• Montag, 16. Juli 2012

Postkarten-Aktion

Protest gegen Mietpreisexplosion

  • Wohnen bleiben im Kiez
    Die Postkarte - eine Initiative des Frauenzentrums Paula Panke in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Pankow und dem Frauenbeirat Pankow. Foto: externe Quelle - ©Frauenzentrum Paula Panke

Mit Postkarten gegen zu hohe Mietpreise: In Pankow steigen die Mieten so rasant an, dass manche Bürger gegen diese Entwicklung mobil machen. Renter werden sogar zu Hausbesetzern.

Aus Protest haben Eva Gerlach und Astrid Landero 5000 Postkarten drucken lassen. Sie wollen nicht mehr mit ansehen, wie die Mietpreise in Pankow steigen. Deshalb bitten sie die Pankower, ihre Karten zu unterschreiben und ans Bezirksamt zu schicken. Von dort erwarten die beiden Protest-Initiatorinnen vom Frauenzentrum Paula Panke Antworten zur Mietsituation.

Pankow als grüne Alternative

Für die Karten haben Gerlach und Landero einen weißen Briefkasten am Zaun vor ihrem Büro angebracht. Daneben steht eine transparente Box mit den Postkarten, auf die die Anzeige "Grün aber urban" für 1420 Euro Kaltmiete gedruckt ist. Die Annonce steht beispielhaft dafür, dass die Preise in Pankow im vorigen Jahr um mehr als vier Prozent angehoben wurden. Laut Mieterverein liegen erfahrungsgemäß die Neuvertragsmieten 20 bis 30 Prozent über den ortsüblichen Mieten. Daher haben Gerlach, die die Postkartenaktion betreut, und Landero, die das Frauenzentrum leitet, schon viele aus Pankow wegziehen sehen. Stattdessen kamen in den vergangenen Jahren viele, denen zum Beispiel Prenzlauer Berg zu teuer geworden ist. Oder die festgestellt haben, dass Pankow eine grüne, zentrumsnahe Alternative darstellt.

Rebellische Töne wie in Kreuzberg sind hier aber nicht zu hören. "Lärmdemo – eine große Manifestation unseres Kampfmutes" postuliert die Mietergemeinschaft dort am Kottbusser Tor. Auch sie setzen sich gegen verteuerte Wohnungen ein. Gerlach und Landero werben für ihre Aktion mit dem Slogan "Wohnen bleiben im Kiez". Gerlach sagt: "Viele schämen sich darüber zu sprechen, dass sie ihre Miete nicht zahlen können." Sie arbeitet seit fast zwölf Jahren im Frauenzentrum, in das Pankowerinnen, die mit unterschiedlichen Lebenssituationen ringen, kommen: Alleinerziehende, die versuchen, sich mit einem Job über Wasser zu halten. Mittfünfzigerinnen, die wegen einer Krankheit mit Hartz IV auskommen müssen, Rentnerinnen, die von 600 bis 700 Euro im Monat leben. Sie alle blicken mit Sorge auf die hohen Mieten in Pankow.

Bei der Miete hört der Spaß auf

Gerlach hat nichts gegen den Slogan "arm, aber sexy". Das macht den Charme der Stadt aus. Aber bei der Miete ist für sie der Spaß vorbei. "Man kann aufhören, ins Theater zu gehen, man kann bei der Kleidung und auch beim Essen sparen", sagt Eva Gerlach. "Aber die Miete muss einfach bezahlt werden." Dass ihre "Mädels", wie sie ihre Frauen liebevoll nennt, in eine günstigere Gegend umziehen, ist für Gerlach keine Lösung. Die meisten Betroffenen haben ihr Zuhause seit Jahrzehnten in Pankow. Auch sozial Benachteiligte hätten ein Recht, ihre Netzwerke behalten zu dürfen.

Seit etwa einem Jahr setzt sich Paula Panke gegen hohe Mieten ein. Gerlach und Landero versuchen im leisen Pankower Stil, das Thema auf die Prioritätenliste der Politik zu bringen. Sie haben schon Diskussionsveranstaltungen organisiert, damit Betroffene sich austauschen können. Die Bewohner hoffen auf Antworten. Bislang erfolglos. Dass jetzt Pankower Rentner ihren Seniorentreff besetzt halten, begeistert Eva Gerlach. Die Villa in der Stillen Straße 10 soll verkauft werden – was die Besetzer verhindern wollen. "Es sind diesmal die Alten und nicht die Jungen, die ein neues Zeitalter des Protestes in Pankow einleiten", sagt sie. Gerlach hofft, dass bald auch in Pankow der Kreuzberger Kampfesgeist den Protest prägt.

Postkarten können an vier Orten in Pankow unterschrieben werden: Frauenzentrum Paula Panke, Evangelische Gemeinde, Breite Straße 38, Rathaus Pankow, Büro der Gleichstellungsbeauftragten, Raum 147, Buchladen Saavedra, Breite Straße 2

Frauenzentrum Paula Panke

Schulstr. 25
13187 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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