"Intershop 2000" in der Danneckerstraße

Ostalgie in Friedrichshain

Ostalgie in Friedrichshain
Der Eingang des "Intershop 2000". Zur Foto-Galerie
Rudolfkiez - Nummernschilder, Retro-Trainingsjacken, Eierbecher. DDR-Repliken gibt es in Berlin an jeder Ecke. Wer es jedoch auf Originale abgesehen hat, findet in der Danneckerstraße einen Laden, der die Alltagskultur des ehemaligen zweiten deutschen Staats wiederaufleben lässt.

Sandmännchen-Figuren, FDJ-Fahnen, Trabis. Nach der Wende waren DDR-Produkte lange Zeit der Renner. Man sprach von Ostalgie und einige waren der Meinung, dass im Arbeiter- und Bauernstaat nicht alles so schlecht war, wie es gemacht wurde. Damit hatten sie vielleicht Recht, doch der Hype um Kommunisten-Telefone und alte Konsum-Tüten ebbte um die Jahrtausendwende schneller ab, als er entstand.

Je länger die deutsche Wiedervereinigung zurückliegt und je blasser die Erinnerungen an das „andere Deutschland“ werden, desto geringer wird auch die Nachfrage nach Erzeugnissen der sozialistischen Planwirtschaft. Heute verkaufen sich eher Neuerfindungen wie Ampelmännchen-Taschen, Hammer und Zirkel-Gadgets oder FDGB-Poster, die meist mit ironischem Unterton an den sozialistischen Bruderstaat erinnern. So etwas gibt es im Lädchen von Elke Matz in der Danneckerstraße allerdings kaum. In ihrem „Intershop 2000“ findet man noch Originale wie orangefarbenes Plastikgeschirr, Pionier-Halstücher und Anstecknadeln. An der Kasse liegen zwei Exemplare der DDR-Verfassung aus, im Regal steht eine echte Erika-Schreibmaschine.

Tempo-Linsen und Designer-Milchkännchen

Die Idee zu ihrem Geschäft kam der gebürtigen Westberlinerin nach der Wende. Sie wollte verhindern, dass ein Großteil der übrig gebliebenen DDR-Ware weggeschmissen oder lieblos verramscht wurde und gründete ein Trödel-Unternehmen. Der Name soll eine humoristische Reminiszenz an die Einkaufskultur in Ostdeutschland sein, obwohl es in den Intershops der DDR das genaue Gegenteil zu Tempo-Linsen und MOKKA FIX Gold gab. Dort bekam man gegen D-Mark Ware aus dem Westen, die sich allerdings nur die wenigsten Menschen leisten konnten. Die 69-Jährige startete ihr Projekt in einer „Transportablen Raumerweiterungsanlage“, einer Art DDR-Wohnwagen, vor dem Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße. Nachdem sie ihren Laden in den Neunzigerjahren in die Oberbaum City verlegte, folgte 2004 der Umzug in die Räume eines ehemaligen Konsums in der Danneckerstraße.

Matz sammelt vor allem Stücke wie Vasen, Glaslampen oder Stühle. Das Porzellangeschirr der Mitropa-Kette hat es ihr besonders angetan. Zwischen 1990 und 2000 reiste sie quer durch die neuen Bundesländer, um Tassen, Teller und Milchkännchen vor der Entsorgung zu retten. Außerdem besitzt sie eine große Sammlung verschiedener Plakate aus 40 Jahren DDR, darunter Poster zu Film- und Theaterpremieren, Werbeaushänge und andere Bekanntmachungen. Einige ihrer Objekte haben sogar den Weg ins Kino gefunden. Während der Dreharbeiten zu Wolfgang Beckers Good Bye Lenin stattete sie das Film-Set mit Originalrequisiten aus.

Wie lange sie ihr Geschäft noch betreiben möchte, weiß Elke Matz nicht. Ursprünglich waren nur zehn Jahre vorgesehen, jetzt sind es schon 24. Die mangelnde Nachfrage macht sie stutzig. Vielleicht wird es bald Zeit für etwas Neues, meint die Nostalgikerin.

Foto Galerie

Intershop 2000, Danneckerstraße 8, 10245 Berlin

Telefon 01773210014

Webseite öffnen
E-Mail schreiben


Mittwoch bis Freitag: 14 - 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 12 - 18 Uhr

XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Shopping + Mode

Essen + Trinken | Food | Shopping + Mode

Top 5: Stollenbäckereien in Berlin

Die Schlemmerzeit ist in vollem Gange: Zu Weihnachten können wir uns gar nicht entscheiden, welche […]
Mode | Service | Shopping + Mode

Verkaufsoffene Sonntage in Berlin

Immer wieder sonntags ... Gehst du entweder auf dem Flohmarkt stöbern, ohne wirklich etwas zu […]