Imbissbetreiber muss gehen

Müggelturm: Streit ohne Ende

Der Müggelturm und das verfallende Restaurant
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Während der Turm über dem Müggelsee immer weiter vor sich hin bröckelt, ist ein Ende des Streits um die künftige Nutzung und die Besitzfrage nicht in Sicht. Nun wurde Imbisspächter András Milak zum Stichtag 31. August vor die Tür gesetzt.

Ab Ende des Sommers müssen die Besucher des Müggelturms auf die Bratwürste von András Milak verzichten, womöglich muss sogar der Turm schließen. Denn der Ungar, der dort seit 2006 einen Imbiss betreibt und die Ausflugsruine für die Besucher offen hält, hat seine Kündigung zu Ende August erhalten. Zuletzt zahlte er keine Miete mehr an den Eigentümer der Anlage, den Krefelder Investor Marc Förste. Und bei der gesamten Turmruine ist ebenfalls kein Fortschritt in Sicht.

Dabei hatte der Bezirk Treptow-Köpenick bereits eine Einigung mit Matthias Große, dem Freund von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, erzielt. Der wollte die Turmanlage renovieren und mit einer Außenstelle des Standesamts, Kulturprogamm und Gastronomie aufwerten. Ein Kaufvertrag liegt bereits vor, wird aber erst gültig, wenn das Gelände an den Liegenschaftsfonds rückabgewickelt ist. Das möchte der Bezirk, da der Noch-Eigentümer Förste wiederholt Fristen beim Einreichen eines vollständigen Bauantrags versäumt hat.

Widersprüchliche Aussagen

Förste streitet dies indes ab und wirft dem Bezirk seinerseits „extreme Nachforderungen“ wie ein Umweltgutachten vor. Nun beschäftigt sich ein Gericht mit dem Fall, mit zeitlich offenem Ende. Der jetzige Herr des Müggelturms will diesen nämlich nach wie vor selbst zu einem Eventzentrum umbauen und vor Gericht wenn nötig alle Instanzen durchlaufen, wie er sagt. Er warte weiterhin auf eine Baugenehmigung. Ohne die sei es ihm kaum möglich, den maroden Zustand des Turms zu verbessern.

Im Bezirk weist man die Vorwürfe zurück. „Es lag selbst nach Fristverlängerungen kein vollständiger Antrag vor“, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Förste werde vor Gericht Probleme haben, glaubhaft zu machen, dass er am Turm festhalten wolle. Trotz Versprechen sei er nicht „positiv tätig“ geworden, dafür habe er Schäden an der denkmalgeschützten Substanz verursacht. 2007 hatte Förste 25.000 Euro für das Gelände gezahlt, nach eigenen Angaben hat er bisher weitere 100.000 Euro hineingesteckt.

Förste beschwert sich, er sei in der Öffentlichkeit demontiert und „von der Politik torpediert“ worden. Daran sei sogar die Finanzierung gescheitert. Vertragliche Verpflichtungen bezüglich Nutzung, Neubau oder Sanierung gebe es nicht. „Es gibt eine Verpflichtung, den Turm der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört auch die Sicherung des Geländes“, widerspricht man beim Liegenschaftsfonds.

Einbrüche und Brandstiftungen

Der Eigentümer sagt, er habe diese Pflichten vertraglich an Milak weitergegeben. Der ist sauer, will das nicht länger hinnehmen. „Förste muss sich um die Sicherheit kümmern, doch er macht nichts. Ständig wurde der Imbiss zerstört – ich hatte 60 Einbrüche in vier Jahren“, sagt Milak. Darüber hinaus wurde die Bude mehrere Male in Brand gesteckt, fast 100.000 Euro habe er schon investiert, erklärt der Pächter. „Ich kann mir das nicht mehr leisten, und ich sehe es auch nicht mehr ein“, sagt der Ungar, der sich ebenfalls von der Politik im Stich gelassen fühlt. Er wolle jedoch wieder Miete bezahlen, wenn er wieder Geld habe. Förste hat jedoch bereits die Kündigung ausgesprochen, Ende August muss Milak gehen. Seit einem halben Jahr sei Milak das Nutzungsentgelt von 500 Euro monatlich schuldig geblieben, sagt Förste. Nun will er sich auf die Suche nach einem neuen Pächter machen, der sich ab September um die Anlage kümmert.

Milak plant, gegen die Kündigung vorzugehen. Im Bezirk prüft man, ob der Imbiss auch auf öffentlicher Straße stehen könne, sagt Hölmer. Dies müsse Milak beantragen. Sollte Förste vor Gericht unterliegen, wird Milak auf jeden Fall wieder am Müggelturm Wurst verkaufen. Denn im Konzept von Matthias Große ist der Ungar als Biergarten-Betreiber vorgesehen.

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Quelle: Der Tagesspiegel

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