Tempelhof
Neue Schiffsverbindung

Shopping-Fähre in Tempelhof

Shopping-Fähre in Tempelhof
Zu diesem Shoppingcenter am Tempelhofer Hafen bringt die Einkaufwütigen ab sofort eine kostenlose Fähre. Am 29.04.2009 wurde das "Einkaufszentrum Tempelhofer Hafen" eröffnet.
Eine neue Fähre verkehrt ab sofort in Tempelhof. Die Überfahrt ist kostenlos. Dennoch brauchen sich die etablierten Linien nicht vor der neuen Schiffsverbindung in Acht zu nehmen.

Vor dem Eingang des Partyzelts am Ufer spielt ein Mann Akkordeon, er trägt Halstuch und Schiffermütze. Das Magazin „Binnenschifffahrt“ ist auf den Stehtischen verteilt. Es werden Lachsschnitten gereicht, und auf der Mole läuft ein echter Kapitän mit vier goldenen Streifen auf den Schultern seines blendend weißen Hemds auf und ab. So eine Menge maritimen Flairs wie an diesem Mittwoch gab es am Tempelhofer Hafen im Schatten des großen Ullsteinhauses selten.

Fähre soll Standort stärken helfen

Die Eröffnung einer neuen Fährverbindung ist der Anlass. Von der Ost- zur Westmole führt die Linie mit einem extra gebauten Katamaranfloß. Das sollen die Bezirksstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) und die Manager des Einkaufszentrums Tempelhofer Hafen taufen, auf den Namen „Neue Liebe“. Die Flasche mit dem Prosecco ist härter als das Aluminium-Floß, deshalb schraubt Klotz den Flaschenverschluss auf und schüttet die Flüssigkeit aus.

Jetzt ist es Zeit für die Jungfernfahrt – und die Frage nach der Destination dieser Fährverbindung. Im direkten Sinne geht es um die Ost-Mole, die etwa 60 Meter entfernt ist und auf der die Beach Bar bald nicht mehr allein ist: Auf beiden Molen sollen laut dem Geschäftsführer des Hafens, Martin Merkel, ab Herbst neue Gastronomiegebäude errichtet werden, zudem eine Treppe zum Hafenbecken. Ein neuer Kleinpflasterweg, Informationsschilder zur Geschichte des Hafens mit den denkmalgeschützten Ladekränen von 1908 und eine Hafenbeleuchtung sind bereits fertig. Die kostenlose Fähre ist demnach Teil eines Komplettpakets, zur Stärkung des Standorts, wie man so sagt. Dem Standort kann es helfen, denn verglichen mit anderen Einkaufszentren dümpelt das am Tempelhofer Hafen vor sich hin – obwohl es die in der ganzen Stadt konkurrenzlose Wasserlage hat.

Der Kapitän ist echt

So kam Andreas Engelland zu seiner neuen Arbeit. Der Mann mit den vier goldenen Streifen sitzt am Floß-Steuer und startet eine große Runde durch das Hafenbecken. Frischer Wind bringt die farbenfrohen Wimpel am Floßdach zum Flattern, am Heck schnurrt der 8-PS-Außenbordmotor. Außer dem zur Gaststätte umfunktionierten Lastkahn „Alte Liebe“ und einem Fischbrötchenkutter liegen etwa zwei Dutzend private Motorboote im Hafen. „Herr Horst“ parkt neben „Insomnia“ und die liegt neben „Phönix II“. Hinter Engelland stellt die Stadträtin dem Center-Geschäftsführer leise eine Frage: „Ist das wirklich ein richtiger Kapitän?“ Merkel zeigt ein Nicken. Na sicher.

Früher sei er auf Fahrgastschiffen unterwegs gewesen, erzählt Engelland. In Zukunft wird er von Montag bis Samstag zwischen 11 und 19 Uhr lostuckern, wenn Kunden da sind und der Wind das quaderförmige Floß nicht allzu grob packt. Ab Stärke drei werde es schwierig, sagt er.

Damit hat die Hauptstadt beinahe ein Dutzend Fähren. Ganz vorne dabei sind die sechs Fähren der BVG, die zusammen 900.000 Passagiere pro Jahr befördern, und die privat betriebene Linie in Hakenfelde. Bei den von derselben Familie betriebenen Fährlinien zu den Inseln im Tegeler See ist die Angelegenheit kompliziert. Sie fahren derzeit nur am Wochenende und bis auf Widerruf, denn die Betreiber müssen nach eigener Auskunft draufzahlen. VBB-Tickets sind dort nicht gültig. Genauso ist es bei den Fähren zur Pfaueninsel und nach Lindwerder.

Bewegung und Spektakel auf anderen Berliner Fährlinien

Bei den drei Linien der BVG, die ganzjährig im Einsatz sind, liegt laut Auskunft des Unternehmenssprechers Klaus Wazlak die F10 (Wannsee – Kladow) vor der F11 (Baumschulenweg – Oberschöneweide) und der F12 (Grünau – Wendenschloss). Am wenigsten los sei auf der F24 (Rahnsdorf – Müggelheim). Deren Strecke über die nicht ganz 30 Meter breite Müggelspree ist zwar kürzer als jene zwischen der Tempelhofer Ost- und Westmole, doch dafür rudert der Käpt’n. An Sommerwochenenden wollen viele Fahrräder hinein- und herausgehievt werden. Das bleibt den Kapitänen der weiteren Sommerfähren F23 (Müggelspree) und F21 (Dahme) erspart.

Für die F23 hingegen müssen die Passagiere sportlich sein, denn steile Stufen führen auf die Boote. Wer derartige Mühen scheut, ist bekanntermaßen mit der Wannseefähre am besten dran. Deren Tour ist mit 20 Minuten die längste mögliche zum Standardpreis. Und gelegentlich auch äußerst spektakulär: Ende April versenkte die „MS Lichterfelde“ eine unliebsame Segeljolle.

Für derartige Duelle ist die „Neue Liebe“ nicht geeignet. Mit den drei Schaltern neben Engellands Steuerrad bedient er das Licht – damit ihn am Abend keiner umfährt.

Shopping-Fähre in Tempelhof, Tempelhofer Damm 227, 12099 Berlin

Weitere Artikel zum Thema Wohnen + Leben

Kultur + Events | Wohnen + Leben

Top 10: Berliner Nörgelthemen

Berliner jammern gern. Und weil das Wetter und die lieben Nachbarn einfach zu wenig hergeben, […]