Pilotprojekt im Party-Kiez

Mit Pantomimen gegen Ruhestörung

Mit Pantomimen gegen Ruhestörung
Die Partner hinter der Initiative für einen stadtverträglicheren Tourismus in Friedrichshain-Kreuzberg (v.l.): Burkhard Kieker (Geschäftsführer visitBerlin), Bezirksstadtrat Dr. Peter Beckers, Projektmanagerin Malena Medam (Clubcommission Berlin e.V.), Lutz Leichsenring (Pressesprecher / Vorstand Clubcommission) und Thomas Lengfelder (Dehoga Berlin).
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg startet gemeinsam mit Partnern aus der Clubszene, der Hotelbranche und dem Stadtmarketing ein Pilotprojekt, um den unerwünschten Auswüchsen des Nachtlebens entgegenzutreten. Ob Pantomime-Künstler und Mediatoren mit Spiel und Dialog etwas bewirken können, wird zwei Monate lang getestet.

Friedrichshain-Kreuzberg haben die steigenden Besucherzahlen und der Party-Tourismus wirtschaftlich gut getan, auch wenn sich das nicht direkt in der Bezirkskasse niederschlägt. In den letzten Jahren erfolgte der Aufstieg zum unumstrittenen Szenebezirk Nummer 1. Das vielfältige Nachtleben, das die Gäste entzückt, hat jedoch Begleiterscheinungen mit sich gebracht, die unter den Anwohnern weit weniger gut ankommen – wie etwa Lärm und Müllprobleme in den besonders betroffenen Straßen.

Im FluxBau am Kreuzberger Spreeufer wurde am Donnerstag ein Pilotprojekt vorgestellt, dass die Besucher – seien sie aus Berlin oder Madrid – für die Problematik sensibilisieren soll. Projektmanagerin Malena Medam von der Clubcommission Berlin berichtete von der internationalen Vergleichsanalyse, die Ansätze aus 21 Städten in elf Ländern daraufhin untersuchte, ob sie für die deutsche Hauptstadt praktikabel sein könnten. „Wir möchten uns auf einen Berlinerischen Lösungsweg begeben“, so Medam. Der soll spielerisch und dialogorientiert ausfallen – dafür wurden zwei bereits anderswo praktizierte Ideen vereint. Vom 8. Mai bis 11. Juli weisen Pantomime-Künstler die Nachtschwärmer an Wochenendnächten in den Partykiezen des Bezirks mit kleinen Spielszenen auf das Ruhe- und Sauberkeitsbedürfnis der Anwohner hin. Begleitet werden sie von Mediatoren, die auch sprechen und Handzettel verteilen sollen.

Nur ein Ansatz von vielen

Wo genau die Route der Pantomimen entlangführen wird, steht noch nicht fest. Der Geschäftsführer der Stadtvermarkter visitBerlin, Burkhard Kieker, weiß natürlich um die Problemzonen: „In der Simon-Dach-Straße und am Boxhagener Platz gibt es Erscheinungen, über die wir reden müssen.“ Es ist allerdings nicht geplant, dass die Mediatoren nach grölenden Betrunkenen Ausschau halten und diese gezielt ansprechen. Vielmehr sollen die Passanten, Bar- und Clubbesucher vor Ort spielerisch auf die Thematik hingewiesen werden.

Die Projektpartner sind sich darüber im Klaren, dass Pantomime allein die Auswüchse des Partytourismus nicht lindern kann und ein Erfolg des gut 52.000 Euro teuren Modellversuchs abzuwarten bleibt. Bezirksstadtrat Dr. Peter Beckers, zuständig unter anderem für Wirtschaft und Ordnung, beeilte sich auf die anderen Ansätze des Bezirks hinzuweisen: Mediationsverfahren und polizeiliche Maßnahmen wie im Konflikt um den nächtlichen Aufenthalt auf der Admiralbrücke oder Milieuschutzverordnungen, um die Ansiedelung von zu vielen Bars und Cafés zu verhindern. Für die Gegend zwischen Görlitzer Park und dem RAW-Gelände an der Revaler Straße, die wegen zahlreicher Drogendelikte in den Schlagzeilen war, kündigte er ebenfalls ein Konzept an. Auch die Idee eines Nachtbürgermeisters ist noch nicht vom Tisch.

Stadtrat Beckers zeigte sich erfreut, dass nun der Schulterschluss mit starken Partnern gelungen sei und auch der Senat hinter der Initiative stehe. Während der letzten Jahre habe man sich von letzterem jedoch mehr Unterstützung bei der Problematik erwartet. Zu spät kommt das Projekt noch nicht: Grundsätzlich sei die Einstellung der Berliner zu Touristen laut Umfragen nach wie vor überwältigend positiv, wie Burkhard Kieker erklärte. Ob das in Friedrichshain-Kreuzberg so bleibt, wird bis Juli wohl noch nicht entscheiden sein.

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