• Freitag, 13. Juni 2014

Columbiabad Neukölln

Anarchie am Sprungturm

  • Sprungturm
    Freie Bahn?! Beim Sprung ins Wasser können brenzlige Situationen entstehen. Foto: externe Quelle - ©picture alliance

Aggressive Flashmobs in Freibädern sind keine Seltenheit mehr. Die Bäderbetriebe suchen nach einem Ausweg. Die Gewerkschaft beklagt Personalmangel.

Sie verabredeten sich zum "Sturm auf den Sprungturm", eine Form von Flashmob, vermutet der Sprecher der Berliner Bäderbetriebe, Matthias Oloew. Der Sprungturm ist die Gefahrenzone eines Bades, mit erhöhtem Verletzungsrisiko, wenn Regeln missachtet werden. "Wenn Leute durcheinander springen, kann das bei einer Querschnittslähmung enden", sagt Oloew.

An drei Tagen hintereinander rief der Leiter des Neuköllner Columbiabades die Polizei, um den besetzten Turm räumen zu lassen, damit war der Badebetrieb insgesamt beendet. Einen ähnlichen Fall gab es 2013 im Sommerbad Pankow. Als Konsequenz durften nur noch Familien hinein, was viel Protest auslöste und bald wieder aufgehoben wurde.

5000 Besucher kommen an heißen Tagen

Diesmal hielten rund 20 bis 40 Jugendliche "mit Migrationshintergrund" den Sprungturm besetzt, passiv unterstützt von einer größeren Zuschauermenge. Die Sicherheitskräfte und das Badpersonal riefen die Polizei zu Hilfe. "Sie haben genau das Richtige getan", erklärte Oloew. An den heißen Pfingsttagen war das Bad mit rund 5000 Besuchern gut gefüllt, auch in anderen Bädern gab es wie berichtet großes Gedränge.

18 bis 24 externe Sicherheitsleute und ebenso viele Schwimmmeister und Kassierer halten sich normalerweise im Bad auf, sagte Oloew. Künftig sollen auch wieder Konfliktlotsen eingesetzt werden, die befänden sich derzeit noch in der Ausbildung. Das Konfliktlotsen-Projekt "Cool am Pool" gibt es seit 2011.

Vorschlag: Personalisierte Eintrittskarten

Als direkte Konsequenz aus dem Vorfall sollen die Sicherheitsleute künftig schon vor dem Bad Präsenz zeigen. Über weitere Maßnahmen sei man im Gespräch mit der Polizei. Den Vorschlag aus der Tagesspiegel-Community, personalisierte Eintrittskarten mit Lichtbild auszustellen, um Hausverbote besser durchsetzen zu können, wies Oloew als zu kompliziert zurück. "Dann werden die Schlangen vor den Kassen noch länger."

Die Gewerkschaft Verdi erklärte, die Polizeieinsätze seien auch "Ergebnis eines eklatanten Personalmangels". Die Bäderbetriebe würden den alten "Sommerbad-Tarifvertrag" nicht mehr anwenden, sagte Verdi-Bereichsleiter Werner Roepke, deswegen komme es gerade an Wochenenden und Feiertagen zu Engpässen. Der alte Tarifvertrag habe den Mitarbeitern eine pauschale Zulage gewährt, wenn sie bereit waren, an sonnigen Wochenenden länger zu arbeiten.

"Bäderbetriebe stehen kurz vor der Insolvenz"

Die Bäderbetriebe bestreiten einen Zusammenhang zwischen Polizeieinsätzen und Personalmangel. An den Pfingsttagen sei Personal aus den Hallenbädern abgezogen worden, um Lücken in den Sommerbädern zu schließen. Die Öffnungszeiten der Hallenbäder zu reduzieren, entspreche zwar nicht den eigenen Vorgaben, sei aber wegen der angespannten Finanzsituation notwendig geworden. Im Frühjahr wurden drei Bäder nach Sanierung wieder geöffnet, dafür müssten eigentlich 60 neue Stellen ausgeschrieben werden, aber es fehle am Geld, sagte Oloew. "Die Bäderbetriebe stehen immer kurz vor der Insolvenz."

Der "Sommerbad-Tarifvertrag" stamme aus den 60er Jahren und sei wegen pauschaler Zulagen von 33 Prozent auf das normale Monatsgehalt vom Landesrechnungshof gerügt worden, sagte Oloew. Gezahlt wurde nämlich auch, wenn wegen schlechten Wetters keine Mehrarbeit anfiel. Hensing wolle künftig nach dem Tarifmodell für den Öffentlichen Dienst Mehrarbeit nur dann bezahlen, wenn sie konkret anfällt. Das lehnt Verdi ab.

Gerüchte, dass wegen Personalmangels und aggressiver Gäste bestimmte Attraktionen wie Sprungturm oder Rutsche künftig komplett gesperrt werden könnten, wies Oloew zurück.

Sommerbad Neukölln

Columbiadamm 160
10965 Berlin

Zum Eintrag

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Kultur & Events"

Gewinnspiele

4 x 2 Tickets für den 90erOlymp in Berlin und Eisenach

4 x 2 Tickets für den 90erOlymp in Berlin und Eisenach

Tanze ausgelassen zu den Hits der 90er – feiere zu den Vengaboys, Rednex, … mehr Reinickendorf

Kriminaltheater

Verbrecherischer Abend in Friedrichshain

Verbrecherischer Abend in Friedrichshain

Gerlinde Jänicke ist Moderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ … mehr Friedrichshain

Kultur & Events

Die Highlights des Gallery Weekend 2018

Die Highlights des Gallery Weekend 2018

Das 14. Gallery Weekend eröffnet vom 27. bis zum 29. April 2018 erneut … mehr Berlin

Events

Wandelism geht in die zweite Runde

Wandelism geht in die zweite Runde

Die Street-Art-Künstler von Wandelism wollen es nochmal wissen und … mehr Wilmersdorf

Kultur & Events

Diese Konzerte 2018 solltest du nicht verpassen

Diese Konzerte 2018 solltest du nicht verpassen

Von Lana Del Rey über Tocotronic bis zu Jack Johnson: Es wird Zeit, dir … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Top 10: Partys für Erwachsene

Top 10: Partys für Erwachsene

Für alle, die beim Tanzen nicht von der hormonbeladenen Jugend schräg … mehr Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen