• Freitag, 21. Februar 2014
  • von Katarina Wagner

Tauschladen "Jacke wie Hose"

Getauschte Freude ist doppelte Freude

  • Tauschladen Jacke wie Hose
    Immer rein in die gute Stube - Tauschen ist Trend. Foto: QIEZ - ©Wagner

Sonnenallee - Hier wird nichts weggeworfen! Höchstens vielleicht mal Fadenreste. Im Tauschladen "Jacke wie Hose" des Neuköllner Kulturlabors "Trial & Error" können nicht nur Kleidungsstücke abgegeben und getauscht werden, das Team hilft sogar beim Flicken oder Verschönern alter Teile. Und das, was niemand mehr tragen möchte, wird zu Neuem weiterverarbeitet.

Es ist Donnerstag, 19 Uhr. Noch eine Stunde lang wird in der Mareschstraße, Neukölln, getauscht und geplauscht. In der Hausnummer 10 geht es durch eine immer mal wieder klemmende Tür in den etwa 15 Quadratmeter großen Ladenraum. An den Wänden bröckeln Farbe und Putz langsam ab, die Ständer sind vollgehängt, hier und da häuft sich noch nicht einsortierte Kleidung, aus einer kleinen Box in der Näh-Ecke spielt Musik und es wird auf Italienisch, Englisch und Deutsch geredet. Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre, niemand möchte den "KundInnen" hier etwas aufdrängen, niemand muss nach dem Blick auf ein Preisschild das gute Stück wieder zurückhängen. Beim Verlassen des Ladens wird nochmal ein freundliches Danke ausgetauscht – für die mitgebrachte oder mitgenommene Kleidung, den Besuch und die kleine Spende.

Auch das notwendige Know-How wird ausgetauscht

Der Tauschladen in der Mareschstraße

Wenn Menschen von der kreativen, nach alternativen Gemeinschafts- und Wirtschaftsmodellen strebenden Berliner Szene schwärmen, meinen sie wohl auch Läden wie diesen. Der Tauschladen "Jacke wie Hose" gehört zu dem Kulturlabor Trial & Error e.V., einem Kollektiv aus HandarbeiterInnen, DesignerInnen, KünstlerInnen und anderen Menschen, deren Herz für Kreativität und Nachhaltigkeit schlägt. Sie veranstalten Workshops zu Do-It-Yourself Projekten von Stempelherstellung über Einführungen in die Kreativwelt mit Papier und das Bücherbinden bis hin zum Upcycling aller Art. Bei Letzterem werden nach den Prinzipien "vom Müll zum Design" und "das zweite Leben meiner alten Kleidung" Materialien und Reste verarbeitet, die sonst häufig im Abfall landen.

Im Vordergrund steht dabei immer, mit Materialien ressourcenschonend umzugehen und nichts wegzuwerfen, was wieder in den Kreislauf, in die alltägliche Nutzung, rückgeführt werden kann. Wie wäre es zum Beispiel mit einem neuen Schlüpfer aus einem alten T-Shirt oder einer Küchenschürze aus ausgedienten Bettlaken? Und wenn der Näheifer erst mal geweckt ist, warum nicht auch das Nadelkissen aus alten Stoffresten selbst herstellen? Die Kurse finden nicht nur im Tauschladen statt, der sich übrigens in zwei Räumen einer Wohngemeinschaft befindet und dadurch zusätzliche Mietzahlungen erspart, sondern die "T-Errorists", wie sie sich nennen, geben auch Workshops, bauen Stände bei Garten- oder Straßenfesten auf und bringen Kindern bei Schulprojekttagen in interdisziplinärer und interaktiver Gruppenarbeit Umweltbewusstsein näher.

Jeder ist willkommen und Fehlermachen erlaubt

Alle Kurse sind für Interessierte jeder Kenntnisstufe offen – es ist erlaubt, auf dem Weg zur Lösung auch mal Fehler zu machen und neu anzufangen - Trial & Error, also Versuch und Irrtum, besagt ja schon der Name. Das Team steht immer beratend zu Seite, auch donnerstags, wenn von 15 bis 20 Uhr getauscht und ausprobiert wird. Da ist zum Beispiel Maayan aus Israel, die erst mit einem Stoffhasen beschäftigt auf dem Sessel sitzt und dann eine angehende Upcyclerin an der verfügbaren Nähmaschine bei ihrem Vorhaben berät. Maayan selbst ist vor etwa vier Monaten zufällig an dem Laden vorbeigelaufen. Er war zwar gerade geschlossen, aber sie schaute hinein und dachte sofort: "Was auch immer das ist, ich will Teil davon sein." Als sie zum zweiten Mal vorbeischaute, wurde sie schon herzlich willkommen geheißen und mittlerweile arbeitet sie bei den Upcycling-Workshops mit. Selene aus der Schweiz, die ebenfalls ehrenamtlich im Laden hilft, ist im Oktober mit ihrem Freund nach Berlin gekommen und hat von ihrem Deutschlehrer von dem Projekt erfahren.

Das Kollektiv ist für alle offen und freut sich immer über Neuzugänge, betonen beide. In den Laden kommen außerdem oft FreundInnen, NachbarInnen und viele UnterstützerInnen, die Materialien oder auch mal einen Kaffee und Leckereien mitbringen. So wird in der Neuköllner Gemeinschaft die konsumkritische Utopie gelebt, bedürfnis- statt profitorientiert gehandelt, geteilt und getauscht. Und alle, die immer noch behaupten, der Mensch sei "von Natur aus" egoistisch und auf den eigenen materiellen Vorteil bedacht, werden eines Besseren belehrt.

Der Tauschladen "Jacke wie Hose" ist jeden Donnerstag von 15:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Jeden zweiten Samstag im Monat findet außerdem ein Baby-Kleider-Tausch von 14:00 bis 18:00 statt. Mehr Infos zum Laden und zum Kulturlabor Trial & Error gibt es hier.

Tauschladen "Jacke wie Hose"

Mareschstraße 10
12055 Berlin

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Quelle: QIEZ
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