Crowdfunding

Wie das Moviemento-Kino gerettet werden könnte

Wie das Moviemento-Kino gerettet werden könnte
In manchen Kinos gehen die Lichter für immer aus - nicht immer wegen fehlender Besucher.
Es ist das älteste noch betriebene Kino Deutschlands, doch nun drohen der Verkauf und eine existenzgefährdende Mieterhöhung. Deshalb wollen die BetreiberInnen das Moviemento in Kreuzberg selbst erwerben und setzen dabei auch auf Crowdfunding…

Seit 1907 laufen am Kottbusser Damm 22 Filme – öffentlich und für jeden, der das Eintrittsgeld aufbringen kann. Selbst in der vielfältigen und immer noch vitalen Berliner Programmkino-Landschaft nimmt das Moviemento damit eine Sonderstellung ein: Es ist nach Angaben von Wieland Speck, Kurator des Berlinale Panoramas, das älteste noch existierende und durchweg betriebene Kino Deutschlands.

Krisen gab es für das Kreuzberger Lichtspielhaus schon früher. Die aktuelle Geschäftsführung, bestehend aus Iris Praefke und Wulf Sörgel, rettete das Moviemento 2007 schon einmal vor der Schließung und brachte es wieder auf Kurs. Doch zwölf Jahre später ist es aus anderen Gründen erneut in Gefahr: Die Räume des Kinos sollen verkauft werden – für rund zwei Millionen Euro. „Die erste Reaktion war ein krasser Schock“, sagt Iris Praefke in einem Video für die nun geplante Crowdfunding-Kampagne. Denn schnell war klar: Ein Käufer, der eine solche Summe investiert, würde eine deutlich höhere Miete verlangen. Die einzige Chance zur Erhaltung des Moviemento scheint der Kauf durch das BetreiberInnen-Team zu sein.

Prominente Unterstützung, große Herausforderung

Praefke und Sörgel verharrten nicht in der Schockstarre, sondern haben bereits 400.000 Euro aus Eigenmitteln und von einem Freund beisammen, um den Kaufpreis stemmen zu können. Sie hoffen zudem, dass dieser in Verhandlungen noch reduziert werden kann. Die zweite Hoffnung: Das schon erwähnte Crowdfunding über Startnext, welches am 5. November startet und schon prominente UnterstützerInnen wie Wieland Speck oder die Schauspielerinnen Katharina Wackernagel und Carolyn Genzkow gefunden hat. Cineastinnen und Cineasten dürften sich besonders angesprochen fühlen: Nicht nur sein Alter macht das Moviemento zu einer Perle der Kinolandschaft. Es zeigt zudem ausgesprochen vielfältige Filme, darunter Premieren, Kinderfilme, Arthouse, auch Kontroverses und Spezielles. Derzeit ist es Austragungsort für das alternative Pornfilmfestival.

Die Ziele beim Crowdfunding: In der ersten Phase bis Ende Januar 2020 geht es um 100.000 Euro. Parallel will die Geschäftsführung versuchen, weitere Gelder einzuwerben und den Kaufpreis zu reduzieren. Gewaltig hört sich der zweite Schritt von Februar bis Oktober nächsten Jahres an: Dann sollen insgesamt 1,6 Millionen zusammenkommen, die auf jeden Fall für den Kauf und somit den Erhalt des Kinos reichen würden. Etwaige Überschüsse würden die BetreiberInnen in den Bau eines vierten Kinosaals investieren.

Scheitert die Kampagne am Ende an der riesigen Summe? Neben der herausgehobenen kulturellen Stellung des Moviemento macht noch etwas anderes Hoffnung: Noch gehört das Haus laut Taz einer Untergesellschaft der Deutsche Wohnen. Und das Mutterunternehmen gibt sich derzeit öffentlich ja betont dialogbereit…

Weitere Infos zur Crowdfunding-Kampagne sowie die Möglichkeit zu spenden findest du bei Startnext.

Moviemento, Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin

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