• Freitag, 20. Juli 2012

Berliner Band: DLC Südsound

Asphalt, Salsa und Van Halen

  • DLC Südsound sitzt im Fenster
    Einige Mitglieder des DLC Südsound machen es sich im Fenster eines Neuköllner Cafés bequem. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

Die Berliner Band DLC Südsound bringt nicht nur eine künstlerische Gruppe mit internationalen Wurzeln zusammen. Auch die Musik der achtköpfigen Truppe lebt von unerwarteten Symbiosen.

Südliche Klänge. Salsa. Da projiziert das Hirn sofort Bilder herbei: Sonne, Strand und Palmen. Darunter kreisen Latino-Tänzerinnen mit den Hüften. Die Realität des verregneten Sommertags vor einem Neuköllner Café beschwört kaum gedanklich heiße Rhythmen herauf. Im Fensterplatz hat Simón Cabezas Platz genommen. Er spielt Gitarre für die Band DLC Südsound aus Berlin. Auf den ersten Blick würde er nicht an Latinomusik erinnern. "Ich höre gerne Suicidal Tendencies oder Primus", sagt der 34-jährige, "ich mag eher rockige Sachen."

DLC Südsound sehen sich als "Berliner Salsa"-Band. Trotzdem hört man von ihnen Hip-Hop ebenso wie Rock’n’Roll, Jazz genauso wie Latin. "Wenn Salsa das Fundament unserer Musik ist", meint Cabezas, "dann steht darauf aber noch ein Gebäude aus Funk und Soul und Rock." Die Band läutet am morgigen Samstag im Haus der Kulturen der Welt das Wassermusik-Festival ein. Die acht Mitglieder sind eine internationale Truppe: Sie stammen aus Kolumbien, Kuba, Luxemburg, Schweden, Italien und Deutschland. Ein Großteil von ihnen ist inzwischen nach Neukölln gezogen.

"Ich erzähl’s dir später"

Das sogenannte Kreuzkölln, wie es sich heute darstellt, könnte schwerlich besser repräsentiert werden als durch DLC Südsound (die Buchstaben "DLC" im Bandnamen sind übrigens die Abkürzung für "después le cuento" und heißen zu Deutsch so viel wie "Ich erzähl’s dir später"). Der Berliner Asphalt dient da genauso als Basis wie die Favelas von Bogotá, die Straßen von Santa Clara in Kuba klingen genauso hervor wie die Inseln rund um Stockholm. Entspannte Konga-Rhythmen durchdringen den Sound. Keyboard und Bläser geben den Ton an. Scratching, Rap-Einlagen oder ein fieses, schmieriges Gitarrensolo setzen dem Klang die Krone auf.

DLC Südsound lebt kulturelle Vielfalt. Die Songs kommen dabei auf Spanisch und Deutsch daher. "Man hört bei unserem Deutsch ganz gut die verschiedenen Akzente", sagt der Gitarrist, "ich finde das gut, weil Deutsch ohnehin eine Sprache mit so vielen Akzenten ist."

2008 kam Cabezas nach Berlin. Nach drei Jahren in Heidelberg musste er feststellen, dass es mit der Musik nicht recht voranging. "Da habe ich alles auf eine Karte gesetzt und bin nach Berlin gegangen", erzählt er. "Eigentlich bin ich Rechtsanwalt, aber mir hat es nicht mehr gereicht, die Musik nur nebenbei zu machen."

Salsa, Gitarrenriffs und Motown

Berlin war der richtige Ort für eine professionelle Karriere. Der Gitarrist traf auf den Keyboarder und Komponisten Cesar Diaz. Beide kommen ursprünglich aus Bogotá. Sie fingen an, sich auszuprobieren. Beide hatten ein Ziel vor Augen: Auf keinen Fall traditionellen Salsa, sondern ein Ohr für alle Einflüsse. "Natürlich kommt da die ganze Musik durch, die wir von klein auf gehört haben, ob Miles Davis oder Rubén Blades", sagt Cabezas, "aber unserem Sound sollte man auch das Berlin des Hier und Jetzt anhören."

So stellten Cabezas und Diaz eine Band um sich zusammen, die möglichst viele Einflüsse einbringen sollte. Cabezas steuerte Raps bei, die er über Latino-Stücke legte. Durch Diaz floss Jazz mit ein. Sänger Felo Martinez und Bassist Alberto Sauri lieferten eine kubanische Komponente. "Und dann haben wir zum Glück auch noch unsere drei Europäer", erzählt Cabezas, "die haben nochmal straightere Klänge hineingebracht." Verzerrte Gitarrenriffs à la Van Halen erwartet man beim Salsa vermutlich nicht – bei der Berliner Band zeichnen sie sich in den Tiefen ab. Und beim nächsten Stück hört man dann einen Motown- oder R&B-Einschlag heraus.

Südliche Klänge mit sozialpolitischem Anspruch

Mittlerweile existiert DLC Südsound seit drei Jahren. Vor nicht allzu langer Zeit brachten sie eine EP auf den Markt, ein Longplayer soll folgen. In Berlin hört man sie gerne in Clubs wie dem Quasimodo oder dem b-flat. Nun, so Cabezas, wäre eine ausgedehnte Tour das Richtige.

Der klassische Salsa inspiriert DLC Südsound zumindest thematisch: Der sozialpolitische Anspruch zeigt sich durch ihre Arbeit. "Uns ist es wichtig, in unseren Texten die Situation der Ausländer hier in Deutschland zu thematisieren", sagt Cabezas. So textet er kritisch über Aufenthaltserlaubnis oder Duldungsstatus. Ein Song etwa prangert die 2008 beschlossene EU-Rückführungsrichtlinie als unmenschlich an. "In diesem Fall ist das Asylrecht der EU für meine Begriffe viel zu hart", sagt Cabezas.

Für den Rechtsanwalt sind solche Themen bekannte Größen. "Einige Texte schreibe ich aus meinen Erfahrungen als Jurist heraus", erzählt er. Er könnte auch heute noch in Kolumbien leben, in einer namhaften Kanzlei praktizieren und gut verdienen. "Aber ich wollte den Wunsch verwirklichen, Profimusiker zu werden." Seinen Lebensunterhalt kann Cabezas derzeit noch nicht von der Musik bestreiten, er muss nebenher arbeiten. Seine Familie in Lateinamerika wäre froh, wenn er wieder in Bogotá wäre, über eine eigene Kanzlei würden sich die traditionellen Familienmitglieder freuen. Vielleicht könnte eine Einladung zu einer Session des DLC Südsound deren Gemüter umstimmen.

Mehr über Musiker in Neukölln lesen Sie hier:

Ein offenes System

Haus der Kulturen der Welt

John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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