Weiterer Verkauf des Postfuhramts

Offene Zukunft für C/O Berlin

Die Rückseite vom Postfuhramt an der Oranienburger Straße, das noch die Galerie c/o Berlin beherbergt.
Die Rückseite vom Postfuhramt an der Oranienburger Straße, das noch die Galerie c/o Berlin beherbergt.
Das Postfuhramt in Mitte hat erneut den Eigentümer gewechselt. Die geänderten Besitzverhältnisse könnten auch Auswirkungen auf die Zukunft der Galerie C/O Berlin haben.

Auf der Bezirksverordnetenversammlung in Mitte konnte der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung, Carsten Spallek, am Donnerstag mit interessanten Neuigkeiten aufwarten: das Postfuhramt in der Oranienburger Straße ist erneut verkauft worden. Dem Vernehmen nach handelt es sich beim neuen Besitzer um den europäischen Medizintechnik-Hersteller Biotronik mit Hauptsitz in Berlin-Neukölln. Das Unternehmen wollte sich dazu auf Nachfrage nicht äußern.

Was die neuen Besitzer im Postfuhramt vorhaben, ist bisher ebenso wenig bekannt. Gerüchten zufolge soll in dem denkmalgeschützten Gebäude statt eines Hotels und eines Einkaufszentrums, wie von der israelischen Investorengruppe Elad geplant, die Firmenrepräsentanz von Biotronik entstehen.

Galerie feiert weiter Erfolge

Was wird dann aus C/O Berlin? Der Mietvertrag der renommierten Kunsthalle für Fotografie, zu deren jüngster Ausstellungseröffnung mehr als 4000 Besucher kamen, läuft Ende des Jahres aus. Anschließend sollte C/O aus dem Postfuhramt ausziehen; als neues Quartier waren die leerstehenden Ateliers im Monbijoupark vorgesehen. Im September 2011 kurz vor den Berliner Wahlen schien es so, als ob die Sache läuft: Dem Direktor von C/O Berlin, Stefan Erfurt, wurden feierlich die Schlüssel ausgehändigt. Bis zum Einzug sollte er die Räume schon mal auf eigene Kosten heizen und notdürftig instand setzen.

Doch inzwischen steht fest, dass es mit Monbijou vorerst nichts wird. Im Bebauungsplan ist der Park, der in unmittelbarer Nähe des Postfuhramts liegt, als Grünfläche verzeichnet. Daher dürfen dort „de jure“ (Spallek) keine Gebäude stehen – selbst wenn de facto die ehemaligen Ateliers der Kunsthochschule Weißensee vor sich hin bröckeln. So lange der jetzige Bebauungsplan Bestand hat, darf niemand einziehen, auch nicht provisorisch.

Es droht die Heimatlosigkeit

C/O Berlin präsentierte im Juni erste Pläne für einen Umbau oder alternativ einen Neubau. Der Stadtentwicklungsausschuss wird sich in der nächsten Woche mit den Vorschlägen befassen, doch ob es bereits zu einer Entscheidung kommt, ist ungewiss. Selbst in diesem Fall, weiß Spallek aus Erfahrung, „dauert es mindestens ein Jahr“ bis die Baugenehmigung erteilt wird – wenn es denn zügig vonstattengeht.

Der Galerie läuft die Zeit davon. Nach den Auseinandersetzungen mit Elad hatte man bisher auf die Zusage für einen neuen Standort vertraut. Gewünscht hatte man sich einen Umzug allerdings nicht und bis heute ist im Bebauungsplan des Postfuhramts neben lukrativem Gewerbe auch eine kulturelle Nutzung vorgesehen. Die Verhandlungen über einen neuen Mietvertrag für das Baudenkmal an der Oranienburger Straße Ecke Tucholskystraße waren an den hohen Preisvorstellungen von Elad gescheitert: Als private Galerie muss sich C/O Berlin durch Tickets und Veranstaltungen selbst tragen. Vielleicht zeigt der neue Investor ja mehr Entgegenkommen. Vielleicht wartet er mit der Umgestaltung noch ab und verlängert den Vertrag. Vielleicht kommt ihm der Gedanke, dass erst C/O Berlin dem Postfuhramt wirklich Bekanntheit verschafft hat, und er lässt die Galerie am alten Ort weitermachen.


Quelle: Der Tagesspiegel

C/O Berlin im Postfuhramt, Oranienburger Str. 35, 10115 Berlin

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