Neue Straßennamen in Pankow

Frauenviertel in Karow geplant

Frauenviertel in Karow geplant
Auf den Straßenschildern Berlins dominieren eindeutig die Männernamen.
Karow – Südöstlich der Blankenburger Chaussee liegen die Straßen 42  bis 69 – es wurde ihnen noch kein ausgeschriebener Name zugeordnet. Das soll sich so bald wie möglich ändern und dabei gleich die Gelegenheit genutzt werden, das Ungleichgewicht der Geschlechter im Stadtbild ein wenig zu mindern. Auf insgesamt 15 Schildern im Kiez werden dann Frauennamen stehen. Diesen Vorschlag hatte die SPD-Bezirksverordnete Sabine Röhrbein eingebracht und die Bezirksverordnetenversammlung hat bereits zugestimmt.

Für die Auswahl passender Persönlichkeiten kann bereits auf einen großen Pool an Vorschlägen zurückgegriffen werden. Die Arbeitsgruppe „SpurenSuche“ des ehrenamtlichen Frauenbeirats Pankow hatte sich schon der Aufgabe gewidmet, Portraits herausragender Frauen aus dem Bezirk zusammenzustellen und veröffentlichte zwei Bände zu ihrem Leben und Wirken. Im Jahr 2009 erinnerte zudem eine Wanderausstellung unter dem Titel „… der Zukunft ein Stück voraus – Pankower Pionierinnen in Politik und Wissenschaft“ an Vorreiterinnen, die mit sozialem Engagement und beispielhaftem Vorleben für eine gleichberechtigte Teilhabe der Geschlechter und eine gerechte inklusive Gesellschaft kämpften. Unter diesen Politikerinnen, Pädagoginnen, Frauenrechtlerinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen und auch Kinderbuchautorinnen, Schauspielerinnen und Dichterinnen wurden 21 dem Bezirksamt für das Viertel vorgeschlagen.

Berlinweite Vorschrift: Frauen berücksichtigen

Das Berliner Straßengesetz bestimmt in seinen Ausführungsvorschriften, dass bei der Benennung von Straßen mit Personennamen Frauen verstärkt Berücksichtigung finden sollen, außer wenn ein gesamtstädtisches Interesse an einem männlichen Namen besteht. Unter anderem die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat sich daher das klare Ziel gesetzt, auf den Schildern ein paritätisches Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu erreichen.

Das erste Frauenviertel Deutschlands wurde 1996 auf Anstoß der Neuköllner Frauenbeauftragten in Rudow eingerichtet. Auf den Rudower Feldern tragen alle 20 Straßen und Plätze die Namen von Frauen.

Straßen und Plätze werden übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert nach Personen benannt. Zu einer Zeit also, in der Frauen nicht nur der Zugang zu wichtigen öffentlichen Positionen verwehrt wurde, sondern sie auch sonst in der außerhäuslichen Sphäre wenig bis keine Anerkennung erfuhren. Das heißt allerdings nicht, dass sie keine wichtigen Beiträge in der Gesellschaft leisteten und für ehrbare Ziele eintraten. Die Einschreibung der Namen herausragender Frauen ins Stadtbild ist ein wichtiger Schritt für die Anerkennung dieser Frauen und Frauengeschichte.

Einige Kandidatinnen für das Karower Viertel:

Gertrud Hanna (1876 – 1944) wohnte vermutlich in der Berliner Straße 24. Sie war Gewerkschafterin, sozialdemokratische Politikerin, die einzige Frau in der Generalkommission der Gewerkschaften und Chefredakteurin der Zeitschrift „Gewerkschaftliche Frauenarbeit“. Sie setzte sich stets für das Recht der Frauen auf Erwerbstätigkeit ein und für die Verbesserung der Bedingungen der Frauen in der Arbeitswelt, etwa für den Mutterschutz und gleiche Löhne zwischen den Geschlechtern. 1933 wurde Hanna von den Nationalsozialisten „vorläufig außer Dienst gestellt“ und die gelernte Buchdruckerei-Hilfsarbeiterin musste sich mit Flickarbeiten den Lebensunterhalt verdienen, während sie unter ständiger Überwachung durch die Gestapo stand. 1944 nahm sie sich zusammen mit ihrer Schwester das Leben.

Änne Saefkow, geboren Thiebes (1902 – 1962) wohnte in der Trelleborgerstraße 26, wo heute eine Gedenktafel an sie erinnert. Sie war Mitglied der KPD und engagierte sich mit ihrem Ehemann Anton Saefkow im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. 1944 wurde sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück gebracht. Nach dem Krieg nahm Änne Saefkow verschiedene Positionen ein: Vorsitzende des Berliner Hauptvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, arbeitete beim Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR und saß ab 1958 mit dem Mandat der SED als Abgeordnete in der Volkskammer. Außerdem war sie einige Jahre stellvertretende Bürgermeisterin Pankows.

Schwester Anna Maria Tobis (1888- 1944) leitete von 1935 bis zu ihrem Tod die konfessionelle Geburtsklinik der Caritas „Maria Heimsuchung“ in der Breitestraße 46. Trotz hinderlicher Auflagen durch das Nazi-Regime gelang es ihr, die Klinik nicht nur weiterzuführen, sondern sogar zu erweitern. 1939 erhielt sie das päpstliche Verdienstkreuz „Pro ecclesia et pontifici“. Bei einem Luftangriff 1944 kam sie zusammen mit zwei Angestellten, drei Mitschwestern und drei Patientinnen ums Leben.

Frauenviertel in Karow geplant, Straße 42, 13125 Berlin

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