• Dienstag, 10. Januar 2012

Gutshof Britz

Restaurant mit Sternekoch, aber ohne Sterneküche

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  • Buchholz Gutshof Britz
    Der Garten zum Restaurant, das Sternekoch Matthias Buchholz seit August 2011 mit gehobener Landhausküche betreibt. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich
  • Buchholz Gutshof Britz
    Der ehemalige Kuhstall wurde aufwendig restauriert. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich

Im Gutshof Britz ist ein Sternekoch am Werk. Als er hier anfing, verkündete er, er werde von nun an bodenständiger kochen. Die Frage muss erlaubt sein, ob er da nicht übers Ziel hinausschießt.

Kann ein Sternekoch diesen seinen Status eigentlich für immer behalten? Es sind nur ein paar in der Branche, die ihren Ruf durch grandios schlechte Werbung und taube Sprüche dauerbelasten können und nichtsdestotrotz als Große gelten; Sie wissen, von wem die Rede ist, oder? Im Prinzip gilt aber doch: Wo ein guter Name draufsteht, muss auch etwas Gutes drin sein.

Das bedeutet nicht, dass jemand wie Matthias Buchholz, der in der Vergangenheit für 18 Gault-Millau-Punkte und einen Stern gekocht hat, damit nun fortfahren muss, bis er aus der Küche getragen wird. Folgerichtig hat Buchholz eine Auszeit genommen. Anschließend teilte er zum Amtsantritt im Gutshof Britz mit, er werde von nun an nichts anderes mehr als bodenständige Landhausküche fabrizieren, ohne, so wörtlich, karierte Maiglöckchen und Teller-Ikebana.

Die Karte könnte größer sein

So weit, so gut. Allerdings steht draußen sein Name auf dem Schild, und diese Tatsache verbietet ihm den Weg in die Mittelmäßigkeit, welches Konzept auch immer er verfolgen mag. Leider funktioniert das im Moment noch gar nicht. Die Gourmet-Menüs (?), die es hier gibt, kommen routinemäßig und gesichtslos daher.

Die Einrichtung des kleinen Raumes hat eine behagliche Wirkung und lässt Gutes erwarten. Dann, als die Karte kommt, die erste Enttäuschung: Gerade einmal sieben unterschiedliche Gerichte werden geboten, untergebracht in zwei Menüs. Keine vegetarische Speise, absolut nichts, was man mit Interesse bestellen würde, weil es einen persönlichen oder anderweitig originellen Klang hat.

Kalte Baukastenküche

Gerade einmal zwei offene Weine und 13 Flaschenweine befinden sich auf der Weinkarte, darunter nichts besonders Verlockendes. Jedes Landgasthaus bietet mehr. Deutliche Zeichen setzen auch die übrigen Indizien: Ein wenig Brot mit Paprikacreme, kein Amuse gueule, der Wein im Edelstahlkühler ohne Eis, das Wasser gänzlich ungekühlt.

Dann werden die Lachsvariationen mit Meerrettich und roten Beten gebracht. „Und hier“, holt der Kellner aus, „haben wir das Tatar ...“ Plötzlich hält er inne, stellt fest, dass da heute gar kein Tatar ist. Dann muss es eben ohne gehen. Nur mit den zwei aufgerollten Scheiben Beizlachs von zweitklassiger Qualität, die nicht von der grauen Schicht unter der Haut befreit sind, mit einem Stück fester Meerrettichterrine und einigen Rote-Bete-Würfeln. Das wäre dann wohl kalte Baukastenküche (14 Euro). Gut gelungen hingegen ist das ordentlich saftig gegarte Doradenfilet, das von einer Jakobsmuschel in einer Currysauce ergänzt und von einem nicht zu identifizierenden, kohlartigen Gemüse begleitet wird (18 Euro, Menüs 38/64 Euro).

Mehr Enthusiasmus, bitte!

Auch kein Renner: die Gänsekeule mit Rot- und Grünkohl nebst einem Kartoffelknödel, durchweg ein bisschen zu intensiv gewürzt, insgesamt von normaler Gasthausqualität. (18 Euro). Dasselbe gilt für die rosafarben gebratene Rehkeule mit – ein Seufzer lässt sich nicht unterdrücken – Preiselbeerbirne, Wirsing und gebratenem Serviettenknödel (28 Euro). Die zwei Desserts lassen sich gut vorbereiten: Die Grießflammeri mit Rotweinbirne sind mit undeutlichem Eis und Schokoschaum aufgehübscht, der Gewürzkaffeeschaum sitzt auf exotischen Früchten mitsamt Orangenkern (8,50 Euro). Äußerst selbstverliebter Service.

Unterm Strich: So wird das nichts. Eigentlich haben die Leute, die hier am Werk sind, etwas drauf. Aber anstatt das nun mit Enthusiasmus zu zeigen, schlagen sie mit Kochen die Zeit tot. So etwas kann nicht funktionieren, weder in einem Gourmet-Restaurant noch in einer Würstchenbude – und mit Sicherheit nicht, wenn draußen „Buchholz“ draufsteht. Es gibt noch etwas zwischen Gourmetküche und Langweileressen. Momentan aber nicht hier.

Buchholz Gutshof Britz

Alt-Britz 81
12359 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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