Shakespeare Company Berlin

Knallig und modern: Die Zähmung der Widerspenstigen

Knallig und modern: Die Zähmung der Widerspenstigen
Miese Ärger-Spielchen unter den Schwestern Katharina (Katharina Kwaschik) und Bianca (Elisabeth Milarch). Zur Foto-Galerie
Priesterweg - Hip-Hop und Shakespeare, geht das? Ja, durchaus: In der Adaption des Klassikers "Die Zähmung der Widerspenstigen" mischt die Berliner Shakespeare Company Phänomene der Gegenwart mit den originalen Textbausteinen der englischen Komödie. Ab und an wird der Bogen für den schnellen Lacher ein wenig überspannt, im Ganzen überzeugt die Inszenierung aber durch tolle Schauspieler und geisitreiche Moderniserungen.

„Dogedong  dong, dogedong dong.“ Mit minimalen Mitteln werden hier große Illusionen erzeugt: Als das Stück beginnt, wird die requisitenarme Bühne zum Zugwaggon. Die akustische Untermalung der Reise und die Monotonie, mit der die Waggons über die Schiene holpern – „Dongedong dong“ – übernehmen die Schauspieler. Das typische Ruckeln während der Fahrt wird durch Ganzkörperzittern simuliert. Auch die Zeitlupenstürze bei plötzlichen Bremsmanövern sind spaßige Kleinigkeiten am Rande der Inszenierung.

Typisches Shakespeare-Hick-Hack

Aber von Vorn, die Geschichte des Shakespeare-Klassikers „Die Zähmung der Widerspenstigen“ ist – Verwirrspielen und Maskeraden sei Dank – nicht ganz so schnell erzählt. Wir versuchen es trotzdem: Das Wohlabende Schwesternpaar Bianca (Elisabeth Milarch) und Katharina Baptista (Katharina Kwaschik) soll endlich unter die Haube kommen – so will es auch deren Mutter (Vera Kreyer). Wo Shakespeare den Mann als Familienvorstand wählt, hat sich die Shakespeare Company für eine Frau entschieden. Aber weiter im Text: Der junge Luciento (Oliver Rickenbacher) wirbt um Biancas Gunst. Geheiratet werden kann aber erst, wenn er sich gegen Mitkonkurrent Hortensio (Erik Studte) durchsetzt. Die wichtigste Vorbedingung ist allerdings, dass vor der Hochzeit der kleinen Schwester erst einmal die vorlaut-widerspenstige Katharina an den Mann gebracht werden muss. Da fügt es sich vorzüglich, dass der Lebemann Petrucchio (Stefan Plepp) auf der Suche nach einer reichen Partie ist. Beste Voraussetzungen also für ein Shakespeare-typisches Hick und Hack.

Wirkte die Inszenierung zuerst noch so, als sei es ein Stück, bei dem man am besten an den richtigen Stellen lacht, wird schnell klar, dass Theater-Snobs hier falsch aufgehoben sind. Klar, ein, zwei solcher Leute sitzen immer im Publikum, „Haha!“ plärrt es bei einem versteckten Liebermann-Zitat aus der ersten Reihe. Generell fällt allerdings auf, das die Zuschauer bunt gemischt sind: Ältere Ehepaare haben sich genauso an der Freilichtbühne eingefunden wie junge Pärchen.

Wohldosierte Musikeinlagen

Schon nach wenigen Minuten rappt Freigeist Katharina über Selbstbestimmung und „Heads on a Plate“. Neben dieser gibt es weitere Musikeinlagen – ein, zwei Mal am Rande des „too much“, im Grunde aber wohldosiert.

Und am Ende? Da wird alles gut. Zwischendurch darf man sich über das pointierte und mimisch faszinierende Schauspiel freuen. Elisabeth Milarch schneidet als Bianca faszinierende Grimassen, Vera Kreyer als Mutter Baptista lässt mehr als einmal ausdrucksstark die Augen Rollen. Wer nix gegen Shakespeare-Figuren hat, die Miso-Suppe essen und den Herrn der Ringe zitieren, der ist hier genau richtig aufgehoben. Und keine Angst: Ultra plump kommt die Modernisierung nicht daher, präzise Wortgefechte bleiben im Original erhalten. Daumen hoch für einen unprätentiösen Theaterabend unter freiem Himmel.

Zwischen dem 5. und 9. August kann man die Inszenierung an jedem Abend noch einmal sehen. Weitere Informationen zu diesem Stück und allen anderen Inszenierungen gibt es hier.

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