Cinema Night in der Entretempo Kitchen Gallery

Das Jahreszeitenmenü

Das Jahreszeitenmenü
Erster Gang der Cinema Night: Frühlingsrolle mit symbolischer Verpackungsschnur. Zur Foto-Galerie
Helmholtzkiez - Kunst und Essen bilden für Tainá Guedes eine Einheit. In der Entretempo Kitchen Gallery in Prenzlauer Berg versucht die gebürtige Brasilianerin davon auch die Besucher zu überzeugen. Aktuell mit einer neuen Supper Club-Serie, die inspiriert ist von Literatur, Film und Popkultur. Wir durften bei der ersten kulinarischen "Cinema Night" dabei sein. 
Drei in ultraviolettes Licht getauchte Steaks im Schaufenster sowie eine Installation aus Lebensmittelverpackungen im Inneren machen deutlich, worum es in der  Entretempo Kitchen Gallery geht: um Eat-Art – Kunst aus Essen oder Kunst über Essen. Doch an diesem Abend steht nicht Fleisch auf dem Speiseplan, sondern der Film „Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling“, zu dem ein vegetarisches Fünf-Gänge-Menü serviert wird. 
 
Zubereitet wird es von der Galerie-Inhaberin höchstpersönlich, die nicht nur Künstlerin, sondern auch ausgebildete Köchin ist. Bevor das Essen auf die hübsch eingedeckte Tafel kommt, erzählt Tainá Guedes, dass sie bereits mit 19 Jahren ihr erstes Restaurant in ihrer Heimatstadt Sao Paulo eröffnete. Nach neun Jahren „Sklaverei“ ließ sich die heute 37-Jährige mit japanischen Wurzeln an der Senac-Universität zur Küchenchefin ausbilden und reiste im Anschluss daran um die Welt. Das war auch die Zeit, in der sie sich intensiv mit „Shojin Ryori“ beschäftigte, mit der buddhistisch vegetarischen Küche Japans. 
 
Und genau diese Einflüsse sind es auch, die in der „Cinema Night“ zusammenfließen. Das fängt bereits bei der Auswahl des Films an. „Wir haben viel darüber diskutiert, welchen Film wir zeigen sollen“, so Tainá. Pulp Fiction hätte den meisten wahrscheinlich mehr (zu)gesagt, dennoch passte der Streifen von Kim Ki-Duk „Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling“ besser zu Tainá’s Kochstil und zur Philosophie der japanischen Küche: achtsam mit dem Essen umzugehen, aber auch die Harmonie zwischen Mensch und Natur zu respektieren. 
 

Im Wandel der Jahreszeiten

 
Den Anfang des Menüs macht eine Frühlingsrolle, die mit einem goldenen Band zusammengehalten wird, an dessen Ende ein kleiner Stein befestigt ist.  
Beim zweiten Gang, der den Sommer repräsentieren soll, geht es gefährlicher zu: Der süß eingelegte Schafskäse wird in Flammen stehend serviert. „Für mich passt dieses leichte, zitronig schmeckende Gericht am besten zum Sommer in Berlin“, erklärt Taina. Und zum Herbst? Pilze und Äpfel natürlich. Die werden nicht nur in deutschen Gefilden sondern auch in Japan zu dieser Jahreszeit gegessen. Im Zentrum des Gangs steht ein Stück gebratener Mochi, der traditionell mit einem Stück Algenpapier gegessen wird. „In Berlin gibt es einen einzigen Laden, in dem man diese Spezialität kaufen kann“, erzählt uns die Köchin. Und dass in Japan viele Menschen, vor allem ältere, daran ersticken, weil die Konsistenz so zäh ist. Davon lassen wir uns nicht abschrecken und genießen die klebrige Köstlichkeit. Ebenso den auf Crushed Ice servierten Salat und das fruchtige Dessert.
 
Alle Gänge sind eng mit den gezeigten Filmausschnitten verbunden bzw. greifen Teile daraus auf, sei es der Stein aus dem ersten Gang oder das Zeitungspapier und der Mochi aus dem dritten. Für uns war es eine ganz neue Erfahrung, auf diese Weise über den Inhalt eines Filmes zu reflektieren und sich Gedanken zum eben Gesehenen zu machen. Tainás Anekdoten und Ausführungen am Rande machen das Ganze zu einem ganz besonderen Ess-Erlebnis!
 
Neben den Supper Clubs finden in der Galerie regelmäßig Ausstellungen, Workshops und Tanzperformances aber auch Kochkurse für Kinder statt. Im Grunde geht es immer darum, die Menschen dafür zu sensibilisieren, achtsam und respektvoll mit Nahrungsmitteln umzugehen, und sei es „nur“ durch einen Filmabend. 

Foto Galerie

Entretempo Kitchen Gallery, Senefelderstraße 29, 10437 Berlin

Telefon 01514 1231505

Webseite öffnen


Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr

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