Bauplanung am Alex

Bürohaus sorgt für Dunkelheit

Der Alexanderplatz und seine Umgebung werden zunehmend interessanter für Büro- und Geschäftsgebäude.
Der Alexanderplatz und seine Umgebung werden zunehmend interessanter für Büro- und Geschäftsgebäude.
Für die Bewohner eines Plattenbaus am Alexanderplatz könnte es bald düster werden. Das geplante neunstöckige Bürohaus "Panorama Office Berlin" würde im benachbarten Gebäude für Hinterhofatmosphäre sorgen – die dort lebenden Menschen setzen sich zur Wehr.

Nördlich vom Alexanderplatz engagieren sich die Bewohner eines Plattenbaus seit einem Jahr gegen einen Neubau. Auf dem Parkplatz an der Ecke Otto-Braun-Straße/Mollstraße soll das „Panorama Office Berlin“, ein neunstöckiges Büro- und Geschäftshaus entstehen. Das 37 Meter hohe Gebäude würde unmittelbar an den Plattenbau anschließen und diesen um sieben Meter überragen. Die Nachbarn sind der Ansicht, dass die Pläne für den Alexanderplatz vor allem auf ihre Kosten umgesetzt werden. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat ihnen für August ein Gespräch mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zugesichert. Ob sich dabei noch Raum für Kompromisse ergibt, ist ungewiss. Noch ist kein Bauantrag eingereicht.

Mit den Behörden ginge es gerade um die Feinabstimmung, sagt Wilfried Euler vom Projektentwickler Sonus. Der Baubeginn ist für Ende 2012 geplant, der Einzug 2014. Ein Drittel der Fläche ist für Wohnraum vorgesehen, der Rest für Gewerbe, Büros, vielleicht ein Hotel. An der Wadzeckstraße wurde im Mai der Komplex „Alexander Parkside“ mit drei Hotels eröffnet, ebenfalls ein Projekt von Euler. Der Unternehmer will auch nebenan in der Keibelstraße 6 bauen. Anstelle des Parkhauses sollen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.

Widerstand der Nachbarn

Die Anwohner an der Otto-Braun-Straße sind sauer. „Wenn der Neubau kommt, haben wir keine Sonne und Parkplätze mehr. Wir werden in einen Hinterhof verdrängt“, sagt Herbert Fitze, 58. Er ist Mitglied der „Hinterhofverhinderer am Alex“. 30 Anwohner aus den Häusern Otto-Braun-Straße 29 und 31 engagieren sich in der Initiative. „Das wirkt hier dann wie ein Gefängnishof“, sagt Ingeborg Musil, 57. Viele der Menschen sind Erstbewohner, leben seit dem Bau des Hauses vor 42 Jahren in dem Komplex mit 408 Wohnungen.

In den 90er Jahren hätten die Bewohner von der Wohnungsbaugesellschaft WBM das Angebot erhalten, ihre Wohnungen zu kaufen, fast die Hälfte der Mieter nahm angeblich an. Man habe ihnen versichert, dass die Fläche 40 Jahre lang frei bleibe, sagt Musil. Als die Anwohner im letzten Jahr  von dem geplanten Neubau erfuhren, schrieben sie Protestbriefe. Sie ketteten sich an die rund 35 Platanen, die dem Bau zum Opfer fallen sollen. Doch der Bebauungsplan steht seit dem Jahr 2000.

Behörden sehen kaum noch Spielraum

„Die Bewohner haben den Zeitpunkt, bis zu dem sie sich gegen den Bebauungsplan hätten wehren können, verpasst“, heißt es aus dem Bezirksamt Mitte. Unsere Einsprüche sind verpufft, sagen die Anwohner. „Mit Rücksicht auf die Nachbarn haben wir bereits einen Winkel weggenommen, bauen ein Geschoss tiefer“, sagt Projektentwickler Euler. Eigentlich sei im Bebauungsplan eine noch engere Bebauung vorgesehen gewesen. „Den B-Plan hat der Senat aufgestellt“, erklärt Carsten Spallek (CDU), Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung. Wenn der Bauantrag dem Plan folge, wäre eine Genehmigung wohl unausweichlich.

Anwohner-Anwalt Michael Burrack will dennoch nicht klein beigeben, sondern die Gegenwehr fortsetzen, sobald der Bauantrag eingereicht ist. Das Areal müsse als Wohngebiet klassifiziert werden. Dann sei das Haus wegen zu geringer Abstände nicht genehmigungsfähig. Laut eines Gerichtsurteils dürfe von neuen Bauten keine „bedrückende Wirkung“ auf existierende Gebäude ausgehen. Aus der Stadtentwicklungsbehörde verlautet man dazu, dass eine Kategorisierung als Wohngebiet aufgrund der Gesamtentwicklung der Gegend mit Büros und Hotels nicht machbar sei. Berlin sei „auf die Schaffung neuen Wohnraums und auf Investitionen angewiesen“, sagte Torsten Schneider, parlamentarischer SPD-Geschäftsführer. Dem diene der Neubau.


Quelle: Der Tagesspiegel

Bürohaus sorgt für Dunkelheit, Otto-Braun-Straße 31, 10178 Berlin

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