• Freitag, 27. Juni 2014

Nachbarschaftsstreit in Berlin-Rudow

250.000 Euro Geldstrafe oder Haft für WM-Gegröle

  • Fanmasse
    Tröten und Grölen erlaubt? Beim Public Viewing: ja, auf der eigenen Gartenterasse nach 22:00 Uhr: nein! Foto: externe Quelle - ©picture alliance

"Maariioo Götzee!". Nach einigen Bieren haben sich Deutschland-Fans auf die Terrasse gestellt und lauthals gesungen. Kein Fall für WM-Schiedsrichter, sondern für Amtsrichter. Das Urteil in diesem speziellen Fall: Bei Zuwiderhandlung droht ein stattliches Ordnungsgeld.

Der Tathergang beginnt beim 1:0 gegen Ghana. Eine Gruppe angetrunkener WM-Fans tritt auf die Terrasse eines Hauses in Rudow und singt im Chor ein Loblied auf den Torschützen Mario Götze. Der Refrain ist relativ einfach: Maariioo Götzee.

Der Männerchor ist beim Deutschland-Spiel, das am Donnerstagabend beginnen sollte, wohl nicht mehr aufgetreten. Das Amtsgericht Neukölln hat eine einstweilige Verfügung gegen den Chorleiter erlassen. Darin wird ihm untersagt, bis zum Ende der WM "Gesang, Gegröle und lautes Rufen" außerhalb der Wohnung zu unterlassen. Außerdem wird er verpflichtet, Fenster und Türen "während der Spiele der deutschen Nationalmannschaft bis zum 14. Juli nach 22 Uhr geschlossen zu halten." Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld bis zu einer – wohl eher theoretischen – Höchstsumme von 250.000 Euro, "ersatzweise Ordnungshaft".

Das Amtsgericht war von einer Bürgerin angerufen worden, die schon seit längerem mit ihrem Nachbarn im Clinch liegt. Eine friedliche Einigung am Gartenzaun schien deshalb kaum erfolgversprechend, deutete Ehssan Khazaeli von der Kanzlei Werdermann/von Rüden an. Die Polizei war dem Vernehmen nach schon beim vorausgehenden Deutschland-Spiel eingeschaltet worden. Der Einsatz hatte aber keine nachhaltige Wirkung entfaltet, so blieb nur der Schritt zum Richter.

Viele Nachbarn schauen die WM 2014 gemeinsam

Ein ungewöhnlicher Fall, bestätigt Gerichtssprecher Ulrich Wimmer. Einzuordnen in die Kategorie Nachbarschaftsstreitigkeiten, Unterabteilung Lärm. Partylöwen, die alle zwei Wochen ein Happening auf ihrem Grundstück veranstalten, müssten schon mal mit einer einstweiligen Verfügung rechnen. Zur WM drückten die meisten Nachbarn ein Auge zu oder setzten sich gleich zusammen vor den Fernseher. Die Ordnungsämter vermelden nur leicht erhöhte Beschwerdeeingänge. Auch Richter und Staatsanwälte seien keineswegs fußballfeindlich eingestellt, betont Wimmer.

In diesem speziellen Fall habe man auf die übliche anwaltliche Abmahnung verzichtet, sagt Khazaeli. Es eilte schließlich sehr. Der Richter ließ sich von der sechsseitigen Zusammenfassung der Ereignisse überzeugen und erließ die Verfügung. Noch am Donnerstag sollte sie zugestellt werden, damit gilt sie, sofern der WM-Fan keinen Widerspruch einlegt. Tut er das doch, werde es wohl in der nächsten Woche zur mündlichen Verhandlung kommen, erwartet Khazaeli. Dabei muss das Gericht nicht zwingend eine Vorortvisite anberaumen, denkbar wäre es aber.

Für private WM-Partys gilt die übliche Nachtruhe ab 22 Uhr

Kommerzielle Public-Viewing-Veranstalter konnten eine Ausnahmegenehmigung von den Lärmschutzregeln beantragen. Für private Weltmeisterschafts-Partys gilt dagegen weiter die übliche Nachtruhe ab 22 Uhr. Wenn sich Nachbarn beschweren, klärt die Polizei die Lage vor Ort. Wie viele WM-Lärmbeschwerden es bisher in Berlin gab, konnte die Polizeipressestelle am Donnerstag nicht sagen.

Adresse

Rudower Straße
12351 Berlin

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Wohnen & Leben

Late Night Berlin mit Klaas – aus Brandenburg

Late Night Berlin mit Klaas – aus Brandenburg

Klaas Heufer-Umlauf kriegt eine eigene Show – ganz ohne Joko. Ob das gut … mehr Brandenburg

Wohnen & Leben

Das einzig wahre Berlin-Horoskop: Die Sternzeichen

Das einzig wahre Berlin-Horoskop: Die Sternzeichen

Nicht jeder Astrologe wird unseren Berechnungen folgen können, dabei ist … mehr Berlin

Durch den Kiez

Anna König: "Ich liebe Regen und hasse Sonntage!"

Anna König: "Ich liebe Regen und hasse Sonntage!"

Interessant, schön und mit einem Herz aus Gold: Das ist die … mehr Kreuzberg

Wohnen & Leben

Darum ist es in Tiergarten am schönsten

Darum ist es in Tiergarten am schönsten

Keine Frage: In Tiergarten ist es schöner als sonst irgendwo. Grüner … mehr Tiergarten

Bildung

Umstittenes Gedicht kommt ans Brandenburger Tor

Umstittenes Gedicht kommt ans Brandenburger Tor

Nach der Debatte um das angeblich sexistische Gedicht "avenidas" an der … mehr Mitte, Hellersdorf

Mobil

Fünf Dinge, die du über das Mobilitätsgesetz wissen solltest

Fünf Dinge, die du über das Mobilitätsgesetz wissen solltest

Vorfahrt für Radler – auf diese einfache Formel wird das gestern vom … mehr Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen