• Mittwoch, 08. April 2015

Pankower Tor in Berlin

Bau von Wohnungen scheitert an einer Shoppingmall

  • Kurt Krieger Möbelunternehmer
    Möbelunternehmer Kurt Krieger möchte auf dem früheren Bahngelände bauen - wann es losgeht, ist nach wie vor unklar. Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

In Pankow scheitert seit einem Jahr der Bau neuer Wohnungen – an einem Einkaufszentrum. In dem neuen Quartier sollen auch dringend benötigte Schulen entstehen. Eine Analyse.

Ein Handschlag unter Männern, zumal solchen die zu den mächtigsten Berlins zählen, hatte dieses Großprojekt eigentlich schon besiegelt: Das Pankower Tor mit mehr als 700 Wohnungen, Schulen und mehreren Einkaufszentren meinten sie Anfang vergangenen Jahres eigentlich schon auf den Weg gebracht zu haben, der damals Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit seinem damaligen Bausenator Michael Müller, Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (alle SPD) sowie Investor Kurt Krieger.

Doch von diesem Zauber des Anfangs ist ein gutes Jahr später nichts mehr übrig. Still ruht die frühere Bahnbrache zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf – und die Verantwortlichen schieben sich wechselseitig die Verantwortung für den Stillstand zu. Grund genug nachzufragen, wo es hakt und wer eigentlich was wirklich will.

DER INVESTOR

Seit 2000 laufe die Planung für die Überbauung des alten Güterbahnhofs Pankow, berichtet Kurt Krieger. Bereits das erste Gutachten, das die Senatsverwaltung selbst in Auftrag gab, habe eine Dreiteilung des Grundstücks vorgesehen mit Fachmärkten im Bereich der Prenzlauer Promenade. Nach dem Erwerb der Fläche im Jahr 2009 wollte Krieger ein Möbelhaus, ein Einkaufszentrum und eine großen Grünfläche "in der Tradition des Pankower Bürgerparks" anlegen.

Weil es aber an Bildungseinrichtungen in dem wachsenden Bezirk fehlt, forderte dieser die Errichtung von zwei Schulen. Krieger sagte zu, die dazu erforderlichen Grundstücke kostenfrei an die Stadt zu übertragen. Als die Wohnungsnot wuchs, habe der Senat den Bau von Wohnungen statt des Parks gefordert, die SPD wiederum wollte günstige Mieten von 5,50 Euro je Quadratmeter für ein Drittel der 750 geplanten Wohnungen.

"Das will ich gerne machen", sagt Krieger. Damit das Quartier aber finanzierbar bleibt, brauche er die Genehmigung zum Bau eines 30.000 Quadratmeter großen Einkaufszentrums und eines "Höffi", wie er seine Möbelhäuser nennt. Letzteres hätten Bezirk und Senat auch nie in Frage gestellt. Und das neu geplante Einkaufszentrum könne das geringe Warenangebot im Pankower Zentrum verbessern, das dem wachsenden Bezirk nicht gerecht werde, findet Krieger.

Damit das Einkaufszentrum unverwechselbar wird, will Krieger den historischen "Rundlokschuppen" in Heinersdorf als Entree nutzen. Dazu soll der 25 Meter hohe Stahlskelettbau abgebaut, saniert und am Bauplatz des Centers neu aufgestellt werden. Mit dem Bezirk sei abgestimmt, dass keine Schnellstraße das Gebiet von Osten nach Westen durchziehen darf. Denn sonst sei wohnwertes Wohnen nicht möglich und "das Fluidum in dem Viertel zum Teufel", sagt Krieger. Aber so einfach ist die Sache nicht.

DER SENAT

Dass es einen "letter of intent" gibt, bestreitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, nur "Gespräche zwischen dem Land und dem Bezirk sowie dem Vorhabenträger" hätten stattgefunden. "Grundsätzlich positiv" sei das Projekt, der Bezirk aber nun am Zuge, findet der Senat. "Es gibt eine klare Vereinbarung, dass Pankow den Bebauungsplan aufstellen muss", sagt Bausenator Andreas Geisel (SPD). Dabei seien zwei Fragen zu lösen: wie das Quartier mit Straßen- und Bahn-Netzen verbunden wird und welche Auswirkung ein Einkaufszentrum mit einer Fläche von 30.000 Quadratmetern auf den Einzelhandel im Ortskern von Pankow hätte.

Kompromissbereit zeigt sich der Bausenator in diesem Punkt: Die bisher geplante Schnellstraße, die das Quartier von Osten nach Westen durchziehen soll, könnte wegfallen, falls dies "gutachterlich" zu vertreten ist. Und auch die vom Bezirk statt einer Straße gewünschte Straßenbahnlinie lehnt der Senator nicht ab, sofern das "wirtschaftlich abbildbar" sei. Dies alles kann aber erst umgesetzt werden, wenn der Senat den alten Flächennutzungsplan ändert, in dem das Gebiet als Bahnanlage festgelegt ist.

Das dazu erforderliche "Änderungsverfahren" sei "angestoßen", so die Verwaltung. Zu Ende bringen könne man das aber erst, wenn Gutachten zu Verkehr und Handel vom Bezirk vorliegen.

DER BEZIRK

Die in einem langjährigen Beteiligungsverfahren gefundene Mischung aus Wohnen, Einzelhandel und Schulen wird von allen Fraktionen unterstützt. Statt einer Straße quer über das Gelände wünscht sich der Bezirk eine Tramlinie. Das geplante Einkaufszentrum mit 30.000 Quadratmetern wird vor allem von den Grünen kritisch gesehen. Das bestehende Zentren-Konzept des Senats, das kein neues Einkaufszentrum in Pankow vorsieht, solle bis zum Sommer "evaluiert" werden, sagt der grüne Baustadtrat Jens-Holger Kircher (Bündnis 90/Die Grünen).

Nicht die Größe eines neuen Zentrums sei das Problem, sondern die Architektur. Eine Mall sei nicht mehr zeitgemäß. Der Einzelhandel sollte in das Wohnquartier integriert werden. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) sieht wegen des starken Zuzugs mittelfristig Bedarf für ein weiteres Einkaufszentrum in Pankow. Hier liegt nun der Knackpunkt – und das Gelände liegt erst einmal weiter brach.

Der SPD-Abgeordnete für Pankow, Torsten Schneider, will jetzt die Bürger über die Planung des Möbelunternehmers Kurt Krieger abstimmen lassen. Er ist sich sicher, dass sie das Projekt mit großer Mehrheit unterstützen. Ein Bürgerentscheid, der nicht von einer Bürgerinitiative ausgeht, müsste allerdings durch eine Zweidrittelmehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen werden. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) findet die Idee "ungewöhnlich", aber nicht unmöglich: "Wenn es die Sache beschleunigt, bin ich dafür."

Auch die SPD-Fraktionschefin Rona Tietje findet den Vorschlag "charmant". Der grüne Baustadtrat Jens-Holger Kircher sieht dagegen kaum Nutzen in einem Entscheid. "Die Konfliktlinien wären dadurch nicht ausgeräumt."

Adresse

Damerowstraße 8
13187 Berlin

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Wohnen & Leben

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Oderberger Straße, Kastanienallee und Weinbergspark kennt doch eigentlich … mehr Mitte, Prenzlauer Berg

Grünes Berlin

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Die Pfaueninsel hat Besucher verloren. Viele Besucher. Wir konnten uns … mehr Zehlendorf

Wohnen & Leben

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Jeden Tag werden zwei Start-ups in Berlin gegründet. Damit du die … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Urban Gardening in Berlin

Urban Gardening in Berlin

Mit den ersten Sonnenstrahlen startet endlich die Gartensaison. Auch wer … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Sex-Boxen und Dixis statt Sperrbezirk: ein Anfang?

Sex-Boxen und Dixis statt Sperrbezirk: ein Anfang?

Der Senat will keinen Sperrbezirk, der Bezirksbürgermeister Stephan von … mehr Schöneberg

Wohnen & Leben

Darum ist es in der Rosenthaler Vorstadt am schönsten

Darum ist es in der Rosenthaler Vorstadt am schönsten

Wenn wir von unserem Lieblingskiez erzählen, der den historischen Namen … mehr Mitte

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen