Berlin, Reinickendorf, Tegel
Der verschobene Flughafen-Start und die Folgen

Nachtruhe rund um Tegel in Gefahr

Nachtruhe rund um Tegel in Gefahr
Danke Tegel, aber wir brauchen dich noch ein wenig länger!
Aufgrund der ausgefallenen Eröffnung des Großflughafens BER wollen mehrere Fluggesellschaften, darunter Air Berlin, Tegel häufiger nachts anfliegen dürfen. So sollen bereits für BER gebuchte Flüge abgewickelt werden. Unterdessen entschuldigte sich Klaus Wowereit in seiner Regierungserklärung für das Schönefeld-Desaster, nannte jedoch noch keinen neuen Termin für die Eröffnung.

Die Anwohner des Flughafens Tegel müssen sich nach der geplatzten Eröffnung von BER womöglich auf weitere Belastungen einstellen. Denn die Fluggesellschaft Air Berlin drängt darauf, das Nachtflugverbot für Tegel einzuschränken. Es solle nur noch zwischen 0 und 5 Uhr gelten – so wie es auch am neuen Flughafen geplant ist. Bisher darf in Tegel zwischen 23 und 6 Uhr nicht geflogen werden. Air Berlin, aber auch andere Fluggesellschaften haben ihr Angebot ab Juni ausgeweitet und müssen nun versuchen, die zusätzlichen Flüge auch über den Flughafen Tegel abzuwickeln. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an Flughafenchef Rainer Schwarz: „Schon heute bitten wir Sie dringend zu prüfen, für diese Übergangsphase bei der Verlängerung von Tegel die Öffnungszeiten des Flughafens morgens und abends um je eine Stunde zu verlängern.“ So könne Berlin wie geplant als Drehkreuz für Umsteigeverbindungen dienen, heißt es in dem Brief.

Entschuldigung, aber kein neuer Termin

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) redete in seiner Regierungserklärung am Donnerstag vor dem Abgeordnetenhaus von einem „Desaster“ und entschuldigte sich für die Verschiebung der Flughafeneröffnung. Er sicherte den direkt Betroffenen wirtschaftliche Schadensbegrenzung „auch jenseits rechtlicher Ansprüche“ zu. Wowereit gestand ein, dass bereits seit längerem klar gewesen sei, dass es Brandschutzprobleme gebe. „Ja, das war bekannt, aber es hat nicht zum K.-o.-Schlag geführt. Die Auffassung war, dass das zu klären ist“, sagte Wowereit in seiner Erklärung. Man sei davon ausgegangen, dass die Entrauchungsanlage nicht voll automatisiert in Betrieb gehen würde, sondern vorerst teilautomatisch. Noch am 20. April sei im Aufsichtsrat der Eröffnungstermin 3. Juni als nicht gefährdet angesehen worden.

Wowereit blieb bei seiner Darstellung, dass er erst am Montagabend über die Verschiebung informiert worden sei. Zu einem „neuen, belastbaren Eröffnungstermin“ gab der Aufsichtsratchef auch vor dem Parlament keine Stellungnahme ab. Dies werde nächste Woche entschieden. Aber: „Wir müssen ein großes Interesse haben, dass der Hauptstadtflughafen so schnell wie möglich eröffnet wird.“ Dabei werde der Aufsichtsrat jedoch keinen Einzelinteressen folgen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat dazu geraten, nicht voreilig einen neuen Termin für die Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens zu nennen. „Man darf jetzt nicht mit einem neuen Datum rausplatzen, das dann vielleicht wieder nicht klappt“, sagte Ramsauer gegenüber dem Tagesspiegel. „Das neue Datum muss hieb- und stichfest unterlegt sein mit einem umsetzbaren Projektmanagement. Bevor man das nicht 100-prozentig erreicht hat, braucht man nicht über das Eröffnungsdatum zu sprechen.“

Suche nach dem Fehler im System

Arnold Vaatz, CDU-Fraktionsvize im Bundestag und mit Verkehrsfragen betraut, sieht weiteren Aufklärungsbedarf. „Wo liegen die Managementfehler und welche Rolle hat der Aufsichtsrat gespielt – diese Fragen müssen dringend geklärt werden“, verlangte er im Tagesspiegel. An einer Klärung dieser Fragen haben auch die Piraten Interesse. Sie fordern daher Transparenz vom Aufsichtsrat. Dessen Dokumente sollten offengelegt werden, damit jeder sehen könne, wer wann was gewusst habe.

Der brandenburgische Landtag beschäftigt sich am 21. Mai mit der verzögerten Flughafeneröffnung. Dann will sich auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der wie Wowereit im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sitzt, vor dem Parlament erklären.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Planungschef des Flughafens, Manfred Körtgen, neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer an seiner Promotion an der Universität Kassel gearbeitet hat. Im April 2010 legte er seine mündliche Prüfung ab. In jenem Monat kam auch heraus, dass der für Oktober 2011 geplante Eröffnungstermin nicht mehr aufrechtzuerhalten ist.

 

Tipps für Passagiere:

Airline anrufen, Reiseveranstalter fragen
Soll ich das Taxi fürs Reisegepäck ab 3. Juni nun zum Flughafen Tegel oder Schönefeld bestellen? Welchen Flughafenbus soll ich wählen? Wo sollen mich Verwandte oder Freunde abholen? Solche Fragen stellen sich gerade Tausende Urlauber und Dienstreisende.

Wer online einen Flug gebucht hat, sollte sich an die Fluggesellschaft wenden – die Hotlines findet man auf den Websites. Die meisten von ihnen sind noch wegen der Alternativ-Airports in Verhandlungen. Wenn überhaupt, sollten sich die Flugzeiten nur leicht ändern.

Die Flughäfen Tegel und Schönefeld sind über 0180 5000186 zu erreichen (Kosten: 0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz, bei Mobilfunk fallen maximal 0,42 Euro pro Minute an).

Wer eine Pauschalreise gebucht und bezahlt hat, für den muss im Extremfall der Reiseveranstalter eine Ersatzbeförderung besorgen.

Nachtruhe rund um Tegel in Gefahr, Flughafen Berlin-Tegel (TXL), Berlin, Deutschland 13405, 13405 Berlin

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