Wer behauptet, Berlin habe kein Talent für französisches Lebensgefühl, sollte einen Abend in der Théodor Brasserie verbringen. Wo einst das Mommseneck Berliner Gastronomiegeschichte schrieb, wird heute wieder gegessen, getrunken und gelacht. Schon nach wenigen Minuten hat man das Gefühl, dass dieser Ort schon immer hier war. An den Tischen wird angestoßen, aus dem Wintergarten dringt Stimmengewirr, während Kellner Weinflaschen und dampfende Teller durch den Gastraum balancieren. Nichts wirkt geschniegelt oder überinszeniert, sondern mit genau dem französischen Esprit, den man sich von einer guten Brasserie wünscht.
Qiez zu Google hinzufügenBesonders beeindruckend ist das Interieur: Rote Lederbänke, goldene Akzente, dunkles Holz, Bistrotische mit weißen Tischendecken und großzügige Fensterflächen verleihen dem Restaurant eine unaufgeregte Eleganz. Verantwortlich für die Gestaltung ist Szenenbildner Uli Hanisch, der klassische Brasserie-Elemente mit dezenten Art-Nouveau-Anklängen verbindet. So entsteht ein Raum, der zugleich vertraut und überraschend zeitlos wirkt. Der lichtdurchflutete Wintergarten gehört dabei zu den schönsten Bereichen des Restaurants.
Auch für Vegetarier ist die Théodor Brasserie der neue Place-to-be. Quelle: Théodor Brasserie/ Copyright: Marie StaggatAuch für Vegetarier ist die Théodor Brasserie der neue Place-to-be.
Quelle: Théodor Brasserie/ Copyright: Marie Staggat
Auf der Speisekarte stehen hauptsächlich französische Brasserie-Gerichte statt kulinarischer Experimente. Wir entscheiden uns heute für ein Drei-Gänge-Menü zum Teilen und stoßen mit einem Aperitif auf das bevorstehende Wochenende an. Der French 75 mit Gin, Zitrone und Champagner ist angenehm frisch, während der Yuzu Martini mit Yuzu-Sake, Noilly Prat und Lychee einen fruchtigeren Auftakt bietet. Der warme Ziegenkäse mit Rhabarber (16 Euro) bringt eine angenehme Leichtigkeit auf den Tisch, bevor die Bouillabaisse (24 Euro) folgt – mit Garnele, Thunfisch, Lachs und Heilbutt. Tief aromatisch und begleitet von Rouille und Baguette hat sie das Potenzial zum heimlichen Star des Abends zu werden.
Es folgt die geschmorte Lammhaxe (32 Euro), ein opulenter Teller, auf dem das Fleisch beinahe von selbst vom Knochen fällt. Dazu werden ein seidiges Kartoffelpüree und grüne Bohnen serviert. Außerdem lassen wir uns in Butter gebratene Seezunge (42 Euro), die direkt am Tisch filetiert wird, servieren. Dazu gibt es knusprige Pommes. Es wird schnell klar, dass gute Produkte oft nicht mehr brauchen als eine sorgfältige Zubereitung. Für einen Moment erscheint Charlottenburg erstaunlich nah an der Côte d’Azur zu sein.
Nicht nur von außen erinnert die Théodor Brasserie stark an die Paris… Quelle: Théodor Brasserie“ Copyright: Marie StaggatNicht nur von außen erinnert die Théodor Brasserie stark an die Paris… Quelle: Théodor Brasserie“ Copyright: Marie Staggat
Zum Dessert zeigt die Théodor Brasserie noch einmal, warum Klassiker oft die beste Wahl sind. Die Crème brûlée à la vanille (12 Euro) überzeugt mit einer hauchdünnen Karamellschicht und einer wunderbar cremigen Füllung. Wer es leichter mag, greift zum Sorbet du jour: Bei unserem Besuch stehen Cassis, Mango und Zitrone zur Auswahl. Auf Wunsch wird das Sorbet mit Crémant aufgegossen – eine sommerliche Kombination, die überraschend gut funktioniert.
Unser Fazit: Auf erfrischend neue Art ist das ehemalige Mommseneck wieder ein Ort, an dem man gerne länger bleibt als geplant: besonders im Sommer, wenn die Terrasse zum Hindemithplatz hin geöffnet ist und man bei einem letzten Glas Wein auf das Treiben rund um den Brunnen blickt.
Théodor Brasserie
Mommsenstraße 45
10629 Berlin
Webseite Théodor Brasserie






