Rangierbahnhof Schöneweide

Großer Streit um ein kleines Tier

Großer Streit um ein kleines Tier
Siedlungs- und Straßenbau sowie die intensivierte Landwirtschaft machen der Zauneidechse das (Über-) Leben schwer.
Schöneweide - Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof tut sich was. In den kommenden Jahren soll hier, auf Betreiben der Bahn, womöglich ein Wohn- und Gewerbegebiet entstehen. Fest steht zwar noch nichts, doch es werden bereits erste Gleisanlagen verlegt und auch der Bau von Erschließungsstraßen steht kurz bevor. Nun wehrt sich der NABU Berlin gegen die von der Bahn vorangetriebene vorzeitige Umsiedlung hunderter bedrohter Zauneidechsen.

Im Sommer konnte auf dem ehemaligen Rangierbahnhof Schöneweide Seltsames beobachtet werden. Eine Woche lang durchkämmten Männer im Auftrag der Bahn das Gelände, um die dort heimischen, streng geschützte Zauneidechsen mittels langer Zäune zu fangen. Der Tod stand den kleinen Tierchen damals zwar nicht bevor – dafür aber eine lange Reise. Bei Fredersdorf in Brandenburg wurden sie wieder freigelassen, um dort ein neues Leben fern von menschlichen Interessen zu beginnen. Rund 300 Zauneidechsen wurden umgesiedelt – bis der alternative Lebensraum keinen Platz mehr bot für noch mehr der markant gemusterten Reptilien. Seitdem sucht die Bahn nach einer neuen Umsetzfläche, wird dabei nun allerdings vom NABU Berlin behindert.

Die Naturschutzorganisation will das Vorgehen des Konzerns per Klage stoppen. Schließlich seien die Planungen für das 40 Hektar große Gewerbegebiet „Berlin-Adlershof-Johannisthal“ noch gar nicht durch das Beteiligungsverfahren gegangen, das eigentlich – laut Naturschutzgesetz – für die Genehmigung einer Umsiedlungsaktion durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt notwendig ist. Außerdem: „Obwohl es sich um eine reine Angebotsplanung handelt und konkrete Bauvorhaben noch gar nicht bekannt sind, werden schon mal vorsorglich die streng geschützten Tiere abgefangen. Das Gebiet soll anscheinend ‚zauneidechsenfrei‘ an spätere Investoren übergeben werden, was alle Bemühungen zum Natur- und Artenschutz konterkariert“, so die Geschäftsführerin des NABU Berlin Anja Sorges. Nachdem eine im August eingereichte Beschwerde bei der Senatsverwaltung bisher keine Ergebnisse erzielte, wurde nun vom NABU Berlin gegen das Vorgehen des Bahn-Konzerns geklagt.

20 der insgesamt 50 Hektar des ehemaligen Rangierbahnhofs Schöneweide sind geschützte Biotope mit vielen seltenen Insekten- und Pflanzenarten. Derzeit ist jedoch die künftige Bebauung von etwa 40 Hektar im Gespräch. „Indiskutabel“, findet der Naturschutzbund.

S-Bahnwerk Schöneweide, Adlergestell 143, 12439 Berlin

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