Ein Schatz an jeder Ecke

Neue Straßenkarte für Neukölln

Neue Straßenkarte für Neukölln
Entdeckungen überall: Maggie Coker mit ihrer Schatzkarte Neukölln. Es erscheint bereits die vierte Auflage des liebevoll gestalteten Stadtplans, der auch Touristen helfen soll, sich im Kiez zu orientieren. Einen kleinen Sprachkurs gibt es gleich dazu. 
Maggie Coker war es leid, dass die Leute im Kiez sich kaum kannten. Und beim Discounter kauften. Also hat sie einen Stadtplan entworfen, um die kleinen Läden zu vernetzen - mit großen Erfolg.

Die Karl-Marx-Straße runter, dann rechts um die Ecke, etwa zwanzig Meter geradeaus – schon steht man vor dem nächsten Schatz. Dass es sich hierbei nicht um echtes Gold in einer großen Kiste handelt, stört nicht weiter. Denn dieser Schatz glänzt trotzdem. Es ist der Laden von Maggie Coker und Johanna Hagman in der Briesestraße 9 in Neukölln. „Rag And Bone Man“ heißt er und ist einer von vielen Kostbarkeiten auf einem ganz besonderen Stadtplan – der Neukölln Schatzkarte. Gemeinsam mit der Illustratorin Judith Carnaby hat Maggie Coker diese entwickelt, um damit den kleinen Orten ihres Kiezes mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Nach dem Motto „liebe deine Nachbarschaft und denke lokal“ sollen Neuköllner und Touristen den Kiez besser kennenlernen – und unterstützen. Am 14. Juli ist die Sommerausgabe der Schatzkarte erschienen, es ist bereits die vierte Auflage.

Berlin statt London

Coker steht vor ihrem Laden, lange braune, eingedrehte Haare, selbstbewusst, mit einem breiten Lächeln und knallrot geschminktem Mund. Das große quadratische Schaufenster hinter ihr offenbart bereits einen Blick auf das umfangreiche Potpourri. Momentan ist dies eine Ansammlung von Kleidung aus zweiter Hand, gläsernem Schmuck, getrockneten Blumensträußen und Lampen aus Beton. Seit vier Jahren mieten Coker und Hagman das Ladenlokal nun schon.

Die meisten Dinge, die sie hier verkaufen, wurden direkt in der Nachbarschaft produziert: „Wir müssen das Lokale wieder zu schätzen wissen und es fördern“, sagt Coker, die in London geboren wurde und hier Politikwissenschaft studiert hat, mit britischem Akzent. An Berlin liebt sie die offene Art, die menschliche Verbundenheit und dass viele Unternehmungen in ihrer Freizeit kostenlos sind. Dinge, die sie aus ihrer Heimat so nicht kennt. „In London ist so ziemlich jeder überarbeitet und in Eile“, sagt sie.

Was der eigene Kiez zu bieten hat

Coker zeigt mit ihrem Finger auf die Nummer 21 auf der Karte und läuft los. Nummer 21 ist der Vintage-Laden namens Calypt in der Boddinstraße 12. Während Coker läuft, grüßt sie nahezu jeden, dem sie auf der Straße begegnet. „Wir kennen uns inzwischen alle ziemlich gut“, sagt sie. Durch den Kontakt zu weiteren Ladenbesitzern im Kiez kam Coker dann auch die Idee zur Schatzkarte. „Nach und nach entstand ein richtiges Netzwerk“, sagt sie. Mir wurde bewusst, dass wir uns gegenseitig unterstützen müssen.

“Dabei geht es ihr nicht nur um die lokale Wirtschaft, sondern auch um Umweltschutz: Die Karte soll helfen, die Geschäfte und Cafés abseits der großen Ladenketten und Einkaufscenter zu finden. „Anstatt bei den großen, globalen Geschäften und Ladenketten das Geld auszugeben, sollte man doch erst mal gucken, was der eigene Kiez zu bieten hat“, sagt Coker, leicht außer Atem, während sie den nächsten Punkt auf der Schatzkarte ansteuert. Inzwischen sind mehr als vierzig Bars, Restaurants und Läden eingezeichnet.

Bunt gestaltete Schatzkarte

Damit der Stadtplan nicht sofort im nächsten Mülleimer landet, hatte die Illustratorin Judith Carnaby die Idee, ihn etwas bunter und aufwendiger zu gestalten: Neben den Straßen Neuköllns findet man kleine Nummern in unterschiedlichen Farben, die die verschiedenen Lokalitäten zeigen. Unterhalb des Stadtplans sind dann die Platten- und Buchläden, Bekleidungs- und Schmuckgeschäfte sowie Bars und Restaurants einzeln aufgelistet. Carnaby illustrierte außerdem kleine Marktstände, Fahrradfahrer oder den Flughafen Tempelhof, die zusammen mit einem Tipp als Inspiration dienen sollen. Ein kleiner Sprachkurs, bestehend aus ein paar deutschen und englischen Sätzen, soll Touristen außerdem die Hemmung vor der Kontaktaufnahme nehmen.

Seit es die Schatzkarte gibt, kommen schon ein paar mehr Gäste, sagt Coker. Doch viel wichtiger ist ihr das persönliche Wohl der Ladenbesitzer: „Es geht nicht nur um den Umsatz, sondern auch darum, Familie und Arbeit verbinden zu können“, sagt sie, während sie weiter zum Twinpigs in der Boddinstraße 57a läuft: die Bar mit der Nummer 37 auf der Schatzkarte. Sie bestellt sich einen Kaffee und setzt sich an den Tresen der Bar. Auch hier begrüßt Coker nahezu jeden, der hineintritt, man umarmt sich, wechselt einige Worte. „Das ist es, was ich meine und so schätze“, sagt Coker.

Gentrifizierung in Neukölln

Es ist ein Liebhaberprojekt, das Maggie Coker teilweise aus eigener Tasche finanziert. Zwar gibt es einige Sponsoren und die teilnehmenden Läden zahlen jeweils einen Beitrag, doch das reicht nicht immer. „Man spürt auch in Neukölln die Gentrifizierung. Große Firmen von außen bieten viel Geld und können uns dadurch vertreiben“, sagt sie. „Plötzlich sind die Mieten dreißig bis vierzig Prozent teurer. Einer von uns musste seinen Laden deshalb leider schließen. “Dennoch zeigt sich Coker zuversichtlich. Die Schatzkarte – für die sie inzwischen sogar eine Kommunikationsmanagerin hat – ist ein Erfolg.

Und was ist nun neu an der nächsten Ausgabe? Viel will sie noch nicht verraten, aber einen persönlichen Tipp hat Maggie Coker schon: „Das italienische Café Botanico in der Richardstraße 100 sollte man diesen Sommer unbedingt besuchen“, sagt sie. Dann zahlt sie ihren Kaffee, zeigt auf Nummer 9. „Da müssen Sie auch noch hin“, ruft sie und verschwindet hinter der nächsten Straßenecke.

Mehr als 40 Läden sind auf der Schatzkarte verzeichnet – nun erscheint der Sommerplan. Die Schatzkarte gibt es im Rag and Bone Man, Briesestraße 9, Neukölln, und in vielen anderen beteiligten Läden. Weitere Infos unter: neukoellnschatzkarte.com


Quelle: Der Tagesspiegel

Twinpigs, Boddinstraße 57A, 12053 Berlin
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