Streit um Modernisierungen

"Wir lassen uns nicht unterkriegen"

Der Fahrstuhl wurde demontiert, die Badezimmerfenster zugemauert und die Kellerräume leergeräumt – die Schikanen des Hauseigentümers der Calvinstraße 21 in Moabit gegenüber den Bewohnern nehmen immer drastischere Ausmaße an. Doch an Auszug denkt noch keiner der sechs Mieter.

Die Konfrontationen zwischen dem Eigentümer und den verbliebenen Mietern des Wohnhauses Calvinstraße 21 in Moabit spitzen sich zu. Nachdem unter anderem einer Mieterin die Fenster zugemauert wurden, klagen die Betroffenen nun über weitere Schikanen. Seitdem die „Terrial Stadtentwicklung GmbH“ mit Sitz in Biberach das Haus 2008 erworben hat, streiten sich die sechs noch verbliebenen Bewohner über Rechtsanwälte mit der Geschäftsführung der Firma, die die Bewohner für die Modernisierung mit immer brutaleren Methoden zum Auszug drängen will.

Helga Brandenburger, die in der ersten Etage wohnt, wurde eine Mauer vor das Küchen- und Badezimmerfenster gesetzt. „Seitdem ist es sehr dunkel bei mir und wenn ich lüften will, muss ich das Fenster im Schlafzimmer aufmachen“, sagt Brandenburger. „Ich habe den richterlichen Beschluss in erster Instanz vorliegen, dass diese Mauer weg muss, da der Abstand zwischen zwei Häusern mindestens drei Meter betragen muss“, sagt Rechtsanwalt Christoph Müller, der vier der Anwohner gegen die „Terrial“ vertritt.

Zudem wurde Anfang Juni der Aufzug im Haus ersatzlos ausgebaut, obwohl ein Fahrstuhl mietvertraglich vereinbart ist und von einigen Mietern aus gesundheitlichen Gründen gebraucht wird. Seit Wochenbeginn können die Mieter auch nicht mehr in ihre eigenen Keller. Diese wurden ohne Einverständnis der Mieter geräumt oder mit einer zusätzlichen Tür versehen, für die die Mieter keinen Schlüssel haben. Auch die Lärmbelästigung durch die Bauarbeiten liegt fast dauernd bei 70 bis 80 Dezibel, erlaubt sind laut der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm etwa 50 Dezibel.

Stellungnahme wird verweigert

Für eine Stellungnahme der Geschäftsführung der „Terrial Stadtentwicklung GmbH“ konnte weder das Berliner Büro noch der Hauptsitz in Biberach erreicht werden. „Die Geschäftsführung ist außer Haus und wird den ganzen Tag nicht erreichbar sein. Weitere Auskünfte möchte ich nicht geben“, ließ ein Mitarbeiter der Firma verlauten.

Wie bereits im Februar im Tagesspiegel zu lesen war, hatten die verbliebenen Bewohner die Miete wegen der Beeinträchtigungen um 20 Prozent herabgesetzt. Daraufhin kam es zu mehreren Räumungsklagen gegen die Mieter des Hauses durch die „Terrial“. „Diese Räumungsklagen betrafen alle sechs Mieter, in drei Fällen konnten wir die Räumungen abwehren“, sagt Anwalt Müller. Durch die Modernisierung würde sich zum Beispiel die Kaltmiete für Familie Czapara in ihrer 75 Quadratmeter großen Wohnung von momentan 376 Euro auf 780 Euro erhöhen. „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt Hanna Czapara. „Wir sind emotional und körperlich am Ende, aber wir lassen uns nicht unterkriegen.“

Vom Bezirksamt fühlen sich die Mieter bisher ihrem Schicksal überlassen. Für Baustadtrat Carsten Spallek sei bisher kein Handlungsdruck erkennbar. „Ich habe ihn mal gebeten, ob er Frau Brandenburger mit ihren zugemauerten Fenstern helfen könne. Erst beim zweiten Briefverkehr kam eine persönliche Nachricht zurück, in der er Frau Brandenburger nahelegte, sich den Vorstellungen des Vermieters zu unterwerfen“, sagt Anwalt Müller. Trotz mehrfacher Nachfrage des Tagesspiegels war auch Carsten Spallek nicht für eine Erklärung zu erreichen.


Quelle: Der Tagesspiegel

"Wir lassen uns nicht unterkriegen", Calvinstraße 21, 10557 Berlin

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