• Freitag, 04. Mai 2012

Ahmadiyya-Gemeinde in Pankow

Imagekampagne für Muslima

  • Abdul Basit Tariq
    Abdul Basit Tariq ist Imam in der Khadjia-Moschee in Heinersdorf.. Foto: dapd - ©Timur Emek

Wenn es um das Thema Islam in Verbindung mit Frauen geht, hört man oft als erstes Verschleierung, Ehrenmord oder Diskriminierung. Die in Pankow ansässige Ahmadiyya-Gemeinde möchte nun mit den Vorurteilen aufräumen. Dazu haben sie eine Imagekampagne gestartet.

Muhammad Asif Sadiq wählt seine Worte offensichtlich mit Bedacht. "Wir wollen keine Parallelgesellschaft, wir lassen unsere Imame in Deutschland ausbilden, wir wollen mehr Bildung für Frauen", fasst Sadiq die Einstellung seiner Gemeinde bei einem Treffen am Donnerstag in der Khadija-Moschee zusammen. Die bisweilen einzige Moschee im Osten Berlins befindet sich in der Tiniusstraße in Pankow. Sie gehört der Ahmadiyya-Gemeinde, deren Anhänger als progressive Reformer im Islam gelten. Sadiq wirkt für seine Gemeinde, die laut eigenen Angaben 220 Gläubige umfasst, in Berlin. Diese friedliche Glaubensgemeinschaft möchte nun die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, das oft nicht gesehen wird: Die Frau als geachtete und eigenständige Person im Islam.

Die Ahmadiyya-Anhänger mobilisieren sich zur Aufklärung

Die Gemeinde möchte mit Vorurteilen gegenüber dem Islam aufräumen, wonach er für Frauen generell mit Zwangsehe oder Ehrenmord in Zusammenhang steht. Über die "Frau im Islam" wird es nächsten Mittwoch eine Veranstaltung in der Moschee in Pankow geben. Bereits im April warben rund 250 Plakate in der S-Bahn für die Werte, an denen sich die die Ahmadiyya-Anhänger im Koran orientieren. "Für 7000 Euro bleiben sie einen Monat hängen", sagt Sadiq. Für die Plakate wurden direkte Zitate aus dem Koran benutzt, wie etwa: "Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt." Oder: "Es soll kein Zwang sein im Glauben."

Bei Protesten gegen die Moschee blieb die Ahmadiyya-Gemeinde diplomatisch

Die Ahmadiyya-Muslime gelten als strenggläubig, doch nur wenige Stimmen behaupten, dass sie sich in westlichen Ländern dem Integrationsprozess verweigern würden. Eine derer, bei denen die Gemeinde unbeliebt ist, ist eine Bürgerinitiative aus Pankow, die bereits beim Bau der Moschee 2006 über Monate hinweg gegen die Errichtung des Gotteshauses in Heinersdorf protestierte. Bei den Protestläufen konnte man seinerzeit neben Anhängern der CDU auch Rechtsextreme in der Menge  beobachten. Die Demonstranten hatten besonders das Frauenbild der Gemeinde angeprangert, obwohl unter vielen Muslimen gerade die Ahmadiyya-Gemeinde als diesbezüglich moderat bekannt ist. "Die Frauen unserer Gemeinde haben kürzlich erst Fußball zusammen gespielt", kommentiert Muhammad Asif Sadiq. "Und den Vortrag am kommenden Mittwoch hält meine Schwester." Außerdem hält der Imam der Moschee das Hauptgebet sowohl auf Arabisch als auch auf Deutsch und das schon seit Jahrzehnten.

Nachdem die Salafisten bundesweit auffuhren und besonders in Berlin zu Hauf Korane verteilten, fragt man sich vielleicht, ob sich die Ahmadiyya-Imagekampagne nicht auch gegen die als fundamentalistisch eingestuften Anhänger richte. "Wir haben nichts gegen die Verbreitung des Korans", sagt der Pankower Imam in diplomatischem Ton. "Aber die Salafisten sind dabei ein bisschen aufdringlich."

In Berlin leben rund 210.000 meist türkischstämmige Muslime. Unter rund 80 Moscheen der Stadt gibt es nur fünf Gotteshäuser mit Kuppeln und Minarett, so wie es auch bei der Heinersdorfer Ahmadiyya-Moschee der Fall ist. Die meisten Moscheen sind jedoch nach wie vor in Neuköllner und Kreuzberger Hinterhöfen zu finden und gehören hauptsächlich sunnitischen Glaubensgemeinschaften.

Khadija-Moschee

Tiniusstr. 7
13089 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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