• Montag, 02. Februar 2015
  • von Julia Wernicke

Pop-up-Store für Outdoor-Sport

Sportliche Hilfe für Menschen in Not

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  • Mount Fair
    Schlicht, einfach, gut: die Low-Budget-Einrichtung im Store. Foto: QIEZ - ©Wernicke
  • Mount Fair
    Ein Teil des Teams: Daniel, Sven, Nina und Sebastian (v.l.) haben die NGO Phoenix e.V. gegründet, die sie mit fairen Sportartikeln finanzieren wollen. Foto: QIEZ - ©Wernicke
  • Mount Fair
    Diese Europaletten und Kanister-Lampen machen was her. Foto: QIEZ - ©Wernicke
  • Mount Fair
    Auch Taschen von Goroya werden im Mount Fair verkauft. Im Hintergrund: Blick in Lager und Werkstatt. Foto: QIEZ - ©Wernicke

Richardkiez - Fair, nachhaltig, ökologisch, sozial, Outdoor-Sport? Im Pop-Up Store "Mount Fair" in Neukölln geht das alles wunderbar zusammen. An der Wand hängen Klamotten zum Wandern, Longboards aus Holz und Taschen, die mal Zementsäcke waren. Initiiert wurde der Laden von PHNX e.V., einer Organisation, die sonst Projekte für humanitäre Hilfe stemmt. Wozu auch noch die Sportartikel her mussten, hat uns Mitbegründer Sebastian Jünemann erklärt.

"Im Mount Fair laufen eigentlich zwei Herzensangelegenheiten zusammen", sagt Sebastian Jünemann von Phoenix e.V. (PHNX). Ihn und seine Kollegen verbinden zwei Dinge: ihr Engagement im humanitären Bereich und die Leidenschaft für Outdoor-Sport. So weit entfernt voneinander ist das auch für andere Trekking-, Kletter- und Surf-Liebhaber nicht, findet Sebastian.

"Wie kann ich Freiheit und Leichtigkeit abfeiern, die Natur genießen und dabei 'ne Hose anhaben, die die Natur kaputt macht?", fragt er. Darum gibt es im Mount Fair ausschließlich Sportartikel, bei denen eine ökologische und faire Produktion im Mittelpunkt steht - als Alternative zu dem ganzen hochfinanzierten Red Bull-Sport, wie Sebastian betont.

"Gute Sachen für die gute Sache"

Leicht zu übersehen: Eingang zum Laden. Leicht zu übersehen: Eingang zum Laden.
Den Laden gibt es bald online und noch für kurze Zeit in Neukölln. Klar, da zahlt man schon mal 300 Euro für eine Jacke. Die wurde dafür ausschließlich in Europa produziert und vom Erlös bleiben 120 Euro übrig, die in gemeinnützige Projekte gesteckt werden können. Genau dieser Gewinn ist die Verbindung zu dem Berliner Hilfsprojekt PHNX, das die Shop-Inhaber hauptsächlich betreiben.

Die Gründung von PHNX sei eine Reaktion auf schlechte Erfahrungen mit NGO's, also Nicht-Regierungs-Organisationen, gewesen, erklärt uns Sebastian. Er ist oft als Mediziner in der Katastrophenhilfe unterwegs, hat für verschiedene Projekte gearbeitet und auch ihre Probleme kennengelernt. Häufig fehle Hilfsorganisationen der Nachhaltigkeitsgedanke, außerdem litten sie oft unter Existenzdruck und müssten 20 bis 30 Prozent ihrer Spenden in den Erhalt der Organisation selbst investieren. Die Vorstellung, 100 Prozent der Spenden tatsächlich in Hilfsprojekte fließen zu lassen, hat Sebastian und seine Kollegen zum Handeln bewegt. Herausgekommen ist PHNX. Die Organisation finanziert sich über Crowdfunding und den Gewinn im Mount Fair.

Geholfen wird in Rojava

In der kurdischen Region Rojava in Nordsyrien liegt auch Kobane, das aufgrund der Kämpfe zwischen Kurden und dem Islamischen Staat (IS) immer wieder in den Nachrichten auftauchte. Flüchtlinge aus dem Sinja-Gebirge haben im Sommer 2014 in dem Gebiet Zuflucht gefunden. Trotzdem: "Die Region wird von der internationalen Gemeinschaft links liegen gelassen", bringt Sebastian den Mangel an Hilfsprojekten in der brachliegenden Region auf den Punkt.

Weil es sonst kaum jemand tut, engagiert sich PHNX für eine medizinische Versorgung in Rojava. Längerfristig will die Organisation helfen, medizinische Strukturen aufzubauen, später auch die Verbesserung der Trinkwasserversorgung vor Ort in Angriff nehmen.

Leben nah am Pop-up Store

Die humanitäre Hilfe und der Betrieb des Shops bedeuten für die Beteiligten oft einen 18-Stunden-Tag. Direkt an den Store schließen sich Lager und Werkstatt an - und zum Teil auch das Zuhause der Mitwirkenden. "Ich wohne gerade hinter der Werkstatt im LKW", lacht Sebastian.

Die Neuköllner Richardstraße in Rixdorf

An den mit minimalem finanziellen Aufwand gestalteten Laden kommen nur wenige seiner Nachbarn im Kaufrausch vorbei. Allerdings informierten sich die Bewohner aus dem Richardkiez oft darüber, was jetzt in diesem Haus passiere, das lange Zeit leerstand - und sind enttäuscht, dass der Laden schon bald wieder schließt.

Im April schon muss sich Mount Fair einen neuen Shop suchen, dann bauen die Projektentwickler von Glockenweiß die jetzige Bleibe um. Weil sie soziales Engagement im Kiez befürworten, haben sie PHNX das Gebäude bis zum Baubeginn zu einem fairen Preis überlassen. Auch sonst erfährt Mount Fair viel Unterstützung - ein veganer Supermarkt um die Ecke hat mit dem Kassensystem geholfen, die Einrichtung ist zu einem großen Teil aus Spenden zusammengezimmert. So kommt es auch, dass die Umkleidekabinen einmal Filmkulisse in einem Stasi-Film waren.

Von Stasi-Kulisse zu Umkleidekabine. Von Stasi-Kulisse zu Umkleidekabine.
Eine Schaufensterfront braucht der neue Laden aber nicht. "Berlin ist keine Fußgängerzonen-Stadt", weiß Sebastian, "wenn du sagst, was du machst, dann finden dich die Leute schon." Von eben diesen Leuten ist auch das Bestehen von PHNX und Mount Fair abhängig. "Ob das Projekt funktioniert oder nicht, liegt daran, ob die Leute ihren Sport mit Herz betreiben", weiß Sebastian Jünemann, ob also auch andere so denken wie er und seine Kollegen.

Mount Fair

Böhmische Straße 53-54
12055 Berlin

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Quelle: QIEZ
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