Parochialkirche in Mitte

Turm in Sicht

Turm in Sicht
Doppelt so hoch: Die Parochialkirche soll ihren Turm und ihre Glocken zurückbekommen
Die Parochialkirche in Mitte soll wieder in altem Glanz erstrahlen und dazu gehört eine echte Kirchturmspitze. Die evangelische Gemeinde St. Petri – St. Marien hat den Bauantrag dafür im Februar eingereicht.

Noch sieht man in der Klosterstraße nur einen halben Kirchturm, doch der unfertige Look dürfte bald der Vergangenheit angehören. Nach Stand der Dinge wird die Parochialkirche wieder einen 68 Meter hohen Turm bekommen. Der Bauantrag ist beim Bauaufsichtsamt eingegangen, die evangelische Kirchengemeinde hofft auf eine schnelle Entscheidung. Architekt Jochen Langeheinecke rechnet mit einer Prüfzeit von etwa drei Monaten und gegebenenfalls einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren. Unternehmer Hans Wall hat 90.000 Euro für die Erhöhung gespendet, der Verein Denk mal an Berlin e.V. 10.000. Außerdem sollen die Lotto-Stiftung und möglicherweise die EU einspringen.

Die Parochialkirche in Mitte, gebaut von 1695–1705, ist die jüngste der drei Altstadtkirchen und eines der wenigen erhaltenen barocken Bauwerke Berlins. Ihr Glockenspiel zog die Menschen an. Jede Viertelstunde ertönte eine Melodie, einmal in der Woche gab der Glöckner ein Konzert. Dazu kamen Tausende vor der Kirche zusammen, später wurden die Konzerte europaweit im Radio übertragen.

Die Bombardierung der Stadt machte dem ein Ende. Die Turmspitze stürzte auf das Kirchendach, das Gotteshaus blieb lange Zeit eine Ruine. Nach der Wende wurde der Innenraum gesichert, doch die Besucher empfängt nur blankes (allerdings original barockes) Mauerwerk. Gottesdienste finden derzeit nicht regelmäßig statt. Aber in diesen Mauern bleibt die Geschichte lebendig. „Ich habe kürzlich den Brief einer 80-Jährigen erhalten“, sagt Hans Wall, „deren Sohn in der Parochialkirche Glockenist war und hier im Mai 1944 konfirmiert wurde, kurz bevor er an der Ostfront fiel. Es würde ihr viel bedeuten, wenn das Glockenspiel wiederersteht.“

Rückkehr der Glocken

Für die Turmspitze ist eine Holz-Stahl-Konstruktion geplant, die mit steingrau gestrichenem Kupferblech verkleidet werden soll. Vier Löwen zierten früher den ehemals hölzernen Turm, deren Gipsform wiederentdeckt wurde, so dass auch sie zurückkehren können – ein Muster hat der Bildhauer Bernd Helmich bereits in seiner Adlershofer Werkstatt angefertigt. Und natürlich sollen auch die 37 Glocken wieder eingebaut und regelmäßig geläutet werden. Die Baukosten schätzt Langeheinecke auf 2,5 Millionen, mit Glocken auf drei Millionen Euro. Ob diese zusammenkommen, muss sich erst noch zeigen. „Wir sind positiv gestimmt“, sagt Detlev Graf von Schwerin vom Verein Denk mal an Berlin – ohne allerdings konkrete Zahlen nennen zu wollen.

Hans Wall, Vorstandsvorsitzender von Denk mal an Berlin, arbeitet schon seit einigen Jahren für dieses Projekt. „Sobald die Genehmigung da ist, wird gebaut“, sagt er. Heißt das, dass das Geld notfalls von ihm kommt? „Wo soll es sonst herkommen?“, lautet seine vielsagende Antwort. Doch er verweist auch auf die Bedeutung von Sponsoren – und das finanzielle Engagement der 300 Vereinsmitglieder.

Das Klosterviertel könnte vom neuen, ‚echten’ Kirchturm profitieren und mehr Aufmerksamkeit bekommen. Noch ist es trotz eigenem U-Bahnhof selbst unter Berlinern weniger bekannt als das Nikolaiviertel – obwohl es besser erhalten ist.


Quelle: Der Tagesspiegel

Parochialkirche, Klosterstraße, 10179 Berlin

Parochialkirche

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