Axel-Springer-Straße in Mitte

Neue Ost-West-Verbindung sorgt für Ärger

Neue Ost-West-Verbindung sorgt für Ärger
Die Axel-Springer-Straße verbindet ab jetzt Kreuzberg mit der östlichen Innenstadt.
Nach 13 Monaten Bauzeit wurde am gestrigen Donnerstag die neue Axel-Springer-Straße in Mitte freigegeben – und damit eine neue Verbindung zwischen Osten und Westen. Für den Verkehr soll das entlastend sein, die Anwohner klagen allerdings über den Lärm.

Elf Millionen Euro hat der Senat investiert, um die Axel-Springer-Straße in Richtung Leipziger Straße zu verlängern und vierspurig auszubauen. Dazu eine neue Ampel, Laternen, 40 Ahornbäume, neue Rad- und Gehwege, Bushaltestellen, Parkstreifen und 64 Fahrradplätze. Am gestrigen Donnerstag wurde die Straße freigegeben. Der Senat erhofft sich viel davon: „Die neue Axel-Springer-Straße wird die Mitte in Zukunft deutlich vom Verkehr entlasten“, meint Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Historische Bedeutung

Es war auch ein symbolischer Akt. Schließlich entstehen nicht jeden Tag neue Straßen in der Stadt und schon gar nicht zwischen den ehemals geteilten Stadthälften. Bis 13. August 1961 rollte hier noch der Verkehr, dann wurde die Mauer gebaut, jetzt erst ist diese Lücke geschlossen. So viel mehr solcher Beispiele gibt es auch nicht in Berlin: Die Brommybrücke über der Spree zwischen Friedrichshain und Kreuzberg wird möglicher Weise irgendwann mal aufgebaut. Die kleine Bergstraße zwischen Wedding und Mitte hingegen soll auch 23 Jahre nach dem Mauerfall getrennt bleiben – andernfalls würden die Autos einfach durch die Mauergedenkstätte Bernauer Straße düsen.

Auch Müller betonte die historische Bedeutung dieser nur 90 Meter langen Straße. „Erstmals seit dem Mauerbau können Autofahrer wieder den direkten Weg vom Landwehrkanal zum Roten Rathaus nehmen“, meint Müller. Laut einer Prognose werden in Zukunft bis zu 38.000 Autos täglich auf den vier Spuren rollen.

Anwohner protestieren

Einige Anwohner stellten sich daher auch weiterhin gegen die neue Axel-Springer-Straße. Sie befürchten mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Feinstaub. Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz hatten sie bereits 2011 gegen den Neu- und Umbau der Straße geklagt. Die Klage wurde abgewiesen. Die Begründung: Die Verbindung sei eine Entlastung für die umliegenden großen Straßen. Eine einspurige Verkehrsführung sei dagegen nicht in der Lage, den Verkehr zu bewältigen.

13 Monate nach Baubeginn ist die Stimmung immer noch aufgeladen. Das Problem der Schallbelästigung für Anwohner sei nach wie vor nicht geklärt, sagt Manfred Böhm von der Eigentümergemeinschaft Leipziger Straße 48/49. „Wenn hier nachts ein Feuerwehrauto durchfährt, schläft mit Sicherheit keiner mehr.“ Böhm ärgert sich über die Vorgehensweise der Stadt. „Wir fühlen uns gelinkt“, sagt er. „Was ist der Bürger noch wert?“

Lärmschutzmaßnahmen? Offenbar nicht für alle

Nach eigenen Angaben hat der Senat 7,4 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen ausgegeben. Fenster in umliegenden Hochhäusern seien ausgetauscht und ein feinporiger Asphalt verwendet worden. Eine Behördensprecherin erklärte: „Dadurch ist der Lärmpegel extrem niedrig.“ Zur Feinstaubbelastung konnte sie sich nicht äußern.

Anwohner Böhm hingegen beteuert, er habe von Schallschutzmaßnahmen oder Entschädigungszahlungen bisher nichts mitbekommen. Gemeinsam mit anderen Anwohnern will er auf einer Eigentümerversammlung am heutigen Freitag über juristische Schritte gegen die Stadt abstimmen. „Möglich ist eine einstweilige Verfügung“, sagt Böhm. So lange rollt erst mal der Verkehr.


Quelle: Der Tagesspiegel

Neue Ost-West-Verbindung sorgt für Ärger, Axel-Springer-Straße, Berlin

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