Gesundheit in Spandau

An das Leben glauben

Die Palliativstation des Klinikums Spandau war die erste in der Hauptstadt. Sie wurde 1991 eingerichtet.
Die Palliativstation des Klinikums Spandau war die erste in der Hauptstadt. Sie wurde 1991 eingerichtet.
Palliativstation – den Begriff haben viele Menschen schon einmal gehört, doch der genaue Unterschied zu einem Sterbehospiz ist wenigen bekannt. Dabei ist ein Ziel des Aufenthalts, den Patienten den Glauben ans Leben zurückzugeben. So wie am Vivantes Klinikum Spandau.

„Ich müsste jetzt langsam wieder Krankengymnastik für meinen Arm bekommen“, sagt Hildegard M. (Name geändert). Ganz schmal, aber im eleganten Nachthemd und schön frisiert liegt sie in ihrem Bett. Die Schmerzen in ihrem linken Arm seien nun wieder erträglich, berichtet sie, nur sei er schwach, viel zu kraftlos. Die 90-Jährige möchte sich damit nicht abfinden, nicht in diesem Moment. Gestern war das anders. „Da hat sie noch davon gesprochen, dass sie sterben möchte“, erinnert sich Walter Würfel. „Kaum ist der Schmerz weg, so wird der Kopf frei, es entsteht wieder eine Lebensperspektive“, weiß der engagierte Krankenpfleger, der seit beinahe 20 Jahren auf der Palliativstation des Vivantes Klinikums Spandau tätig ist.

Die Station war die erste ihrer Art in Berlin, eröffnet am ersten Oktober 1991. Die Palliativstation eines Krankenhauses ist nicht, wie viele denken, ein „Ort zum Sterben“. Zwar geht es um die Behandlung und Betreuung von in fortgeschrittenem Stadium unheilbar kranken Menschen. „Doch die Krankheit muss nicht in absehbarer Zeit zum Tode führen“, erklärt Ernst Späth-Schwalbe, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, zu der auch die Palliativmedizin gehört. Eine Studie, die 2010 im New England Journal of Medicine erschienen ist, weist sogar nach, dass Patienten mit unheilbarem Lungenkrebs, die palliativmedizinisch betreut werden, bei ansonsten gleicher Behandlung fast drei Monate länger leben als jene ohne zusätzliche Betreuung. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass der Grund auch im frischen Lebensmut zu suchen ist, den die Patienten fassen, sobald die Beschwerden abnehmen.

Ein ‚warmer Mantel‘ für neuen Lebensmut

„Pallium“ ist das lateinische Wort für „Mantel“. Den will ein Palliativmediziner schützend um seinen Patienten legen. Meistens sind die Stationen aus einer Klinik / Abteilung für Onkologie und Hämatologie entstanden und arbeiten eng mit deren Personal zusammen. Die Mehrzahl der Patienten sind Krebskranke wie Hildegard M. Auch gängige Methoden der Tumorbekämpfung werden angewendet. „Wenn wir glauben, dass eine Chemo- oder Strahlentherapie die Beschwerden am besten lindert, dann geben wir sie“, sagt Späth-Schwalbe. Selbst wenn der Kampf gegen den Krebs verloren scheint, gibt es Behandlungsmöglichkeiten und Methoden, um zu helfen: Gegen die Schmerzen, gegen die Übelkeit, gegen die Atemnot, gegen die Angst. „Unser Ansatz ist es, die Symptome zu behandeln“, sagt Späth-Schwalbe. Die Patienten und ihre Angehörigen sollen sich besser fühlen und dadurch neuen Mut schöpfen – wie unter einem warmen Mantel.

Sechs Berliner Krankenhäuser verfügen bereits über Palliativstationen: neben dem Klinikum Spandau die Charité, die Helios-Kliniken Emil von Behring und Buch, das Malteser-Krankenhaus und  das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. Die Patienten, die dort liegen, haben nicht nur Krebs – manche leiden unter schweren chronischen Lungenerkrankungen oder neurologischen Krankheiten. Ihr Ziel ist jedoch, das Krankenhaus lebend zu verlassen – obwohl sie unheilbar krank sind und womöglich nicht mehr lange zu leben haben. Wenn die Schmerzen und die Atemnot unter Kontrolle gebracht werden können, besteht die Möglichkeit, nach Hause oder in ein Hospiz zu gehen. Die Rückkehr unter den Mantel des Krankenhauses steht selbstverständlich offen. Zuhause werden die Patienten durch gut ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte betreut. In Zukunft wird das Fach Palliativmedizin für alle Medizinstudenten zum Pflichtprogramm zählen.

Erfüllte Wünsche

Noch stehen in Relation zur Einwohnerzahl nicht genügend Betten auf Palliativstationen zur Verfügung. In Spandau gibt es sechs Einzel- und zwei Doppelzimmer. Eines davon ist für Angehörige reserviert. Es gibt auch einen Balkon, ein Wohnzimmer, einen Raum, in dem immer freitags ein gemeinsames Frühstück angeboten wird. Und es gibt tatsächlich einen Raucherraum. Krebsmediziner Späth-Schwalbe, der sich sehr dafür eingesetzt hat, dass das Klinikum zum „Nichtraucher-Krankenhaus“ wurde, unterstützt die Ausnahme auf der Palliativstation. Die unheilbar Kranken sollen dieses Stück Lebensfreude nicht missen. Nach Möglichkeit würden auch ausgefallenere Wünsche erfüllt, sagt Krankenpfleger Würfel. Ein schwerkranker Patient durfte seine Katze zu sich holen. Und im Lauf der Zeit gab es auf der Station schon einige Trauungen.

Zehn bis zwölf Tage bleiben die Patienten durchschnittlich, die meisten können anschließend nach Hause oder in ein Hospiz. Auch Hildegard M. dürfte bald entlassen werden. Doch eine brennende Kerze im Flur erinnert an einen Menschen, dem dies nicht mehr vergönnt war.
 


Quelle: Der Tagesspiegel

Vivantes Klinikum Spandau, Neue Bergstraße 6, 13585 Berlin

Seit März 2011 ist dem Vivantes Klinikum Spandau ein Komfortbereich mit gehobenem Standard angeschlossen. In Reinickendorf funktioniert das Konzept schon seit Juni 2010.

Seit März 2011 ist dem Vivantes Klinikum Spandau ein Komfortbereich mit gehobenem Standard angeschlossen. In Reinickendorf funktioniert das Konzept schon seit Juni 2010.

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