Telefonzelle wird zum Gedenkort

Neue BücherboXX in Wilmersdorf

Am 17. November wird am S-Bahnhof Grunewald die berlinweit sechste BücherboXX feierlich eröffnet. Erstmals setzt sich die zur Bücherei umgebaute Telefonzelle mit einem speziellen Schwerpunktthema auseinander: Bezugnehmend auf die unmittelbare Nähe zum Deportations-Mahnmal Gleis 17, informieren zahlreiche Bücher die Besucher über die NS-Zeit.

Kostenlos unterhaltsame Bücher gegen eigenen Lesestoff eintauschen und sich gleichzeitig über die Zeit des Nationalsozialismus informieren – geht das? In der neuen BücherboXX in Wilmersdorf soll sich das neue Konzept bewähren. „In einer dreimonatigen Testphase haben wir uns mit einem Prototyp über das Interesse in der Bevölkerung und eventuelle Schwierigkeiten bei der Nutzung der neuen BücherboXX informiert“, so der Konrad Kutt, Initiator des Projektes. Darüber hinaus organisierten Auszubildende der AOK Berlin-Brandenburg eine Umfrage, in der Passanten ihre Gedanken und Wünsche zu dem gemeinnützigen Bildungs- und Kulturprojekt äußern konnten.

Ein berufsübergreifendes Ausbildungsprojekt mit Mehr-Wert

Auch in die Gestaltung der neuen Straßenbibliothek wurden Jugendliche aus verschiedenen Schulen und Ausbildungsbetrieben einbezogen. Gemeinsam mit dem Brandenburger Künstler Rainer Ehrt bauten die Schüler die Telefonzelle zu einem neuartigen Erinnerungsort um. „Das neue BücherboXX-Projekt ist von dreifachem Wert“, so Kutt, dessen Institut für Nachhaltigkeit in Bildung, Arbeit und Kultur mittlerweile BücherboXXen in zahlreichen Ländern Europas betreut. „Einerseits wurde ein altes Kulturgut, die Telefonzelle, zu einem neuartigen, kostenlos nutzbaren Objekt umgestaltet, das Menschen miteinander verbindet. Zum anderen informiert die Bibliothek ihre Besucher über die bis heute aktuellen politischen Themen Rassismus und Diskriminierung – und durch die Einbeziehung von Jugendlichen in das Projekt hatte die BoXX schon bei ihrer Entstehung einen nicht unerheblichen Lerneffekt zur Folge.“

Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus

In die Konzeption der neuen Bücherei am Gleis 17, dem Mahnmal für die Deportation zehntausender Berliner Juden ab 1941, wurde auch die Zeitzeugin Katharina Ehrlicher integriert. Sie schilderte den beteiligten Jugendlichen ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus der NS-Zeit und hinterließ damit laut Kutt „einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten“.

Am 17. November um 12 Uhr wird die neue nachhaltige BücherboXX, die nach dem Prinzip „Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch“ funktioniert und neben Sachbüchern zur Zeit des Nationalsozialismus auch vergnüglichen Lesestoff bereit stellt, in Anwesenheit von Bezirksstadtrat Klaus-Dieter Gröhler feierlich eingeweiht. Interessierte Besucher sind herzlich willkommen.

Weitere Infos unter buecherboxx.wordpress.com oder unter buecherboxx.com

Neue BücherboXX in Wilmersdorf, Am Bahnhof Grunewald, 14193 Berlin

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