Mascha fragt nach

Von Frauen für Frauen: Partys und Bars für lesbische und queere Frauen

Von Frauen für Frauen: Partys und Bars für lesbische und queere Frauen
Mal auf eine Party gehen, auf denen Frauen flirten und Männer nur eine Randerscheinung sind? Ein paar gibt es.
Der International Lesbian Day am 8. Oktober hat Kolumnistin Mascha zu der Frage inspiriert: Wo gehen Frauen in Berlin eigentlich hin, wenn sie nur mit Frauen tanzen, trinken, knutschen wollen? Da hat sie mal nachgefragt und recherchiert – und diese Clubs, Bars und Partys für lesbische und queere Frauen zusammengetragen.

Bei einer meiner täglichen Social-Media-Sessions erfuhr ich eher zufällig zwei Dinge: Am 8. Oktober war International Lesbian Day. Und: Eine Institution der lesbischen Berliner Partyszene hört auf, die Mondo Klit Rock Club Party. Von beidem hatte ich noch nie gehört. Und vor allem bei der Party fing mein Hirn an zu rattern. Kenne ich überhaupt irgendeine Bar oder einen Club in Berlin, der sich explizit an lesbische Frauen richtet? Oder, um den Bogen weiter zu spannen, an queere Frauen oder sich als weiblich identifizierende Menschen, die (auch) auf Frauen stehen und? Zusammengefasst: Welche Locations und Partys gibt es, auf denen Männer maximal eine Randerscheinung sind und die Girls im Fokus stehen?

Frauen im Fokus? Auf Partys eher selten

Tatsächlich habe ich mich schon diverse Male mit Freund*innen darüber ausgetauscht, dass es gar nicht so einfach ist, Frauen, die auf Frauen stehen, kennenzulernen – weder online noch in Clubs. Meine schwulen Freunde haben da gar kein Problem, die gehen einmal auf Apps wie Grindr oder in einen der sehr zahlreichen schwulen Läden und zack, massenhaft Männer auf dem Silbertablett. Und auch auf den diversen queeren und/oder sexpositiven Partys, auf die wir alle zusammen gehen, ist der Anteil schwuler Männern deutlich höher als der lesbischer oder bisexueller Frauen. Ein bisschen bicurious sind zwar viele, aber nicht selten mit männlichem Partner im Schlepptau, der auch gerne mitmischen will. Selbst mir ist das manchmal zu blöd, und ich spreche ja aus einer speziellen Perspektive. Ich bin sexuell auf kein Geschlecht festgelegt und komme in KitKat, Berghain und Co. – so blöd das klingen mag – immer auf meine Kosten. Aber auch nur, weil meine Männerquote deutlich höher ist. Dabei würde ich gerne viel häufiger Frauen kennenlernen!

Nachtleben nur für Frauen – Recherchieren lohnt sich

Liegt das jetzt nur daran, dass ich nie richtig hingeschaut habe, was Berlin auf diesem Feld zu bieten hat? Weil ich nicht lesbisch bin und zweifellos in meiner „am liebsten feiere ich mit allen zusammen und kann ja eh mit jedem und jeder rummachen“-Blase lebe? Sicher ist das ein Faktor, aber es ist doch auffällig, dass mir sofort zig schwule Bars, Locations und Events einfallen, aber keine, die sich nur an lesbische Frauen richten? Oder generell nur an weibliche Gäste? Eigentlich muss diese Hochburg des queeren Nachtlebens doch eine gute Auswahl an lesbischen Clubs und Bars sowie Partys und Events von und für Frauen offerieren. Aber das, was ich entdecke, ist vergleichsweise überschaubar. Und dass die Ausgeh-Optionen vorhanden, aber begrenzt sind, bestätigt mir nicht nur eine lesbische Freundin, sondern wird auch in diversen Artikeln im Netz thematisiert. Mit der Kombination aus Eigenrecherche und Insiderinnen-Tipps konnte ich zumindest diese Auswahl zusammenstellen.

Clubnächte und Partys für lesbische und queere Frauen

L-Tunes (wechselnde Locations)

Eine echte Institution für lesbische Partys ist die Partyreihe L-Tunes bzw. deren Vorgänger-Events. Dahinter steckt die MegaDyke productions, die schon 1993 mit einer ersten lesbischen Party in Berlin starteten. 2006 ging es mit L-Tunes im SchwuZ los. Eine schöne Idee, in dem sonst schwulen Laden eine Alternative für Frauen zu schaffen. Erklärtes Ziel: Sichtbarkeit. Seit 2017 findet die Partyreihe in wechselnden Locations statt. Wie die meisten Veranstaltungen zeigen sich auch die L-Tunes nicht nur offen für lesbische Frauen, sondern laden auch bi- und Trans-Frauen sowie – je nach Abend – deren männlichen Freunde ein. Am besten immer vorab auf der Website checken, welche Musik in welcher Location mit welcher Ausrichtung ansteht. Laut Ticketshop soll die nächste L-Tunes am 26. Oktober 2019 stattfinden.
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Ein Beitrag geteilt von L-tunes & LIQUID – by megadyke (@lesben.party.berlin) am Sep 28, 2019 um 6:56 PDT

Girls Town (Kreuzberg)

Von dieser Party wurde mir erzählt, aber irgendwie ist sie mir dann wieder entfallen – meiner besagten Party- und Clubroutine geschuldet. Auch Girls Town kann als alte Häsin unter den Frauenpartys bezeichnet werden, schon seit 2006 findet die Partyreihe statt. Aktuell im Gretchen, aber nur alle zwei Monate, immerhin an einem Samstag. Wichtig: Den Veranstalterinnen betonen, „Lesben, inter-, trans- und bisexueller Weiblichkeit“ einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie ungestört feiern können. Queere und schwule Freunde sind zwar theoretisch willkommen, aber am Ende entscheidet das Personal an der Tür, ob diese reinkommen. Das Line-up ist, je nach Abend, mal elektronischer, oft aber bunt gemischt. Die nächste Girls Town ist am 16.11., danach geht es erst am 11. Januar 2020 weiter.
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Lecken (Kreuzberg)

Beim Nachgrübeln fiel mir noch diese Partyreihe ein: Die Lecken im UnterTage in Kreuzberg. Ganz klar keine explizit lesbische Party, sondern offen für alle, die abseits starrer Geschlechtergrenzen und sexpositiv feiern möchten. Aber die Veranstalterinnen betonen auch, einen klaren Gegenpol zum männlich dominierten Berliner Nachtleben bieten zu wollen. Das Augenmerk liegt also auf einem Publikum, das sich als weiblich identifiziert – und das ist wie gesagt auch in der queeren Szene durchaus selten. Der Webauftritt und das Line-up sprechen ebenfalls für sich, hier hat Weiblichkeit das Sagen – daher sollte diese Party an dieser Stelle nicht fehlen. Auch, wenn Frauen hier nicht ausschließlich unter sich sind.
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Ein Beitrag geteilt von Damian Carta (@damiancarta) am Jun 26, 2018 um 6:15 PDT

Events in Bars und Kneipen für Frauen

Goddesses im Twinpigs (Neukölln)

Auf diesen Hinweis bin ich gestoßen, als ich mal wieder einen (erfolglosen) Versuch gestartet habe, Frauen auf Tinder kennenzulernen. Eine Userin schrieb dort, dass sie jeden zweiten Mittwoch im Monat eine lesbische Party in Neukölln im Twinpigs veranstaltet – und da das zufällig eine von mir regelmäßig besuchte Hipster-Bar ist, wurde ich natürlich hellhörig. Und fand im Netz die Veranstaltung Goddesses, die offenbar noch in den Kinderschuhen steckt – zumindest macht die Seite den Eindruck. Die aber tatsächlich alle zwei Wochen mittwochs stattfindet. Mit dem Ziel, „lesbischen Frauen in Berlin eine neue Möglichkeit zu geben, sich zu treffen und einen netten Abend in einer guten Bar zu verbringen“, wie es auf Englisch auf Facebook heißt. Das klingt doch ganz gut! Vermutlich ist das Ganze nicht für eine undefiniert orientierte Zielgruppe wie mich bestimmt. Sollte ich trotzdem mal hingehen, werde ich berichten. Der nächste Termin ist der 16. Oktober.
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Mädchendisco im Möbel Olfe (Kreuzberg)

Auch ins Möbel Olfe bin ich bisher immer nur mit dem Wissen gestolpert, dass es sich um einen queeren Laden handelt. Doch Kennerinnen wie meine besagte Insider-Freundin wissen, dass hier immer dienstags die Mädchendisco stattfindet. Auch hier scheint es aber nicht ganz so strikt zuzugehen. Zwar sind die DJs weiblich und auch die ersten Stunden sei es, sagt sie, eher ein „FLTI*Q-Abend“, aber nach und nach würden sich auch Männer unter das weibliche Feiervölkchen mischen. Das Konzept scheint aber gut zu funktionieren, denn voll sein soll es immer.
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FLTI* Nacht im Tristeza (Neukölln)

Ein Tipp einer lesbischen Freundin: Das Tristeza ist eine Kollektivkneipe in Neukölln, die jeden ersten Mittwoch im Monat (schon wieder ein Mittwoch) einen FLTI*-Tag ausruft. Das heißt, die Kneipe steht an diesem Datum nur „Frauen*, Lesben*, Trans* und Inter*menschen“ offen, wie auf Facebook nachzulesen ist. Das heißt, hier wird an diesem Abend ohne cis-Männer getrunken, gequatscht und sich ausgetauscht. An allen Tagen und unabhängig vom Event steht das Tristeza für linke, alternative Kneipenkultur, die homophobe oder rassistische Äußerungen nicht duldet, was eine entsprechende Szene anzieht.
Weitere Infos gibt es hier.

Ganz schön Kreuzberg/Neukölln-lastig, diese Auswahl. Auch ein interessanter Fakt. Ich bleibe an dem Thema dran, denn jetzt bin ich angefixt. Für weitere Anregungen bin ich gerne zu haben.

Gut, dass ich da mal nachgefragt und nachgeschaut habe,

eure Mascha

Gretchen, Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin

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