• Montag, 30. Januar 2012

Schule in Pankow

Klimaschutz im Klassenzimmer

  • Klimaprojekt Grundschule Pankow
    Warm und kalt. Die 5b der Pankower Grundschule unter den Bäumen macht mit einer Wärmebildkamera Aufnahmen ihrer Schule und der alten Turnhalle. Jens Clemen vom Projekt "Köpfchen statt Kohle" erklärt den Schülern die Bedeutung der Bilder. Das Projekt wurde vom Bezirk Pankow ins Leben gerufen, um das Energiesparen an Schulen zu fördern. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kai-Uwe Heinrich

Viele Schulen beschäftigen sich mit Energiesparprojekten. Doch das Sparen im eigenen Haus fällt schwer. Die Grundschule unter den Bäumen in Berlin-Pankow versucht sich am Projekt „Köpfchen statt Kohle“.

Es ist morgens, kurz nach acht. 25 Fünftklässler der Pankower Grundschule unter den Bäumen stehen warm angezogen auf dem Hof. Die zehnjährige Isis visiert mit einer Wärmebildkamera die alte Turnhalle an. So sollen die Schüler feststellen, ob durch deren Fensterfront Heizenergie verloren geht. Die Klasse nimmt am Projekt "Köpfchen statt Kohle“ teil – einem auf drei Jahre angelegten Energiespar- und Klimaprojekt, das vom Bezirk Pankow initiiert und bezahlt wurde und das fünfzehn Schulen im Bezirk mit Technik und der nötigen Fachdidaktik beim Energiesparen hilft.

Das Thema soll im Bewusstsein der Schüler verankert werden, nicht nur in Pankow. Rund 300 Berliner Schulen beschäftigen sich mit Themen wie Energie, Energiesparen oder Klimaschutz. An der Grundschule am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg etwa trafen sich im letzten Herbst und Winter morgens bis zu sechs "Wärmedetektive“ mit Lehrer Michael Temme, um die Raumtemperatur zu überprüfen und gegebenenfalls zu regulieren. Und in der Spandauer Bertolt-Brecht-Oberschule liest man auf einer Anzeige, wie viel Kohlendioxid durch die Sonnenkollektoren auf dem Dach vermieden wird. Den Schülern soll ein vernünftiger Umgang mit Energie nahegebracht werden, zugleich sollen sie lernen, welche Sparmöglichkeiten im Schulalltag bestehen.

Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis

Denn da liegt noch manches im Argen. In Klassenzimmern und Turnhallen werde häufig so stark geheizt, dass durch offene Fenster für Abkühlung gesorgt werden müsse, sagt Jens Clemen von Sauter FM, einem Dienstleister für Gebäudewartung. Beim Projekttag an der Grundschule unter den Bäumen an der Straße Alt-Blankenburg 26 klärt er über die technischen Fragen des Energiesparens auf. Ein weiteres Problem sei, dass die Temperatur nicht an den einzelnen Heizkörpern eingestellt werden könne. In den Ferien würde die ganze Schule zentral geheizt - auch wenn nur einzelne Räume genutzt werden. Almuth Tharan vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Berlin beziffert das Energiesparpotenzial an Schulen ohne zusätzliche bauliche Investitionen auf bis zu zehn Prozent pro Jahr.

Es sei oft schwierig, den Erfolg von Einsparanstrengungen nachzuvollziehen, meint Umweltfachfrau Tharan. Viele Energiesparprojekte bezögen sich auf das aktuelle Schuljahr, die Strom- und Heizkosten stünden jedoch meistens erst ein Jahr später fest. Für Schüler sei das "demotivierend“, so Tharan. Unmittelbare Erfolgserlebnisse seien auch beim Thema Energiesparen wichtig.

Die Fünftklässler der Grundschule unter den Bäumen sitzen unterdessen wieder im Klassenzimmer. "Wisst ihr was Energieeffizienz heißt?“ fragt Richard Häusler von der Agentur Stratum, die zum Thema Nachhaltigkeit beratend tätig ist, in die Runde. "Die Jalousien sind runtergelassen“, setzt er erklärend fort. "Das Sonnenlicht lasst ihr draußen, aber die Lampen macht ihr an. Sollen wir das anders probieren?“ Ein Schüler kurbelt die Jalousien hoch.

Auch die Lehrer können lernen

Das Schwierigste beim Thema Energiesparen sei es, "am Ball zu bleiben“, sagt Schulleiter Bernd Woitinek. Das Bewusstsein für sparsameren Energieverbrauch wachse zwar nach einem Projekttag, doch erfahrungsgemäß lasse es auch bald wieder nach. Die Lehrer müssten daher gute Vorbilder sein: "Keine Diskrepanz zwischen Theorie und Handeln“. Besonders wichtig sei das bei Grundschülern. Doch 80 Prozent der Lehrer fühlen sich beim Thema Energie nicht hinreichend ausgebildet – das ergab eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. Dieser Mangel soll durch die Entwicklung von Fortbildungskonzepten im Rahmen der Studie behoben werden.

Die Projektleiter von "Köpfchen statt Kohle“ kommen zu dem Schluss, dass auch die Hausmeister eine Fortbildung zum Thema gebrauchen könnten. Die Verantwortlichen müssten mit der Technik vertraut gemacht werden, sagt Clemen, Ansprechpartner in der Grundschule unter den Bäumen. Manchmal sei in den Schulen gar nicht klar, dass man beim Thema Energie den Hausmeistern Verantwortung einräumen solle – so dass engagierte Hausmeister zum Teil an bürokratischen Hürden scheitern. Aktuell können Hausmeister technische Mängel nur dem Schulamt melden. Besser wäre es, wenn die Hausmeister dem Bauamt unterstellt würden, dass für die Reparaturen zuständig sei, findet Projektleiter Richard Häusler. Und falls das nicht möglich sei, sollte zumindest darüber nachgedacht werden, dass Hausmeister beide Ämter informieren können.

Die Grundschule unter den Bäumen lässt auf jeden Fall nicht locker: In der Klasse 5b achtet nun ein "Lüftungsmanager“ auf das richtige Stoßlüften im Schulalltag.
 

Grundschule unter den Bäumen

Alt-Blankenburg 26
13129 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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