, die Vorstellungen der älteren Menschen umsetzte. „Da wir beide vorher wenig Erfahrungen mit den modischen und funktionalen Bedürfnissen von Senioren hatten, ließen wir die Damen aus Helsinki vor dem Beginn des Workshops Fragebögen ausfüllen. Darüber hinaus baten wir sie, uns ein Lieblingsstück aus ihrem Kleiderschrank zu präsentieren.“ Danach begann die gemeinsame Arbeit, in der die jungen Designerinnen selbst neue Wege beschritten.

Die Ergebnisse des Workshops in Helsinki können noch bis Mitte Dezember in den Räumlichkeiten des NEMONA-Netzwerkes besichtigt werden. „Meist finden die Bedürfnisse, die stilbewusste ältere Menschen an ihre Bekleidung stellen, viel zu wenig Beachtung“, findet Sabine Hülsebus, NEMONA-Projektleiterin für den Bereich Modedesign. „So liegt es beispielsweise nahe, dass die Oberteile von Menschen, die im Laufe ihres Lebens einen krummen Rücken bekommen haben, hinten etwas länger sein müssen.“

Spezielle Bedürfnisse erfordern spezielle Design-Lösungen

Cape mit wärmender Kapuze

Auch die wärmende Qualität ihrer Kleidungsstücke sei vielen Senioren wichtig, betont David. „Vor allem die Schulterblätter sollten warm gehalten werden – diesem Kriterium sind wir bei unserer Kollektion nachgekommen.“ Darüber hinaus spiegeln sich in den Stücken die individuellen Bedürfnisse ihrer Gestalter. „Eine der Workshop-Teilnehmerinnen ist den ganzen Tag im Garten aktiv. Sie wünschte sich von uns eine wärmende Strickjacke mit großen Taschen“, erinnert sich David. Die Stücke sind allerdings nicht mehr lange in Neukölln. Noch vor Weihnachten sollen alle Workshop-Teilnehmer ihre neuen Lieblingsstücke in Empfang nehmen können.

Das Engagement von NEMONA geht jedoch weiter. Seit März 2010 sind rund 50 Designer aus Neukölln sowie regionale Produzenten in dem aus EU-Mitteln finanzierten Netzwerk aktiv. „Wir bemühen uns um die kreative Vernetzung von Modeschaffenden und um einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Design“, erklärt Hülsebus. So könne zum Beispiel durch die Einbeziehung türkischer Handarbeiterinnen in den Herstellungsprozess die Integration im Kiez gestärkt werden. „Auch das Miteinander junger Kreativer eröffnet ganz neue Möglichkeiten – so können wir den Bezirk gemeinsam fördern und zeigen: Hey, hier gibt’s auch schöne Sachen!“, so Hülsebus.

Vorbildliches Neuköllner Modenetzwerk

Mit seinen Designern und Produktionsstätten ist NEMONA immer wieder auf Wettbewerben, Modemessen und -märkten in ganz Deutschland vertreten. Auch Workshops und Beratungsangebote gehören zum Angebot. Bis zum 1. Dezember können die Stücke von 30 im Netzwerk aktiven Labels in einem Concept Store (Ganghoferstraße 2) erworben werden. Und für die Zukunft planen die Initiatoren von NEMONA ein eigenes Neuköllner Design-Kaufhaus, durch dessen Einnahmen sich das Netzwerk der Modeschaffenden aus dem Kiez auch nach dem Versiegen der NEMONA-Fördergelder im September 2013 finanzieren könnte.

Die Nachfrage nach Designermode aus Neukölln dürfte dabei kein Hindernis darstellen: „Die alltagstaugliche und trotzdem raffinierte Mode, wie sie viele der hier aktiven Designer herstellen, trifft den Nerv der Zeit“, so Hülsebus. „Ob Hoodies mit hochwertigen Stoffen oder stilvolle Kleider, die von morgens bis abends tragbar sind – für Design-Interessierte lohnt ein Ausflug nach Neukölln allemal.“

mehr Infos zum Mode-Projekt in Helsinki unter shineon-fashion.blogspot.de

NEMONA – Netzwerk Mode und Nähen Neukölln, Mainzer Straße 5, 12053 Berlin, nemona.de


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Netzwerk Mode und Nähen Neukölln - NEMONA, Mainzer Straße 5, 12053 Berlin

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